Kardinal Schönborn: "Gefahr der Spaltung gibt es"

Ausführliches Interview vor dem mit Spannung erwarteten Ad limina-Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT spricht der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Schönborn, über den "Dialog für Österreich" und innerkirchliche Reformen.

Schönborn auf die Frage, was er dem Papst beim "Ad limina"-Besuch in Rom erzählen wird: "Ich möchte in Rom zuerst deutlich machen, daß der Weg des Dialogs, zu dem uns der Papst ausdrücklich ermutigt hat, bisher richtig war. Der Weg ist mühsam, wie jeder Dialog in einer schwierigen Situation." Schönborn weiter: "Ich möchte in Rom deutlich machen, daß sich die Kirche in Österreich nicht in einer Totalkrise befindet."

Zur Möglichkeit einer Kirchenspaltung, die der Salzburger Weihbischof Andreas Laun in den Raum gestellt hat, sagt Schönborn:
"Die Gefahr einer Spaltung gibt es in der Kirche immer und es hat sie immer gegeben. Ich glaube, daß es diese Gefahr auch bei uns geben kann. Ich bin aber überzeugt davon, daß wir dieser Gefahr einen ganzen Schritt entgegengetreten sind."

Für offen hält Schönborn die Entwicklung der geistlichen Ämter in der Kirche. Schönborn zu der Rolle der Frauen und zur Frage des Zölibats: "Ich habe ausdrücklich gesagt, daß das für mich eine offene Frage ist. Die Laien brauchen nicht zu verzweifeln, daß gewisse Spielräume jetzt nicht möglich sind. Andererseits bin ich überzeugt davon, daß sich vieles auch in der Gestalt des Amtes ändert. Papstamt, Bischofsamt, Priesteramt, Laiendienste in der Kirche, da wird sich noch sehr vieles tun. Ich bin da ganz offen für die Überraschungen des Heiligen Geistes, der die Kirche immer wieder ganz erstaunlich ins Neue geführt hat."

Zum vieldiskutierten Brief von Joseph Ratzinger, in dem der Kardinal das Arbeitsdokument des "Dialogs für Österreich" heftig kritisiert, meint Schönborn: "Der Brief sagt hier etwas völlig Zutreffendes. Denn das Arbeitsdokument ist ja nicht ein Text der Bischöfe, sondern eine Sammlung der Äußerungen, die in den Eingaben zu finden war. Daß nicht alle Meinungen ganz genau mit der katholischen Lehre übereinstimmen, war zu erwarten."

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