Nach dem Wirbelsturm Mitch: Schuldenerlaß für Nicaragua und Honduras dringend notwendig

Wien (OTS) - Die ArbeitsGemeinschaft EntwicklungsZusammenarbeit (AGEZ) sowie "Erlaßjahr 2000 Österreich" appellieren an die österreichische Bundesregierung, die Exportkredite Nicaraguas und Honduras zu streichen, auch wenn - oder gerade weil - diese nur gering sind. Dadurch soll ein Zeichen der Solidarität mit den schweren Überschwemmungen betroffenen MittelamerikanerInnen gesetzt werden. Auch sollten sich die Regierung sowie die österreichischen Vertreter in Weltbank und Währungsfonds international für einen raschen, weitgehenden Schuldennachlaß für Nicaragua und Honduras einsetzen. Die durch den Schuldenerlaß freiwerdenden Mittel sollen zwingend zur Finanzierung von medizinischer Versorgung und zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur eingesetzt werden. Die Regierungen Nicaraguas und Honduras sollen von den österreichischen Vertretern aufgefordert werden, auch den Kleinbauern im Land die Schulden zu erlassen.

Es zeigt sich, daß die Naturkatastrophe zwei Länder getroffen hat, die auf ein solches Ereignis in keiner Weise vorbereitet sind. Einer der Hauptgründe dafür liegt in ihrer ungemein hohen Auslandsverschuldung. 1997 zahlte Honduras insgesamt 410 Mill. Dollar an seine internationalen Gläubiger und investierte gleichzeitig nicht mehr als 16 Mill. Dollar in sein öffentliches Gesundheitssystem. 1998 müßte das Land 450 Mill. Dollar an Schuldendienst aufbringen.

Obwohl Nicaragua im Rahmen von Umschuldungen des Pariser Clubs durch Österreich Schuldennachlässe erhalten hat, zahlt das Land jährlich Millionen Schilling an Österreich zurück.

Der gewaltige Mittelabfluß durch den Schuldendienst hat diese Länder daher extrem verwundbar gemacht. Es steht zu befürchten, daß es nach den ersten Todesopfern des Sturms zu noch größeren Verlusten an Menschenleben durch Infektionskrankheiten sowie durch Mangelernährung auf Grund von Ernteausfall kommen wird. Es wäre daher unmenschlich und unmoralisch, in einer solchen Situation auf der pünktlichen Rückzahlung von Schulden zu bestehen. Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe, die ganz Mittelamerika in Mitleidenschaft gezogen hat, sollten auch österreichische Banken eine Streichung von Forderungen gegenüber El Salvador, Guatemala und Costa Rica erwägen.

Die ArbeitsGemeinschaft EntwicklungsZusammenarbeit - AGEZ ist eine Plattform von 29 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen in Österreich. Sie wurde 1988 gegründet, um gemeinsame entwicklungspolitische Anliegen gegenüber der Öffentlichkeit und der Regierung besser vertreten zu können.

"Erlaßjahr 2000 Österreich" ist Teil der in mehr als 40 Ländern bestehenden, internationalen "Jubilee 2000"-Bewegung, die einen Erlaß der unbezahlbaren Schulden der armen, hochverschuldeten Länder im Jahr 2000 fordert. "Erlaßjahr 2000 Österreich" ging aus der "Initiative 96 Entschuldung" hervor, die in einer Kampagne im Jahr 1996 den Erlaß österreichischer Export- und Entwicklungshilfekredite für arme, hochverschuldete Länder sowie mehr Transparenz im Schuldenbereich forderte. Diese Forderungen wurden von über 56.000 ÖsterreicherInnen unterstützt.

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