Überreichung des Literaturpreises der Salzburger Wirtschaft an Karl-Markus Gauß

Wirtschaft will geistige Auseinandersetzung fördern

SALZBURG (HKS). Der Salzburger Autor und Essayist Karl-Markus Gauß ist der Preisträger des heurigen "Literaturpreises der Salzburger Wirtschaft". Wirtschaftskammerdirektor Dr. Wolfgang Gmachl und Dr. Brita Steinwendtner überreichten dem renommierten Publizisten Dienstag abend im WIFI der Wirtschaftskammer Salzburg den mit
80.000 S dotierten Literaturpreis. Wirtschaftskammer, Kreditwirtschaft und Vereinigung der Österreichischen Industrie, Landesgruppe Salzburg, würdigen als Stifter des Preises einen Schriftsteller, "der europaweit Geltung erlangt hat in einer bei
uns im Schatten stehenden literarischen Tradition: der Essayistik und Kulturpublizistik", wie Dr. Brita Steinwendtner in ihrer Laudatio ausführte. Der Jury des Literaturpreises gehörten Rektor Univ.-Prof. Dr. Adolf Haslinger, Kulturredakteur Hans Langwallner (Kronenzeitung) und Dr. Brita Steinwendtner an.

Hinter dem Kulturengagement der Wirtschaftskammer Salzburg stehe
die ernstzunehmende Absicht der Interessenvertretung der
Salzburger Wirtschaft, die geistige Auseinandersetzung zu fördern, sagte Wirtschaftskammerdirektor Dr. Gmachl vor dem zahlreich erschienenen Publikum.

In einer entwickelten Welt sei der entscheidende Erfolgsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr nur die ausreichende Verfügbarkeit über klassische materielle Grundlagen, sondern auch der Reichtum an "Geist", Wissen, Ideen. Die Wirtschaftskammer unterstütze deshalb auch mit allem Nachdruck die Forderung des Buchhandels, die Buchpreisbindung beizubehalten. Ein Buch sei
keine x-beliebige Ware, sondern Kulturleistung, ein Buchhändler auch Kulturvermittler. Es müsse auch eine "Nahversorgung" mit qualitätsvollen Büchern, mit "geistigen Lebensmitteln" möglich sein, sagte Gmachl.

Philosophie für Weltleute
Diese liefert in hoher Qualität der diesjährige Preisträger des Literaturpreises der Salzburger Wirtschaft. Karl-Markus Gauß stehe für eine vorurteilslose Reflexion und Diskussion über die viel gebrauchten und mißbrauchten Begriffe von Mitteleuropa, Europa und Großeuropa, von Regionalismus und Nationalismus, betonte Dr. Steinwendtner in ihrer Laudatio. Sein Mitteleuropa sei nicht das
der Vaterländer, sondern eines der Muttersprachen. Zwischen den enthusiastischen Propagandisten und den angeekelten Verächtern Europas sucht Gauß - "der Partisan im Hinterland der Vorurteile" -nicht den Mittelweg, sondern die farbige Wirklichkeit der Länder des Südostens und Ostens in ihrer Geschichte, ihrer Literatur und im Schicksal des einzelnen, der zwischen den Mächtigen und den Machtblöcken zerrieben wurde. Gauß trete mit seiner Essayistik als "Apologet der Verlorenen" auf, als Kulturvermittler und
Spurensucher will Gauß auch den vergessenen Dichtern und Opfern
der historischen Katastrophen der letzten beiden Jahrhunderte ein beredtes Denkmal setzen. Steinwendtner: "Seine Essayistik ist präzise und bildkräftig, analytisch und magisch. Sie ist historische Recherche, spannende Literatur und Philosophie für Weltleute. Seine Gedankenführung ist biegsam, seine Haltung
radikal und seine Sprache hat viele Attribute, die er an den von
ihm beschriebenen Dichtern rühmt: heißen Zorn, pädagogischen Eros, spielerischen Witz und unaufgeregtes Pathos der Distanz." Gauß
habe eine Ideen- und Gesprächskultur entwickelt, der in Österreich nur ganz wenige zur Seite stehen und die in der Schweiz etwa mit Adolf Muschg und in Deutschland mit Hans Magnus Enzensberger verbunden sei. Karl-Markus Gauß "hat den Mut, das Widerständige zu artikulieren und das Ungedachte zu präzisieren".

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: 0662/8888 DW 345
bbauer@sbg.wk.or.at

Wirtschaftskammer Salzburg

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | HKS/HKS