Hostasch: Sozialmodell Europa ist Erfolgskonzept der Zukunft-

Sozialer Dialog muss verstärkt geführt werden

Wien, 10. November 1998 (BMAGS).- Ein klares Bekenntnis zu
einem sozialen Europa und ein Plädoyer für eine noch stärkere Einbindung der Sozialpartner in die politische Entscheidungsfindung sind die wichtigsten Ergebnisse der heute in Wien zu Ende gehenden Konferenz "Europäisches Sozialmodell – Sozialer Dialog". Auf Einladung der österreichischen EU-Präsidentschaft diskutierten unter der Leitung von Sozialministerin Lore Hostasch in der Wiener Hofburg über 300 Politiker, Vertreter von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, EU-Parlamentarier und Experten die künftigen Herausforderungen und Chancen für ein soziales Europa und die Rolle der Sozialpartner im politischen europäischen Prozess. ****

"Das Sozialmodell europäischer Prägung hat sich in den letzten Jahrzehnten bewährt", betonte Hostasch. Die hohe Berechenbarkeit der sozialen Beziehungen, die unter anderem durch wenig Streiks und einer großen Arbeitszufriedenheit gekennzeichnet ist, habe sich eindeutig als positiver Wettbewerbsfaktor in einer globalisierten Wirtschaft erwiesen. Auch die international gesehen relativ hohen Löhne hätten die Wettbewerbskraft Europas keineswegs geschwächt, das höhere Einkommen würde im wesentlichen durch eine höhere Produktivität erwirtschaftet, so Ratspräsidentin Hostasch.

Das "Europäische Sozialmodell"

Das europäische Sozialmodell kann durch folgende Faktoren charakterisiert werden:

* überwiegend staatlich organisierte Bildungssysteme, die vergleichbare und qualitativ hochwertige Bildungsabschlüsse ermöglichen

* umfassend ausgebaute Systeme des Arbeitnehmerschutzes

* einen gemeinsamen Sockel an arbeitsrechtlichen Vorschriften

* ausgebaute Systeme der sozialen Sicherheit und

* sozialpartnerschaftliche Strukturen, die in der Mehrzahl der Mitgliedsländer eng mit dem Staat kooperieren.

Ein weiteres Charakteristikum ist, dass die Mitgliedsstaaten
der EU einen hohen Anteil ihrer Budgets für Sozialleistungen ausgeben. Im Schnitt sind es 28 Prozent des BIP. Der europäische Wohlfahrtsstaat ist damit wesentlich stärker ausgebaut als in den USA. Im Vergleich zu Europa werden in den USA nur etwa 15 Prozent der Sozialleistungen über den Staat finanziert. Ausgrenzung und Armut sind in Europa weniger stark ausgeprägt, als dies in Amerika der Fall ist.

Verstärkte Koordinierung in der Zukunft notwendig

"In Zukunft wird es immer wichtiger, eine stärkere
Koordinierung der Lohnpolitik auf europäischer Ebene zu erreichen. Dadurch kann Beschäftigung geschaffen und die Arbeitslosigkeit in Europa reduziert werden", führte Hostasch weiters aus.

Für den Erfolg einer europäischen Wachstums- und Beschäftigungspolitik sei das Ausmaß der politischen Koordination entscheidend. Wirtschafts-, Budget- und Lohnpolitik könnten im Rahmen der WWU einen wichtigen Beitrag leisten. Ebenso könnte eine stärkere Koordination der makroökonomischen Handlungsbereiche auf europäischer Ebene positiv auf Wachstum und Beschäftigung wirken. Mit den beschäftigungspolitischen Leitlinien und den Grundzügen der Wirtschaftspolitik wären Instrumente für eine stärkere Koordination auf Gemeinschaftsebene vorhanden, die weiter ausgebaut und gestärkt werden sollen, um Wachstum und Beschäftigung zu stärken.
"Es hat sich bisher schon gezeigt, dass die Zusammenarbeit aller wirtschaftlichen und politischen Akteure in Zukunft immer wichtiger wird und dabei den Sozialpartnern auf nationaler und europäischer Ebene eine immer bedeutendere Rolle zukommen wird", so Sozialministerin Lore Hostasch abschließend.

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