ÖH Uni Wien empfiehlt Klima das Studium seines Parteiprogramms

Wien (OTS) - Silvia Stuppäck vom Vorsitzendenteam der HochschülerInnenschaft an der Uni Wien: "Ich bin sehr erstaunt und bestürzt darüber, daß sich der sozialdemokratische Bundeskanzler Klima sich für eine völlige Autonomie der Universitäten und eine Führung als Kapitalgesellschaft ausspricht. Dies ist weder im Sinne der Studierenden, noch des neuen Parteiprogramms der SPÖ".

Eine privatwirtschaftliche Organisation der Universitäten würde auf kurz oder lang die Einführung von Studiengebühren mit sich bringen, da das primäre Anliegen einer Kapitalgesellschaft der Gewinn ist. Ein solcher läßt sich mit dem herkömmlichen Lehrbetrieb aber keinesfalls erwirtschaften.

Universitäten haben einen gesellschaftlichen Auftrag, der sich nicht in Bilanzzahlen ausdrücken läßt. Eine derartige Umstrukturierung im Bildungsbereich hätte schwerwiegende Folgen für den freien Zugang zur Universität. Ein Studium für Kinder einkommensschwacher Eltern würde damit ungleich erschwert, wenn nicht verhindert werden. Im Bildungssytem würde eine Klassengesellschaft entstehen, die sich durch die finanzielle Potenz der Studienanwärter ausdrückt. Dies steht im krassen Gegensatz zu der im SPÖ Parteiprogramm zu findenden "Gesellschaft in der Klassengegensätze überwunden sind".

"In einer Gesellschaft, in der Bildung immer mehr zum Kapital wird, ist diese auch ein Ausschlußkriterium", so Stuppäck: "Der Umgang mit Wissen und Informationsbeschaffung wird immer wichtiger. Ein Staat , der an der Bildung seiner Bürger und Bürgerinnen spart, spart auch an Demokratie und schafft Klassengegensätze durch einen sozialen Numerus Klausus ".

Eine vom Institut für angewandte Soziologie im Auftrag der ÖH erstellte Studie zur soziale Lage der Studierenden deutlich die Auswirkung der Sparpakete: Die Zahl der StudienanfängerInnen, deren Eltern über ein monatliches Einkommen unter 15.000,- Schilling verfügen, ging stetig zurück. Aus der Gesamtheit der Studierenden machten diese, die sich SS 1998 über dem 10. Semester befanden 8,8 % aus, diejenigen bis zum 4. Semester nur noch 5,5 %.

"Ich empfehle daher dem Bundeskanzler vor weiteren bildungspolitischen Äußerungen dringend die Lektüre seines Parteiprogramms und spreche mich im Namen der Studierenden vehement gegen die Idee der Universität als Kapitalgesellschaft aus", so Stuppäck.

Rückfragen & Kontakt:

Silvia Stuppäck
vom Vorsitzendenteam unter 4277 195 20
oder Johannes Högl, Pressereferent unter 4277 195 43.

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NHO/OTS