Budgetsanierung kostet medizinische Versorgungsqualität

NÖ-Ärzte über neue Vorschläge des NÖGUS äußerst beunuhigt

Wien (OTS) - "Zweifellos ist es die Entscheidung der verantwortlichen Politiker, welche gesundheitspolitischen Strukturen die niederösterreichische Bevölkerung in Zukunft vorfinden wird. Zwischen Theorie und Praxis klafft jedoch - gerade im Spitalsbereich - eine riesige Lücke. Die Vorschläge des NÖGUS, die offensichtlich vom verantwortlichen Politiker LR Mag. Wolfgang Sobotka mitgetragen werden, werden innerhalb kürzester Zeit zu einer einschneidenden Herabsetzung der medizinischen Versorgungsqualität der niederösterreichischen Patienten führen," zeigt sich MR Dr. Gerhard Weintögl, Präsident der NÖ Ärztekammer besorgt um die derzeitigen "Strukturmaßnahmen" im Gesundheitswesen.

Der NÖGUS-Vorschlag führt dazu, daß in Niederösterreich flächendeckend eine Rufbereitschaft an allen "kleinen" Krankenhäusern eingeführt wird. Während die Bewohner größerer Städte wie St. Pölten, Wr. Neustadt oder Mistelbach weiterhin gut auf organisierte Spitalsstrukturen zurückgreifen können, werden durch diese "Strukturänderungen" die Spitäler "am Land" keine ausreichende medizinische Versorgung mehr leisten können.

"Unsere Politiker wollen, daß an kleinen NÖ-Krankenhäusern während der Nacht und am Wochenende nur mehr ein Anästhesist und ein Internist Dienst versehen. Die tatsächliche Versorgung der Patienten während dieser Zeit soll durch Ärzte in Ausbildung erfolgen. Dies ist nicht nur ungesetzlich, sondern auch in der Praxis undurchführbar. Wenn diese Vorschläge tatsächlich Gesetz werden, kann man jeden Patienten nur davor warnen, zukünftig ein niederösterreichisches "Land-Spital" aufzusuchen.

Die Ausbildung der jungen Ärzte wird zusammenbrechen, qualifizierte Primarärzte für Land-Krankenhäuser werden sich keine mehr finden, die Versorgungsqualität wird sich zunehmend verschlechtern un in wenigen Jahren werden diese Krankenhäuser zusperren müssen. Eine Schließung der kleinen Krankenhäuser in Niederösterreich ist auch das offensichtliche Ziel dieser Vorschläge. Jedoch sind die verantwortlichen Politiker scheinbar nicht couragiert genug, dies auch zuzugeben," ärgert sich Primarius Dr. Franz Stöger, Vizepräsident der NÖ Ärztekammer und Leiter der Chirurgie im Krankenhaus Tulln.

"Bei einer Umsetzung der NÖGUS-Vorschläge wären von einem Tag auf den anderen in den Krankenhäusern Allentsteig, Amstetten, Baden, Eggenburg, Gmünd, Hainburg, Hollabrunn, Horn, Klosterneuburg, Korneuburg, Krems. Lilienfeld, Melk, Neunkirchen, Scheibbs, Stockerau, Waidhofen/Thaya, Waidhofen/Ybbs, Zwettl, Mödling und Tulln statt insgesamt 130 Ärzten pro Nacht nur mehr 42 (!) in den Krankenhäusern anwesend. Wie sollen wir Ärzte eine Patientenversorgung aufrecht erhalen, wenn man das notwendige Fachpersonal um mehr als 2/3 reduziert. Eine Umsetzung des NÖGUS-Papieres wird unweigerlich zu Zwischenfällen führen, bei denen auch Menschen in NÖ-Krankenhäusern sterben werden, die bei der derzeitigen Struktur große Überlebenschancen hätten. Dies gilt für Kinder, ebenso wie für Unfallopfer, Herzinfarktpatienten oder alte Menschen," stellt Dr. Harald Schlögel, Oberarzt im Krankenhaus St. Pölten und Vizepräsident der NÖ Ärztekammer fest.

Die Ärztedichte an NÖ-Spitälern ist im österreichweiten Durchschnitt ohnedies schon die schlechteste. Während in Wien auf 100 Krankenbetten 34 Ärzte kommen, sind es in Niederösterreich lediglich 18 (!).

"Mindestens die Hälfte aller NÖ-Krankenhäuser wird auf diese Weise in den nächsten fünf Jahren zusperren müssen. Wenn dies wirklich politischer Wille ist, so muß man dies auch klar aussprechen. Die NÖ-Ärzte werden jedoch diesem Terroranschlag auf die medizinische Versorugngsqualität der niederösterreichischen Bevölkerung nicht tatenlos zusehen" so die Ärztekammervertreter abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Niederösterreich
Tel.: 01/533 36 11, Fax: 01/533 36 11-119

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS