Vorausmeldung zu NEWS Nr. 45/5.11.98

Wien (OTS) - "Die ganze Affäre ist eine reine innertschechische Angelegenheit. Da soll jemandem geschadet werden." Das meint Ladislav Bittmann, zwischen 1966 und 1968 tschechischer Kulturattache in Wien und seit mehreren Jahren Professor am Jounalistikinstitut der Universität Boston, im Interview mit der morgen erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins NEWS. Bittmann gilt als wichtiger Zeuge in der "Spionage-Affäre" um Alt-Bürgermeister Helmut Zilk.

NEWS traf Bittmann, vor seiner Zeit als Kulturattache führender Geheimdienstmann in Prag, an seinem jetzigen Arbeitsplatz an der Universität Boston. Bittmann, ein Sympathisant des Prager Frühlings, hatte sich nach sowjetischer Invasion 1968 in den Westen abgesetzt und war in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Erst 1994 hob Prag das Todesurteil auf. Bittmann kündigt gegenüber NEWS an, demnächst ein Buch zu veröffentlichen, in dem auch Zilk ein ganzes Kapitel gewidmet sein soll. Bis dahin will er nicht ins Detail gehen. Bittmann zu NEWS: "Ich möchte zuerst abwarten, welche Unterlagen die hohen Herren in Prag präsentieren. Erst dann werde ich mit meiner Version in die Öffentlichkeit gehen."

Zilk reagiert auf diese Ankündigung gelassen: "Soll er doch. Ich habe ihn vor Jahrzehnten höchstens zehn Mal gesehen und dabei recht angenehme Gespräche geführt."

Bittmann deutet an, daß es sich im Fall Zilk um eine reine innertschechische Intrige handeln dürfte: "Zilk war dabei nur das Werkzeug." Bittmann erinnert sich in diesem Zusammenhang auch an seine Vergangenheit als Chef der Geheimdienstabteilung "Desinformation" in Prag: "In der Abteilung waren wir über 400. Die meisten haben ihren Job verloren. Sie sitzen untätig in Prag herum und sinnen auf Rache. Die haben sehr viel Erfahrung im Vernebeln."

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