JAMES TURRELL The Other Horizon

Pressepreview: Dienstag, 1. Dezember 1998, 10.30 Uhr Ausstellungsort: MAK-Ausstellungshalle EG

MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst
Stubenring 5, A-1010 Wien Ausstellungsdauer: 2.
Dezember 1998 - 21. März 1999 Öffnungszeiten: Di - So 10.00 -18.00 Uhr

Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Wien (OTS) - Die vom MAK produzierte Ausstellung The Other Horizon zeigt vom 2. Dezember 1998 bis 21. März 1999 eine repräsentative Auswahl aus dem umfassenden Oeuvre des amerikanischen Künstlers James Turrell. Die ausgewählten Arbeiten Turrells stellen unterschiedliche Entwicklungsstufen in seiner Auseinandersetzung mit den Phänomenen des Lichts dar, von der ersten Werkgruppe der Projection Pieces hin zu einer ausführlichen, rezenten Dokumentation des Roden Crater Projects. Weiters wird eine Reihe von James Turrells komplexesten Lichtinstallationen im MAK realisiert: Spektrale Wedgeworks und Shallow Space Constructions, die die skulpturale Räumlichkeit von Licht erfahrbar machen, ein eigens für das MAK geschaffener Skyspace im MAK-Garten, der "meditative" Naturbeobachtungen ermöglicht, sowie eine raumfassende Ganzfeld-Lichtinstallation, die die zentrale Ausstellungshalle in eine blaue, homogene, physisch erfahrbare Lichtkuppel verwandelt.

1967, als Turrell mit 23 Jahren seine erste Lichtprojektion Afrum-Proto realisiert, betritt er Neuland, das für seine Generation und die Kunstentwicklung nachhaltig wirksam wird. Obwohl er im zeitlichen Kontext der Minimal Art und der Earthwork-Bewegung arbeitet und sich einzelne, strukturelle Gemeinsamkeiten mit den Arbeiten dieser Künstlergruppierungen aufzeigen lassen, sind es kategoriale Unterschiede, die seine singuläre Position in der Kunst bis heute auszeichnen.

"My works are not a looking at, but a looking into; not the displacement of space with mass, but the working of space; not objects in a room, but the room. The format is not things within space, but space itself." (J. Turrell)

Es sind Primärstrukturen der Wahrnehmung, die Turrell interessieren und zum Ausgangspunkt seiner Projection Pieces werden. Die weiße, streng geometrische Xenon-Licht-Projektion von Afrum-Proto, die auf die Ecke eine Raumes gerichtet ist, bewirkt die optische Illusion eines freischwebenden Quaders, der sich scharfkantig vom umgebenden Raum abzeichnet und eine lichte, stoffliche Qualität besitzt. Dieser Eindruck ist jedoch flüchtig, da mit einer Bewegung im Raum der Quader sich dimensional verändert, verflacht und letztlich auflöst. Diese Fragilität des Objekts ist die direkte Folge seiner Wahrnehmung und rückt damit den Prozeß des Sehens ins Zentrum der Arbeit. Die perzeptive Beziehung des Betrachters zum Kunstwerk, die auf die Materialität des Objekts verzichtet und auf die abstrakte und immaterielle Qualität des Lichts zurückgreift, bestimmt auch grundlegend die folgenden Werkreihen Turrells.

Die Shallow Space Constructions (1968/69) und die Wedgework Series (ab 1969) sind "Lichträume", die durch komplexe Lichtführungen aus farbigem Fluoreszenz- und Neonlicht entstehen. Durch die Berücksichtigung und Abstimmung auf menschliche Sehvorgänge entwickelt Turrell aus den illusionistischen Körpern der Projection Pieces reale Situationen, die den Betrachter umfangen und direkt mit der Responsivität seines, durch das herrschende Licht gelenkten Blicks und der Orientierung im Raum konfrontieren. Durch die Lichtführung der Shallow Space Constructions stülpt sich die Dreidimensionalität des Raumes um und erscheint dem Betrachter ohne Tiefenausdehnung, die Wedgeworks verändern die räumliche Erfahrung durch keilförmige, farbig opake Lichtwände, die diagonal den Raum durchlaufen, teilen und die Bewegung innerhalb des Raumes scheinbar begrenzen.

Die zeitlich nachfolgenden Werkgruppen der Structural Cuts (ab 1974) und der Space Division Constructions (ab 1976) basieren auf Erfahrungen, die Turrell in seinen Atelierräumen im Mendota Hotel in Ocean Park, Kalifornien, zwischen 1969 und 1974 macht. Durch gezieltes Öffnen und Aufbrechen von Fenstern, Wänden und Decken des Ateliers entstehen, wie Turrell es nennt, "Sensing Spaces", Wahrnehmungsräume. Es sind Räume, die auf das Eindringen äußerer Lichtverhältnisse "antworten" und durch den Blick, der sich innerhalb dieser Räume formt, existent sind.

Für Turrell sind es "retinale Bilder", die sich aus den unterschiedlichen Lichtwirkungen ergeben, sowie Dialogsituationen zwischen sensitiven Räumen und Blicken, die sich in diese Räume richten, die er als "looking-at-the-space-looking-at-you" beschreibt. In den Ganzfeld Pieces, einer weiteren Werkgruppe, die James Turrell ab 1970 realisiert, ist diese dialogische Situation äußerst intensiv erlebbar, indem der Betrachter den sensitiven Raum auch physisch betritt und von einem homogenen, meist himmelblauen, Lichtfeld umgeben ist, das ihn seines Gleichgewichts und seiner Orientierung nahezu beraubt.

Ausgehend von den fortgesetzten Arbeiten wird Turrell zunehmend bewußt, daß seine Arbeiten entsprechende Gefäße, d. h. materielle Voraussetzungen benötigen. Im P.S.1 in New York hat er erstmalig die Chance, für die Erfordernisse der Realisierung eines Skyspace einen architektonischen Eingriff zu konstruieren. Skyspaces sind Raumöffnungen, die oberhalb der Horizontlinie liegen und Himmelsphänomene isoliert beobachtbar machen. In den Skyspaces wird der Himmel nahezu greifbar und dennoch vermitteln die Räume ein Gefühl von Geschlossenheit. Vermehrt tritt in dieser Zeit das Arbeiten mit Naturlicht in den Vordergrund und dessen mannigfache Erscheinungsformen je nach Brechung und Temperatur in unterschiedlichen Höhen der Atmosphäre, die Turrell auch als Pilot erlebt.

Mit Hilfe der Dia Art Foundation, die in den 70er Jahren einige bedeutende Earthworks ermöglichte, erwirbt James Turrell 1977 den Roden Crater, einen erloschenen Vulkan in der Painted Desert von Arizona. Dort arbeitet Turrell seit über 20 Jahren an der Zusammenführung der konzeptionellen Arbeiten seiner ersten Werkgruppen und den "gewaltigen", keiner menschlichen Kontrolle unterliegenden Lichtphänomenen der Natur. Das Roden Crater Project umfaßt in seiner Planung und schrittweisen Realisierung ein elaboriertes Netz von Kammern und Gängen, die in den Korpus des Vulkans eingelagert sind und als sensible Volumen auf die Spezifität des Ortes reagieren. Die Structural Cuts und Skyspaces sind dort zugleich Himmelsobservatorien, die nachts einen Prospekt zum Makrokosmos des Universums eröffnen. Einfache architektonische Eingriffe ermöglichen die Verbindung von Mensch und Natur, Mensch und Universum, die die vormals eingeschränkten Seherfahrungen innerhalb der konstruierten Raumsituationen entgrenzen. Diese im Roden Crater möglichen Erfahrungen eines entgrenzten Himmels, einer die Erde überwölbenden Kuppel, nennt Turrell den anderen Horizont - The Other Horizon.

Ausstellungsdaten

JAMES TURRELL The Other Horizon

PressepreviewDienstag, 1. Dezember 1998, 10.30 Uhr EröffnungDienstag, 1. Dezember 1998, 17.00 - 23.00 Uhr
(Einlaß nur mit Einladung - gültig für zwei

Personen)
Da die Lichtinstallationen von James Turrell

für eine individuelle und direkte Auseinandersetzung konzipiert sind, ist eine Beschränkung der Besucherzahl in den

Ausstellungsräumen notwendig. Wir bitten daher
von den verlängerten Besichtigungszeiten bei
der Eröffnung, 17.00 - 23.00 Uhr, Gebrauch zu machen. Ausstellungsort MAK-Ausstellungshalle EG

MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst Weiskirchnerstraße 3, A-1010 Wien Ausstellungsdauer
2. Dezember 1998 - 21. März 1999 Öffnungszeiten Di - So 10.00 -18.00 Uhr

Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

AusstellungJames Turrell, Peter Noever MAK-KuratorDaniela Zyman AssistenzRuth Lackner, Claudia Seidel Technische Leitung
Harald Trapp, Philipp Krummel KatalogZur Ausstellung
erscheint ein Katalog
Deutsch/Englisch, ca. 230 Seiten, 100 Abbildungen

FührungenSonntags, 15.00 Uhr
Treffpunkt: Foyer Weiskirchnerstraße
Schulklassen, Gruppen und Sondertermine gegen
Anmeldung: Gabriele Fabiankowitsch,

Tel. 01-711 36-298

Feiertage08.12.Mariä Empfängnis 10.00 - 18.00 Uhr
24.12.Heiliger Abend10.00 - 15.00 Uhr

25.12.Christtaggeschlossen
26.12.Stefanitag10.00 - 18.00 Uhr 31.12.Silvester10.00 - 15.00 Uhr 01.01.Neujahrgeschlossen
06.01.Heilige 3 Könige 10.00 - 18.00 Uhr

MAK-EintrittöS 90,00/öS 45,00 ermäßigt für Schüler, Studenten,

gesamt
Senioren ab 60, Soldaten, Gruppen ab 10 Personen/ Freier Eintritt für Kinder bis 10,

Mitglieder der MAK ART SOCIETY,
Studenten der Universität für angewandte
Kunst, Museumpaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.
Freier Eintritt24.12. Heiliger Abend

Rückfragen & Kontakt:

Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

Dorothea Apovnik

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