Wiener Appell: Richtigstellung

Der WIENER APPELL sieht sich nunmehr dringend verpflichtet, wiederkehrende Falschmeldungen in Agenturmeldungen und Medienberichten richtigzustellen und ersucht um entsprechende Kenntnisnahme:

* Die Zahl der Todesopfer des sogenannten »Schmutzigen Krieges« zwischen dem türkischen Staat und dem kurdischen Volk beträgt - allein unter den kämpfenden Einheiten beider Seiten - inzwischen mehr als 50.000 (anstatt der oftmalig kolportierten 30.000). Davon unabhängig forderten die Kämpfe im kurdisch besiedelten Teilen des Iraks wohl etwa ebenso viele Menschenleben, wobei diese Zahl zugegebenermaßen schwer objektiv evaluierbar, da weitgehend unerforscht ist. Die Zahl toter (ermordeter) Zivilist/innen in allen kurdischen Gebieten (Türkei, Irak, Iran, Syrien) ist kaum schätzbar, geht aber unzweifelhaft in die Hunderttausende. Allein während der »Operation ANFAL« (1988/89) »verschwanden« im Irak über 180.000 Kurd/innen spurlos. In der Türkei gibt es gegenwärtig mehr als 10.000 politisch inhaftierte Kurd/innen. Etwa fünf Millionen Kurd/innen sind aus ihrer Heimat vertrieben worden. Über 4.000 kurdische Dörfer bzw. Ansiedelungen wurden/sind zerstört, deren Wald- und Agrargebiete absichtlich verbrannt und jedwede Infrastruktur vernichtet.

* Die »Kurdische Arbeiterpartei« (»PKK«) darf - nach mehreren höchstgerichtlichen Entscheidungen - in nahezu allen Staaten der Europäischen Union längst nicht mehr als »terroristische« bzw. »seperatistische Organisation« bezeichnet werden. In jenen EU-Staaten (Deutschland, Schweden), in denen sie bisher in diesem Sinn noch nicht anerkannt ist, gibt es ernsthafte Bestrebungen vonseiten national einflußreichen politischen Kräften und offiziellen Organen, dies in absehbarer Zeit zu revidieren. Die »PKK« und andere pro-kurdische Parteien in der Türkei streben längst nicht mehr die direkte Loslösung der kurdischen Gebiete an. Gefordert wird allerdings die Anerkennung der kurdischen Identität (Sprache, Geschichte, Kultur, ...) sowie die Möglichkeit zur ungehinderten, legalen Arbeit der demokratischen pro-kurdischen Parteien. Natürlich schließt dies die ungeteilte Verwirklichung der Menschenrechte im Sinne der UN-Konvention für diese größte ethnische Minderheit der Türkei mitein.

Die genannten Zahlen und Angaben beziehen sich auf aktuelles, dokumentiertes, nachweisbares Datenmaterial (Stand: Oktober 1998). Folgende Quellen wurden verwendet:

  • Internationale Berichte von UNO bzw. UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), Genf
  • Nationale Berichte des Österreichischen BMAA (Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten), Wien
  • Jahresbericht 1997 des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Menschenrechte, Wien
  • Jahresbericht 1997 von AI (Amnesty International), London - Wien
  • Jahresbericht 1997 des IMK (Internationaler Verein für die Menschenrechte der Kurden), Bonn
  • Jahresbericht 1997 der IHD (Insan Haklari Dernegi - Human Rights Association), Istanbul
  • Berichte einer Vielzahl weiterer unterschiedlicher nicht-staatlicher (Menschenrechts-)Organisationen, darunter: »Centre for Human Rights«, London, »European Organization for Human Rights«, Wien, »Solidarity - Demining Group«, Sundyberg (SWE) - Wien, »Heyva Sor A Kurdistane«, Kasbach-Ohlenberg (BRD)
  • Berichte von verschiedenen internationalen (politischen) Delegationen
  • Dokumentationsarchiv des WIENER APPELLS, Wien
  • Außerdem: Material aus unzähligen Pressemeldungen und seriösen Zeitungsberichten der internationalen Presse, aus persönlicher Recherche, aus Zeugenaussagen von Flüchtlingen und anderen Betroffenen, uvm.

Der WIENER APPELL - Eine Initiative zur Menschlichkeit, ist eine Vereinigung, die seit 1996 in Österreich besteht und (partei-)unabhängig streng objektiv für die Einhaltung von Menschenrechten von Kurd/innen aktiv ist. Zielsetzung ist, das kurdische Volk in allen Regionen im legitimen Streben nach Anerkennung seiner Existenz, seiner Sprache, seiner kulturellen Identität, seiner (politischen) Selbstbestimmung und Entfaltung zu unterstützen. Als nicht-staatliche Organisation (NGO) hat sich der WIENER APPELL verpflichtet, Menschenrechtsverletzungen aufzuzeigen, die Öffentlichkeit und Behörden darüber zu unterrichten und zu versuchen, vielfältig und direkt Unterstützung (z.B. karitativ) zu leisten. Es ist Aufgabe des WIENER APPELLS, entsprechende Ereignisse in kurdischen Gebieten zu recherchieren und zu dokumentieren. Aus diesem Grunde werden enge Beziehungen zu allen erreichbaren, seriösen und verläßlichen Informationsquellen unterhalten. Der WIENER APPELL ist somit das erste und einzige unabhängige »DOKUMENTATIONSZENTRUM ZUR
KURDENFRAGE« in Österreich.

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