Drohender Streit zwischen Regierung und Nationalbank um die Devisenreserven - Experte rät: Noch heuer 60 bis 80 Milliarden abschöpfen

Wien (OTS) - Der Plan die Regierung, Devisenreserven der Nationalbank zur Forschungsförderung umzuleiten, sorgt für Aufregung. In der jüngsten Ausgaben von "Format" lehnt Nationalbankgouverneur Klaus Liebscher solche Ideen rundweg ab: "Darüber können wir erst ab dem Jahr 2002 diskutieren, und auch dann nur auf europäischer Ebene."

In scharfem Widerspruch zu Liebscher steht der Ökonom Georg Winkler, Österreichs führender Geldtheoretiker und oftmaliger Berater der Regierung. Winkler im "Format"-Interview: "Ab 1. Jänner geht die währungspolitische Verantwortung aber an die EZB über, sie erhält ein Mitspracherecht, was mit den nationalen Währungsreserven gemacht werden darf. Bis dahin kann Österreich noch allein darüber entscheiden. Daher sollten überschüssige Währungsreserven exakt zum Übergang vom Schilling zum Euro abgeschöpft werden."

Winkler rät der Regierung, noch heuer auf die Devisenreserven zugreifen, und zwar in viel höherem Maß als geplant: "Ein Volumen von 60 bis 80 Milliarden Schilling wäre ohne jegliche Bedenken zu verkraften."

Zuletzt hatten Vizekanzler Schüssel und Kanzler Klima angekündigt, die Nationalbank werde einen Fonds ins Leben rufen, der aus den Devisenreserven gespeist wird und mit seinen Zinserträgen Forschung und Technologie finanziert. Wirtschaftsminister Farnleitner trifft Liebscher am kommenden Donnerstag zu einem Gespräch und gibt sich "Format" gegenüber weiter zuversichtlich: "Der Fonds soll bis 1999 stehen. Schon mit einem Kapital von 20 Milliarden Schilling könnte er jährlich 1,4 Milliarden ausschütten.

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