Lackindustrie: Sonder-Umweltverordnung gefährdet Betriebe

Harmonisierung der Umweltvorschriften in Europa gefordert - Österreichs Gesetzgebung könnte 40.000 Arbeitsplätze kosten

Wien (PWK) - Massive Wettbewerbsverzerrungen für die Anwender von Lacken und Anstrichmitteln befürchten die Vertreter der österreichischen Lack- und Anstrichmittel-Industrie, sollte es zu keiner EU-konformen Umsetzung der VOC-Richtlinie über die Begrenzung flüchtiger organischer Verbindungen (Volatile Organic Compounds) kommen. Eine weitere Verschärfung der Umweltvorschriften durch österreich-spezifische Regelungen könnte die Existenz zahlreicher kleiner und mittlerer Gewerbebetriebe und somit rund 40.000 Arbeitsplätze nachhaltig gefährden. ****

Bei den flüchtigen organischen Verbindungen handelt es sich vor allem um organische Lösemittel, die als Vorläufersubstanzen für bodennahes Ozon fungieren und damit in unterschiedlichem Ausmaß die Umwelt belasten. Lediglich rund 13 Prozent dieser Emissionen stammen aus der Verwendung von Lösemitteln bei der Anwendung von Lacken, Klebstoffen, Holz- und Bautenschutzmitteln. Ein mehrfaches betragen die natürlichen Emissionen aus Wäldern und Landwirtschaft.

Auf Grund der Bemühungen der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie konnte etwa seit dem Jahr 1990 eine Reduktion der Lösemittel-Emissionen um etwa 40 Prozent erzielt werden. Dies geht aus einer Studie der Technischen Universität Wien hervor, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion des Fachverbandes der chemischen Industrie präsentiert wurde. Eine Fortsetzung dieser drastischen Verringerung bis zum Jahr 2000 ist jedoch auf Grund der derzeitigen technischen Grenzen bei der Entwicklung lösemittelarmer Beschichtungs- und Klebestoffe nicht zu erwarten.

"Die österreichische Lack- und Anstrichmittelindustrie bekennt sich zu hohen Umweltstandards, spricht sich aber gegen eine extrem strenge Reglementierung eines kleinen Teilbereichs aus, die keinen ökologischen Nutzen bringt, aber der österreichischen Wirtschaft enorme Wettbewerbsnachteile beschert. Zudem ist Umweltschutz kein regionales Problem, sondern muß als gesamteuropäische Aufgabe angesehen werden", wünscht sich Günther Berghofer, Obmann der Berufsgruppe Lack- und Anstrichmittelindustrie im Fachverband der chemischen Industrie, auch eine entsprechende Erkenntnis beim österreichischen Gesetzgeber.

Die Lack- und Anstrichmittelindustrie fordert daher eine rasche und vor allem EU-konforme Umsetzung der VOC-Richtlinie, die zu der langersehnten Harmonisierung der österreichischen und europäischen Regelung führen werde. Derzeit gelten in Österreich für Erzeuger und Anwender von Lacken und Anstrichmitteln die, im Vergleich zu anderen Staaten äußerst strikten Vorgaben der Lösungsmittel- und Lackieranlagenverordnung.

"Bis zum Jahresende gibt es in Österreich noch Übergangsbestimmungen, doch danach spitzt sich die Situation für kleinere und mittlere Gewerbebetriebe wie Tischlereien oder Lackierereien dramatisch zu. Da eine Unterschreitung der Mengengrenzen technisch nicht machbar ist, haben sie entweder die Möglichkeit gegen das Gesetz zu verstoßen oder um rund drei Mio Schilling pro Betrieb eine Abluftreinigunsanlage zu installieren", beschreibt ein Vertreter der Lack- und Anstrichmittelindustrie das wirtschaftliche Dilemma.

Durch die Abhängigkeit von größtenteils im Ausland produzierten Rohstoffen erweisen sich die österreich-spezifischen Regelungen in diesem Bereich zunehmend als Innovationshemmnis. Dies stellte ein Studie des österreichischen Lackinstitutes fest. Denn in jenen Spezialbereichen, in denen Wasserlacke nicht einsetzbar sind, bieten sich feststoff-reiche Beschichtungssysteme wie Pulverlacke als Alternativen an. Diese enthalten zwar deutlich weniger Lösungsmittel als konventionelle Lacke, liegen aber noch immer über den in Österreich gesetzlich erlaubten Konzentrationsgrenzen.

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Fachverband der chemischen Industrie
Tel. 50105 DW 3372

Dr. Johann Pummer

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK