Neue Studie über Kunststoffverpackungen in Österreich: Wie groß ist die Menge wirklich und wohin geht sie?

Wien (OTS) - Seit Beginn der getrennten Verpackungssammlung und -verwertung flammt immer wieder die Diskussion auf, ob und wie die auf den Markt gebrachten Kunststoffverpackungen zur Gänze erfaßt und entsorgt werden. Die ARA Altstoff Recycling Austria AG beleuchtet diese Problematik mit einer fundierten Studie. Für Umweltminister Dr. Martin Bartenstein resultiert daraus dringender Handlungsbedarf.

Kunststoffverpackungen spielen eine bedeutende Rolle im modernen Warenhandel. Im Gegensatz zu den traditionellen Packstoffen Glas und Papier - wo die auf dem Markt befindlichen Mengen bekannt sind -herrscht im Kunststoffbereich jedoch große Unsicherheit über die Gesamtmenge der in Östereich auf den Markt gebrachten Verpackungen und die Ströme der Wiederverwertung.

Fünf verschiedene Studien in den letzten Jahren wiesen stark divergierende Ergebnisse aus, die von rund 150.000 Tonnen bis zu kanpp 250.000 Tonnen Kunstoffverpackungen reichen. Eine Studie, die von der ARA AG in Auftrag gegeben und von einer Experten-Arbeitsgemeinschaft erstellt wurde, setzt nunmehr einen neuen Maßstab.

Einzigartige Untersuchungsmethode

"Erstmals", erläutert ARA-Vorstand Dkfm. Christian Stiglitz, "wurde die Kunststoffverpackungsmenge nicht ausschließlich aus einer Sichtweise (entweder marktseitig oder abfallseitig) betrachtet." Bei der vorliegenden Studie arbeiteten zwei namhafte, wissenschaftliche Teams (Österreichisches Institut für Verpackungswesen, AC Nielsen) an der marktseitigen sowie zwei weitere ebensolche Experten (Gesellschaft für umweltfreundliche Abfallbehandlung, Technisches Büro Hauer) an der abfallseitigen Datenerhebung.

Diese Vorgangsweise bei einer solchen Untersuchung ist bisher einzigartig. Die vier Expertenteams erhoben unabhängig voneinander die Bandbreite der Marktmenge in Österreich - und zwar jeweils mit Hilfe ihrer eigenen Methoden (Primärbefragung von Packstoffherstellern und -händlern, Abfüllern, Abpackern und Importeuren; Analyse gesamtösterreichischer Statistiken; Analyse von Marktdaten über die Handelsvolumina sowie von Daten verschiedener Sammelsysteme; Abfalluntersuchungen des Haushalts- und Restmülls; Deponieanalysen).

Die Deloitte & Touche Consulting Group stellte schließlich die Ergebnisse vergleichend dar und ermittelte die plausiblen Bandbreiten - und damit die tatsächliche Marktmenge. "Die auf den Markt gebrachte Menge an Kunststoffverpackungen liegt nach unserer Studie bei 170-190.000 Tonnen", faßt Mag. Helmut Kern von Deloitte Consulting zusammen. "Das ist ein deutlich geringerer Wert als bislang angenommen. Zuletzt wurden meist Werte von rund 220.000 Tonnen kolportiert. Die gesamthafte Herangehensweise unserer Methode ermöglichte jedoch, Fehlerquellen auszuschalten und die Einzelergebnisse zu kombinieren und richtig zu deuten."

Schwarze Schafe oder clevere Eigenentsorger?

In einem weiteren Schritt teilten die Experten die 170-190.000 Tonnen Kunststoffverpackungen einzelnen Wirtschaftsbranchen zu. So gelang es, genauere Informationen über die Differenz zwischen der auf den Markt gebrachten Menge und der bei der ARA AG lizenzierten Menge zu erhalten. Bei der ARA sind nämlich nur rund 90.000 Tonnen Kunststoffverpackungen lizenziert.

Die Studie zeigt auf, daß vor allem bei großen Kunststoff-Verpackungen (die vorwiegend im Industrie- und Gewerbebereich zum Einsatz kommen) beachtliche Unterschiede zwischen Lizenz- und Marktmenge bestehen. Besonders in den Branchen Baustoffe, Textilien, Chemische Erzeugnisse und in der Elektroindustrie sind gravierende Differenzen zu verzeichnen. Gerade in diesen Wirtschaftssparten sind aber auch die Rahmenbedingungen für eine verordnungsgerechte Selbstentsorgung am besten und zusätzliche Möglichkeiten wie Großanfallstellen, etc. gegeben.

Eine hingegen weitgehende Übereinstimmung zwischen Marktaufkommen und ARA-Lizenzmengen haben die Experten unter anderem bei Nahrungs-und Genußmitteln, Metallwaren und Werkzeugen und artverwandten Branchen festgestellt.

Wo liegt die Differenz zwischen Marktmenge und Lizenzmenge?

Inwieweit die Differenzmengen, die insgesamt zwischen 80.000 und 100.000 Tonnen umfassen, über andere Sammelsysteme, durch Selbstentpflichtung, Großanfallstellen oder z.B. Mehrwegeinsatz erfaßt und entsorgt werden, konnte im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nicht geprüft werden. Diese Daten müssen aber von jedem Unternehmen dem Umweltministerium aufgrund der gesetzlichen Meldepflicht in der VVO und im Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) gemeldet werden.

Die Einzelergebnisse der Studie liefern wichtige Anhaltspunkte für die laufende Vertriebstätigkeit der ARA AG. Diese hat aber natürliche Grenzen, denn - so ARA-Vorstand Stiglitz - "die ARA AG kann, wie alle marktwirtschaftlichen Unternehmen, nur mit demjenigen einen Vertrag abschließen, der das auch will, und kann nur denjenigen prüfen, mit welchem ein solcher Vertrag besteht". Derzeit betreut das Unternehmen rund 11.400 Kunden im In- und Ausland.

Da die ARA AG ausschließlich ihre eigenen Kunden prüfen kann, ist es absolut erforderlich, daß durch intensive behördliche Kontrollen des Umweltministeriums - insbesonders in den Bereichen mit niedriger ARA-Lizenzierung - die Trittbrettfahrer unter den vielen gesetzeskonform vorgehenden Unternehmen aufgespürt werden.

VVO im Bereich Serviceverpackungen "reparaturbedürftig"

Ein gesondertes Problem stellen Serviceverpackungen (z.B. Wursteinwickelpapier, Semmelsackerln, Tragetaschen etc.) dar. Auch auf diesem Gebiet klaffen die Werte der Markt- und ARA-Lizenzmengen weit auseinander. Ursache dafür ist aber primär die im Bereich Serviceverpackungen sehr ungenaue Verpackungsverordnung. "Der Begriff der Serviceverpackungen ist in der VVO nur teilweise definiert, und die Pflichten der Verkäufer sind nicht deutlich genug festgehalten", erläutert ARA-Vorstand Stiglitz. In den nicht klar definierten Grauzonen schieben vielfach Verkäufer und Verwender einander die Verantwortung zu. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf für den Umweltminister, die gesetzlichen Bestimmungen zu verbessern und effizient zu kontrollieren, damit es auf Dauer zu keinen schwerwiegenden Wettbewerbsverzerrungen kommt."

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Mag. Susanne Wiesinger

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