Bartenstein: Naturschutz und Nutzung durch Menschen in Einklang bringen

Europäischer Kongreß über EU-Naturschutznetzwerk "Natura 2000" in Innsbruck

Innsbruck (OTS) - "Das Naturschutznetzwerk Natura 2000 ist ein
sehr ehrgeiziges Projekt der EU, das der Erhaltung von Lebensraum und dem Schutz von Pflanzen- und Tierarten dient. Um dieses
Programm umzusetzen, muß im Einvernehmen mit den Grundeigentümern ausgearbeitet werden, wie Naturschutz und Nutzung durch den
Menschen in Einklang gebracht werden können." Das erklärte Umweltminister Dr. Martin Bartenstein heute, Donnerstag, bei der Eröffnung des vom Umweltministerium veranstalteten europäischen Kongresses "Natura 2000".

Grundlage von Natura 2000 sind die beiden Naturschutz-Richtlinien der EU: die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie. Beide sind in den EU-Mitgliedstaaten bis
zum Jahr 2004 national umzusetzen, indem die wichtigsten Gebiete
als besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden. Diese Flächen bilden dann das Netzwerk Natura 2000. "Österreich hat zum jetzigen Zeitpunkt nicht weniger als 113 Gebiete - das sind etwa 13 Prozent des Staatsgebiets - als Natura-2000-Flächen genannt und zählt damit zu den ambitioniertesten Ländern der EU. Ich bin sicher, daß damit die bisherigen Bedenken der EU-Kommission, daß Österreich nicht Richtlinienkonform vorgeht, vom Tisch ist", sagte
Bartenstein.

Die Schutzmaßnahmen für Natura 2000-Gebiete müssen naturverträgliche Nutzungen durch den Menschen einbeziehen. "Managementpläne" sollen diese Bewirtschaftungsaktivitäten so festlegen, daß das eigentliche Schutzziel, die Erhaltung der Lebensräume und der Arten, sichergestellt ist, sagte Bartenstein. Die Erstellung des Schutzgebietsmanagements müsse daher schon mit der endgültigen Fixierung der Natura-2000-Gebiete beginnen. Bevor die Managementpläne im Einvernehmen mit der Bevölkerung, mit der Land- und Forstwirtschaft, dem Tourismus und dem Verkehr umgesetzt werden können, müßten die Erhaltungsmaßnahmen wissenschaftlich definiert werden.

Für die Finanzierung des Natura-2000-Managements werden die Mitgliedstaaten auf die Unterstützung durch die Union angewiesen sein, räumte Bartenstein ein. Ein wichtiges finanzielles
Instrument sei das LIFE-Programm der EU. In Österreich werden aus diesem Topf unter anderem Schutzprogramme in den March-Thaya-Auen, im Lafnitztal und am Dürrenstein mitfinanziert. Das Förderprogramm LIFE II, das Ende 1999 ausläuft, sollte daher durch ein Folgeprogramm LIFE III fortgesetzt werden, damit erhaltungswürdige Gebiete für das Natura-2000-Netzwerk vorbereitet werden können. Er werde sich im EU-Umweltministerrat für die Fortsetzung des LIFE-Programms einsetzen, kündigte Bartenstein an.

Als Chance bei der Verwirklichung der EU-Naturschutzziele sieht Bartenstein die geplante Agenda 2000 zur Entwicklung der
ländlichen Räume. Die Förderung von Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft könne dadurch fester Bestandteil der EU-Agrarpolitik werden.

An dem bis morgen, Freitag, dauernden Kongreß in Innsbruck nehmen 200 Naturschutzexperten aus 15 europäischen Staaten teil. Der Teilnehmerkreis umfaßt Vertreter der nationalen Naturschutzbehörden, der EU-Kommission, der Jagd, der Land- und Forstwirtschaft sowie von Naturschutzorganisationen. Veranstalter sind das Umweltministerium, das Wissenschaftsministerium, das Land Tirol und die Europäischen Kommission. Der heutige Tag ist vor allem Berichten über die Umsetzung des Natura-2000-Prozesses in
den einzelnen Staaten gewidmet. Morgen geht es um Jagd und Wildtiermanagement in Naturschutzgebieten sowie um Aufgaben für Wissenschaft und Forschung.

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