Prammer: Banken müssen Euroschecks genau prüfen Falls eine Bank trotz Kenntnis eines Diebstahles ungeprüft gefälschte Schecks einlöst, hat sie 50 Prozent des Schadens zu tragen

Wien (OTS) - Wenn ein Konsument Euroschecks und Scheckkarte gemeinsam aufbewahrt und diese gestohlen werden, haftet er grundsätzlich alleine für den durch Mißbrauch entstandenen Schaden. Hat die Bank jedoch trotz Kenntnis des Diebstahls ungeprüft gefälschte Schecks eingelöst, so hat sie die Hälfte des Schadens zu tragen, betont Konsumentenschutzministerin Barbara Prammer. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Musterprozesses, den der VKI im Auftrag von Prammer geführt hat.

Im konkreten Fall hat eine Konsumentin ihre Handtasche mit Euroschecks und Euroscheckkarte im Auto gelassen und mit einer Jacke abgedeckt. Außerdem war das Auto versperrt und mit einer Alarmanlage gesichert. Einige Minuten nach dem Verlassen des Autos ertönte die Alarmanlage. Als sie zum Auto zurückkam, war dieses aufgebrochen und Scheckkarte samt Schecks gestohlen. Die Konsumentin verständigte daraufhin sofort ihre Bank.

Dennoch konnten in der Folge unbekannte Täter die Schecks in Frankreich einlösen. Die Bank der Konsumentin löste diese Euroschecks ein und belastete ihr Konto mit 70.000 Schilling. Die Konsumentin war darüber sehr erstaunt, weil die Unterschrift auf den Euroschecks erkennbar gefälscht war. Ihr Vorname Karin war mit "C" geschrieben, was der kontoführenden Bank nicht aufgefallen war. Wie dem nunmehr vorliegenden Urteil des Musterprozesses zu entnehmen ist, hat die Bank bei Vorlage der Euroschecks keinen Unterschriftenvergleich vorgenommen und die Euroschecks ungeprüft honoriert.

Das zuständige Handelsgericht Wien hat nun entschieden, daß deshalb der Schaden zur Hälfte von der Konsumentin und der Bank in der Höhe von je 35.000 Schilling zu tragen ist, betont Prammer. Das Zurücklassen von Schecks und Scheckkarte in einem versperrten Auto ist trotz aller Vorsichtmaßnahmen eine grobe Verletzung der Euroscheckbedingungen. Der Konsument hat daher normalerweise den gesamten Schaden zu tragen.

Allerdings hat die Bank bei Kenntnis des Diebstahls besondere Sorgfaltspflichten einzuhalten. Sie hätte einen Unterschriftenvergleich vornehmen und bei Zweifeln an der Echtheit der Unterschrift beim Schecknehmer (französische Bank) Nachforschungen anstellen müssen. (Dabei hätte der Schecknehmer wohl erklären müssen, wieso ihm die falsche Schreibweise des Vornamens -Karin mit "C" nicht aufgefallen ist). Die Bank ist nur bei Gutgläubigkeit des Schecknehmers - also wenn dieser die Fälschung nicht erkannt hat - zur Honorierung der Euroschecks verpflichtet. Da die Bank keinen Unterschriftenvergleich vorgenommen hat und die Euroschecks ungeprüft eingelöst hat, trifft sie eindeutig ein Mitverschulden.

"Durch diesen Musterprozeß und weitere vom VKI geführte und ähnlich entschiedene Urteile ist eine eindeutige Rechtsprechung gegeben. Bei zukünftigen vergleichbaren Euroscheck-Mißbrauchsfällen wird das Verschulden zwischen Bank und Konsument im Verhältnis 50:50 geteilt. Das Urteil macht aber wiederum deutlich, daß Scheck und Scheckkarte unbedingt getrennt voneinander aufbewahrt werden müssen, um Schäden zu vermeiden", betont Prammer abschließend.

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