Die Meister der Orientierung Geheimnisse des Vogelzugs noch bis 31. Oktober in einer Ausstellung

Neusiedler See (OTS) - - Nicht nur zur Vogelbrut im Frühling, sondern auch zum Vogelzug im Herbst ist der Nationalpark Neusiedler See im Burgenland ein Erlebnis für Hobby-Ornithologen. Bis 31. Oktober 1998 gibt eine multimediale Sonderschau im Nationalpark Informationszentrum Illmitz im Seewinkel Auskunft über den Vogelzug.

Zu den Transit-Gästen im Herbst zählen die rund 20.000 Bläsgänse die den Steppensee jedes Jahr als Zwischenlandeplatz auf ihrem 10.000 km langen Kontinentalflug nach Afrika nutzen. Diese Landeplätze gilt es zu schützen, erklärt Alois Lang, der Leiter des Nationalpark-Informationszentrums in Illmitz. "Die Vögel sind während ihrer langen Reise auf Plätze angewiesen, die sie als Zwischenstop nutzen können. Die Zerstörung von Wiesengebieten durch den Menschen ist da nicht selten gleichzusetzen mit der Zerstörung eines jahrtausende alten Treffpunkts für einen Langstreckenzieher."

Zugvögel werden seßhaft: Grund für den beschwerlichen Weg der Vögel ist nicht die Winterkälte, sondern das Nahrungsangebot. Vor allem die pflanzliche Nahrung ist im Winter nicht ausreichend, und für die Insektenfresser wird es mit sinkenden Temperaturen eng. Also ziehen Vögel in Länder, wo die Biomasseproduktion höher ist als im Sommerquartier. Die meisten Zugvögel tun das, aber nicht alle:
auffallend geändert haben beispielsweise die Silberreiher ihr Nahrungs- und Zugverhalten während der vergangenen Jahre. Sie finden leichte Beute in Form von Mäusen auf den Äckern des Seewinkels, was sie in den schneearmen Wintern dazu verleitet hat, hier zu bleiben. Wie die Entwicklung des Brutbestandes zeigt, hat sich dieses Risiko der Vögel gelohnt.

Orientierung wie ein Düsenjet: Zugvögel sind "Meister der Orientierung" und finden selbst nach vielen tausenden Flugkilometern zurück an ihren Brutplatz. Sie bedienen sich dabei - ähnlich der modernen Flugzeugnavigation - der Sonne, der Sterne und des Magnetfeldes der Erde. Vögel sind optimale Energieverwerter und können unfaßbare Fettreserven als "Treibstoff" anlegen und damit bis zum nächsten "Tankstop" weiterziehen - wenn sie nicht der Menschen darin hindert. In der Nahrungskette eingebrachte Gifte, skrupellose Jäger auf Rastplätzen in Südeuropa oder Afrika oder Stromleitungen gefährden den Flugplan empfindlich.

Weitere Informationen: Alois Lang, Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel, A-7142 Illmitz, Tel.: ++43 (2175) 3442-0, Fax: DW4.

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