Vorausmeldung zu News Nr. 42/15.10.98

China-Botschafter Ziegler: "Man will mich fertigmachen." - Der abberufene Diplomat übt im News-Interview Kritik an Klestil: "Der Bundespräsident sah vielleicht aus der Komplexion seines Privatlebens Handlungsbedarf."

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem morgen erscheinenden Nachrichtenmagazin News nimmt der scheidende österreichische Botschafter in Peking, Gerhard Ziegler, ausführlich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung. Ziegler gab das Interview vor dem von Außenminister Wolfgang Schüssel gestern verhängten Sprechverbot. Ziegler äußert sich darin kritisch zu dem Revisionsbericht des Außenamtes über seine angeblichen Verfehlungen. Ziegler: "Die 18 Seiten sind in einer primitiven, erotisierenden Semantik gehalten. Ich staune, daß ein so ordinärer Bericht in einem Ministerium so formuliert werden kann." Der Bericht sei ihm gegenüber "bewußt persönlich verletzend" verfaßt. Ziegler: "Man will mich fertigmachen, man sucht mit mir eine persönliche Endlösung."

Die Schuld an seiner Opferrolle gibt Ziegler vor allem der SPÖ:
"Es gibt auf der einen Seite das schwere, latente Mißtrauen, das die SPÖ meiner Person entgegenbringt. Schon als ich von 1989 bis 1995 Pressesprecher von Dr. Mock war, hat die SPÖ immer probiert, mich in meinem privaten Bereich in Schwierigkeiten zu bringen und mich zu denunzieren." Zieglers Meinung nach hätte aber auch die Präsidentschaftskanzlei überreagiert: "Hinzu kommt sicher, daß eben der Herr Bundespräsident gerade aus der Komplexion seines Privatlebens heraus vielleicht besonderen Handlungsbedarf gesehen hat. Ich meine, wenn Klestil seine Probleme nicht gehabt hätte, - die jeder kennt, die jedem passieren können -, hätte er einen ganz anderen Handlungsspielraum. Vielleicht meint er, gerade auf diesem Gebiet besondere Akzente setzen zu müssen. Einer, so wie ich, der nicht geschieden ist, der in einer glücklichen Ehe lebt, ist da eben weniger angreifbar."

An seiner grundsätzlichen Loyalität zu Bundespräsident Klestil ändere das alles freilich nichts. Ziegler: "Daß aber seine engste Umgebung derzeit offenbar Fleißaufgaben erledigt und versucht, mich auch noch öffentlich fertigzumachen, paßt zu einem Bundespräsidenten nicht. Von solchen Mitarbeitern sollte er sich trennen."

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