AK lehnt ÖVP-Abfertigungsmodell ab

Urlaubsaliquotierung kostet betroffene Arbeitnehmer knapp 5 Mrd Schilling jährlich

Wien (OTS) - Auf Ablehnung der AK stößt das von Parteiobmann Schüssel vorgestellte Abfertigungsmodell. Die Folgen für den Arbeitnehmer durch das ÖVP-Modell: Völliger Verlust der Kündigungsschutz-Funktion des Abfertigungsanspruchs, gravierende Schlechterstellung im Urlaubsrecht und das Umfunktionieren eines Lohnanspruches zu einer Rentenzahlung. Erste Rechnungen der AK-Experten, so der stellvertretende AK-Direktor, Georg Ziniel,
hätten ergeben, daß jährlich über eine halbe Million Arbeitnehmer durch das ÖVP-Modell knapp 5 Mrd Schilling verlieren würden.****

Die AK sehe durchaus einen Reformbedarf der derzeitigen Abfertigungsregelung. Die Arbeitnehmervertretungen hätten diesen Bedarf bereits längst geltend gemacht, betont Ziniel. Das vorliegende ÖVP-Modell sei allerdings in vieler Hinsicht keine Diskussionsgrundlage. Der Vorschlag ignoriere bewußt die Änderungen am Arbeitsmarkt und stelle eine Benachteiligung jener dar, die der von der Wirtschaft geforderten Arbeitsplatzdynamik ausgesetzt sind. "Die Verweildauer an einem Arbeitsplatz wird
immer kürzer, ein Wechsel immer wahrscheinlicher", so Ziniel. Nach dem ÖVP-Vorschlag soll das erste Jahr einzahlungsfrei bleiben. Wer vor Ablauf eines Jahres gekündigt werde, könne demnach keinen Abfertigungsanspruch erwerben, das treffe insbesondere Saisonarbeiter, bemängelt der AK-Direktor.

Darüberhinaus, so erste Berechnungen der AK, würden die Arbeitnehmer durch das Modell generell zur Kasse gebeten, weil die ÖVP ihr Abfertigungsmodell an eine gravierende Verschlechterung im Urlaubsrecht koppelt. Mehr als eine halbe Million Arbeitnehmer würden jährlich zwischen 8.000 und 10.000 Schilling verlieren. "In Summe wären dies knapp 5 Mrd Schilling, die den Arbeitnehmern weggenommen würden", kritisiert Ziniel.

Beinhaltet das Modell für Arbeitnehmer irgendwelche Vorteile?
Nein, sondern: Den Verlust der Abfertigung als eindeutigen Lohnanspruch durch Vermengung mit einer Betriebspension. Die 2,5 Prozent, die in diese Kasse eingezahlt werden sollen, müssen rechnerisch zu einer Verkürzung der Ansprüche führen. Um das derzeitige Abfertigungs-Niveau halten zu können, wären mindestens 3,5 Prozent erforderlich. Saisonarbeiter würden auch in Zukunft keine Abfertigungsansprüche erwerben können, weil die geforderterten Bedingungen nach dem ÖVP-Modell nie erreicht werden können. Das Modell würde auch die Kündigungsschutz-Funktion der Abfertigung völlig aufweichen. Darüberhinaus, so Ziniel abschließend, ist die derzeitige Steuerbegünstigung der Abfertigung nicht vorgesehen.

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