Hostasch: Solidarität zwischen den Generationen hat höchste Priorität-

EU-Demographiekonferenz zeigt künftige Trends im Sozialsystem auf

Wien, 13. Oktober 1998 (BMAGS).- In Wien geht heute nachmittag die Konferenz "Eine Gesellschaft für alle Generationen" zu Ende. 350 Teilnehmer aus 31 Ländern diskutierten zwei Tage lang die Auswirkungen demographischer Veränderungen auf die europäischen Sozialsysteme. "Für die Alterssicherung und für den Fortbestand der Solidarität zwischen den Generationen sind der Ausbau von Beschäftigung und eine Erhöhung der Erwerbsquoten unabdingbare Voraussetzungen. Wachstumsdynamik und steigende Beschäftigung sind die Schlüssel zur Bewältigung der bevorstehenden Herausforderungen", zog Sozialministerin und EU-Ratspräsidentin Lore Hostasch ein Resümee über die Beratungen.****

Aus den Referaten, die im Rahmen der Konferenz gehalten wurden, lässt sich zusammenfassend folgender Handlungsbedarf ableiten:

* Der dynamische Zuwachs bei den über 80-jährigen Menschen

ist von zentraler sozial-, gesundheits- und
betreuungspolitischer Bedeutung.
* Der Anstieg bei der Altersgruppe der über 65-jährigen wird

die Finanzierung des Sozialschutzes, insbesondere der Pensionsversicherung, vor Herausforderungen stellen.
* Die steigende Zahl der 50- bis 64-jährigen ist vor allem

arbeitsmarktpolitisch und für das Gestaltungspotential der Pensionsversicherung von besonderem Interesse.
* Das abzusehende Schrumpfen der Bevölkerungsgruppe der

15- bis 24-jährigen hat besondere Relevanz für die
Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik und für die Entwicklung
der Humanressourcen.

Absehbare Trends

Die Wissenschafter und Experten zeigten folgende Trends für die Sozialsysteme der Zukunft auf:

* Das Problem der Arbeitslosigkeit könnte sich künftig

verringern - in manchen Regionen könnte vielmehr eine Arbeitskräfteknappheit entstehen.
* Die Entwicklung von Humanressourcen sowie die Förderung

von beruflicher sowie geographischer Mobilität werden
zunehmend wichtiger.
* Auf eine altersgerechte Gestaltung der Arbeitswelt wird

verstärktes Augenmerk zu legen sein.
* Frauen werden die wichtigste Quelle des künftigen

Wachstums der Erwerbsbevölkerung sein. Chancengleichheit
und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind daher
zentrale Fragen.
* Mit strukturellen Reformen und Innovationen an der

Schnittstelle Arbeitsleben/Ruhestand können die Sozialschutzsysteme beschäftigungsfreundlicher und
tragfähiger gestaltet werden.

Gesundheits-, Pflege- und Betreuungsdienste haben sich auf organisatorische, institutionelle und finanzielle Herausforderungen einzustellen. Sie müsen auf Veränderungen von Nachfrage und Angebot reagieren sowie Kosten und Qualität in Einklang bringen. Medizinischer Fortschritt und die Förderung eines gesunden Lebensstiles können unterstützend wirksam werden. Die zunehmende Nachfrage nach sozialen Diensten lässt einen deutlichen Beschäftigungszuwachs in diesem Bereich erwarten.

Politische Gestaltungserfordernisse

Für die Alterssicherung und für den Fortbestand der Solidarität zwischen den Generationen sind der Ausbau von Beschäftigung und eine Erhöhung der Erwerbsquoten unabdingbare Voraussetzungen. Eine Erhöhung der Erwerbsquote auf etwa 70 % und die damit verbundene Zunahme der erwerbstätigen Bevölkerung würde die Zunahme an Rentnern weitgehend ausgleichen und die Finanzierung der Altersvorsorge beträchtlich entlasten.

"Die Sozialschutzsysteme müssen den Veränderungen der Arbeitsformen und dem Bedarf nach höherer Flexibilität Rechnung tragen und daher adäquat adaptiert werden. Bei allen Maßnahmen zur langfristigen Absicherung der Finanzierbarkeit des Sozialschutzsystems hat Solidarität und Gerechtigkeit zwischen den Generationen im Mittelpunkt zu stehen", sagte Sozialministerin Lore Hostasch abschließend.

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