Simon Wiesenthal fordert im FORMAT-Interview Vergrößerung der Historikerkommission

"Mit der jetzt geplanten Kommission ist Aufarbeitung der Schadenersatzansprüche nicht zu schaffen"

Wien (OTS) - In einem Interview mit dem am Montag erscheinenden Nachrichtenmagazin FORMAT fordert Simon Wiesenthal eine drastische personelle Vergrößerung der Historikerkommission zur Aufarbeitung der Schadenersatzansprüche von NS-Opfern. Wiesenthal wurde von der Regierung damit beauftragt, Vorschläge für die Besetzung des Expertengremiums zu machen: "Wenn die Kommission erst einmal mit der Arbeit begonnen hat, wird sich herausstellen, daß das Arbeitspensum weit größer ist als in der Schweiz", so Wiesenthal. "Mit der jetzt geplanten Kommission ist es nicht zu schaffen. Es wird drei, vier Kommissionen geben müssen, um die Sache undgültig aufzuarbeiten." ****

Kritik übt Wiesenthal auch an der Haltung österreichischer Industrieunternehmen. Er habe schon 1949 von Steyr-Daimler-Puch, Lenzing und der Voest Schadenersatzzahlungen an Zwangsarbeiter gefordert. Die Reaktionen seien ablehnend gewesen. Wiesenthal:
"Steyr-Daimler-Puch hat folgendes geschrieben: Die von den ehemaligen KZ-Häftlingen geleisteten Arbeiten wurden entsprechend den damals gültigen Tarifen normal verrechnet. Es ist daher unmöglich, daß die von Ihnen gestellten Forderungen durch unser Werk anerkannt werden können, da dies ja eine Doppelzahlung bedeuten würde."

Ähnlich die Haltung des Bundesdenkmalamtes, dem Wiesenthal 1965 nachwies, mehrere hundert Bilder aus jüdischem Vermögen zu besitzen:
"Dort hat man mich behandelt, als ob ich dem Denkmalamt etwas rauben wollte."

Kritik an den Methoden von US-Anwalt Edward Fagan, der vergangene Woche eine Sammelklage gegen die CA eingebracht hat, weist Wiesenthal zurück: "Jeder Mensch, der Verluste erleiden mußte, hat ein Recht zu klagen. Wenn es aufgrund der rechtlichen Bestimmungen keine andere Möglichkeit gibt als eine Sammelklage, dann ist das legitim."

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