AHS-Lehrer wehren sich gegen NEWS-Berichterstattung

Wien (OTS) - Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Helmut Jantschitsch, stellt fest, daß es offenbar im Interesse mancher liegt, eine Lösung des schwelenden Konflikts hinauszuzögern, um auf dem Feuer der Schüler- und Lehrerproteste ihr politisches Süppchen kochen zu können.

Der in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift NEWS erschienene Artikel "Schule: Streit und Streik" scheint zum Ziel zu haben, Neidgefühle zu schüren und die eben vereinbarten Verhandlungen zwischen Regierung und Gewerkschaft zu torpedieren.

Besonders bedenklich erscheint Jantschitsch die Tatsache, daß Zahlen in Umlauf gebracht werden, die der Realität an den Schulen in keiner Weise entsprechen.

NEWS verschweigt eine Reihe verpflichtender Tätigkeiten jedes Lehrers, sodaß keinesfalls "1143 Stunden im Jahr" der freien Zeiteinteilung des Lehrers unterliegen:

  • Sprechstunde (1 Stunde pro Woche)
  • Elternsprechtag
  • "Frühwarnsystem" - im Bedarfsfall verpflichtende Beratung der Erziehungsberechtigten
  • Anwesenheitsdienst ("Supplierbereitschaft")
  • Gangaufsichten
  • Konferenzen (Notenkonferenzen, Disziplinarkonferenzen, pädagogische Konferenzen)

Die Zahl der verpflichtend in der Schule zu verbringenden Stunden liegt an den österreichischen höheren Schulen für Lehrer ohne Überstunden bei wenigstens 850 statt der in NEWS postulierten 650. Wenn NEWS weiter unterstellt, daß Vor- und Nachbereitung bloß "angeblich" erfolge, so ist dies bewußte Rufschädigung einer Berufsgruppe, deren Idealismus sprichwörtlich ist. Das Schulunterrichtsgesetz verpflichtet zur Vor- und Nachbereitung, der Zeitaufwand dafür ist auch für erfahrene Lehrer weitaus größer als selbsternannte Experten ohne persönliche Unterrichtserfahrung behaupten.

Gerade die Vorbereitung auf die Reifeprüfung, deren Abgeltung eine entscheidende Forderung der Gewerkschaft ist, bedeutet für zahlreiche Kolleginnen und Kollegen einen Zeitaufwand von hundert und mehr Stunden außerhalb der normalen Dienstpflichten.

Kollegenschaft und Gewerkschaft sehen daher einer genauen Analyse der tatsächlichen Lehrerarbeitszeit mit großer Gelassenheit entgegen.

Die große Zahl überaus engagierter Lehrerinnen und Lehrer erbringt darüber hinaus zahlreiche weitere Leistungen, die weder verpflichtend noch bezahlt sind (z.B. gemeinsame Theaterbesuche, Sportwettkämpfe, Klassen- und Schulfeste, Organisation von Tagen der offenen Tür, Schnuppertage für künftige Schüler, Jahresberichte etc).

Für demokratiepolitisch bedenklich hält Jantschitsch Äußerungen, die der Gewerkschaft unterstellen, über die Köpfe ihrer Mitglieder hinweg Maßnahmen zu setzen.

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Der Aufruf zum Boykott erfolgte nach einer Befragung aller Kolleginnen und Kollegen, die eine Zustimmung von deutlich über 80 % erbrachte. In den Dienststellenversammlungen am 1. Oktober 1998 haben österreichweit mehr als 95 % der Kollegenschaft die Forderungen und Maßnahmen der Gewerkschaft unterstützt.

Wenn Proponenten einer Minderheit, deren Haltung selbstverstänldich zu akzeptieren ist, überproportional zu Wort kommen, erscheint dies jedenfalls beachtlich und demokratiepolitisch besorgniserregend.

Da der Gewerkschaft auch mangelndes Verantwortungsbewußtsein unterstellt wird, verweist Jantschitsch auf eine Stellungnahme zur Frage "Ist der Boykott berechtigt", die in leicht gekürzter Form in der "Kleinen Zeitung" vom 5.10.1998 erschienen ist (siehe OTS0146 von heute).

Rückfragen & Kontakt:

Vorsitzender der AHS-
Lehrergewerkschaft
Mag. Helmut Jantschitsch
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Fax: 01/403 94 88

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