DIAGONALE - Zweitägige Sonderveranstaltung in Retz (NÖ) mit Erfolg zu Ende gegangen

Kinobetreiber fordern Steuerreformen und gezielte Fördermaßnahmen durch Bund und Länder zur Erhaltung einer vielfältigen Kinolandschaft

Wien (OTS) - Nach dem letztjährigen erfolgreichen
Diagonale-Treffen der österreichischen Kinobetreiber in Steyr, ist am Abend des 07. Oktober im niederösterreichischen Retz die Fortsetzung dieser Arbeitstagung zu Ende gegangen.

Unter dem Titel "Sind die Kinos noch zu retten? - Zur aktuellen Lage des Kinos in Österreich", kamen mehr als 100 Kinobetreiber und Brancheninsider aus ganz Österreich zu dem für zwei Tage anberaumten Treffen nach Retz. Eröffnet wurde die Veranstaltung am 06. Oktober in einer geschlossenen Vorstellung mit dem Film "Sliding - Alles bunt und wunderbar" in der Anwesenheit der drei RegiesseurInnen Barbara Albert, Reinhard Jud und Michael Grimm. Am Eröffnungsabend wurde auch das österreichische Kinohandbuch von Herausgeber Andreas Ungerböck nochmals präsentiert.

Der Schwerpunkt der Retzer Tagung lag auf der Diskussion der gegenwärtigen massiven Strukturveränderung von Österreichs Kinolandschaft, die sich derzeit vor dem Hintergrund des Multiplex-Booms ereignet.

Die Diagonale-Intendanz, Christine Dollhofer und Constantin Wulff, appellierte in ihrer Eröffnungsrede auf den dramatischen Strukturwandel in der heimischen Kinoszene möglichst rasch und vielfältig zu reagieren: "Soll es einen erfolgreichen und vielfältigen österreichischen Film geben, dann darf man die Entwicklung der heimischen Kinos nicht nur dem Markt überlassen!"

Ralph Wieser, der eine Zwischenbilanz der Kinoförderung des Bundeskanzleramts präsentierte, meinte: "Wenn nicht jetzt eine sinnvolle Reform der Kinoförderung gemacht wird, ist es für viele zu spät." Er forderte, ebenso wie zahlreiche andere Branchenvertreter, eine vehemente Mittel-Aufstockung der Kinoförderung von seiten des Bundes und der Länder, da "der Erhalt einer vielfältigen Kinolandschaft in Zukunft viel mehr Geld kosten wird."

War man sich bei der Forderung nach mehr Geld für die Kinos mit qualitativem Programm einig, gingen die Meinungen bei der Einschätzung der Maßnahmen zur Rettung der gegenwärtigen Kinostruktur stark auseinander. Georg Mayrhofer, Fachverbandvorsteher der Lichtspieltheater, meinte angesichts der Multiplexentwicklung: "Die Tage der traditionellen Kinos sind gezählt. Wer überleben will, muß sich dem Trend der Zeit anpassen - die Kleinen müssen investieren und selber groß werden."

Zahlreiche Kinobetreiber forderten hingegen grundlegende Reformen, um ein Überleben der kleinen und mittelständischen Kinobetriebe zu sichern, u.a. die Abschaffung der umstrittenen Prädikatisierung ("die Prädikatisierung ist veraltet und in dieser Form untragbar") und ein abgestuftes Modell der Vergnügungssteuer. Die Vertreter des Fachverbandes lehnten beide Reformvorschläge allerdings ab.

Besonders bei der Diskussion der verschiedenen Vergnügungssteuermodelle (u.a. der Wiener Grünen) gingen die Meinungen stark auseinander: Während die Vertreter des Fachverbands eine Steuer auf Multiplex-Kinos vehement ablehnten ("Keine Strafsteuer für Investitionswillige!"), schlossen sich zahlreiche Kinobetreiber dem Gedanken einer zweckgebundenen Umverteilung zu Gunsten der mittellständischen und kleinen Kinos an.

Zur Arbeitstagung waren auch Vertreter der Branche aus der Schweiz angereist. Hans-Peter Sigg, Präsident des Schweizer Kinoverbands betonte: "Auch die Schweiz steht vor großen Veränderungen. Obwohl es in der Schweiz derzeit noch keine Multiplexkinos gibt, steht durch die geplanten Multiplexe ein Overscreening bevor." Gleichzeitig verwies er aber darauf: "Der Markt ist jetzt schon relativ ausgefüllt und nur die 5 Schlüsselstädte (Zürich, Genf, Bern, Basel, Lausanne) können zum Bestehen solcher Megaplexa das notwendige Publikum aufbringen."

Neue Wege der Film/Kinoförderung stellte Thomas Geiser aus der Schweiz vor: die erfolgsabhängige Filmförderung "Succes Cinema" schafft es seit zwei Jahren, daß Kinos belohnt werden, die heimische Filme zeigen. Die anwesenden Kinobetreiber und Verleiher betonten, daß ein Modell wie Succes Cinema auch für Österreich diskussionswürdig sei.

Nikos Grigoriadis vom Grazer "KIZ-Kino" kündigte die Schaffung einer breiten Plattform zur Unterstützung der Kinos an: "Wir müssen jetzt gemeinsam mit allen Filminteressierten einen Maßnahmenkatalog entwickeln, der darauf abzielt, daß die engagierten Kinos überleben können."

Christine Dollhofer und Constantin Wulff erklärten abschließend:
"Wir hoffen, daß die Tagung Impulse geben wird, damit sich eine starke Lobby für die Kinos bildet. Es ist höchste Zeit, daß die heimischen Kinobetreiber vermehrt ihre Bedürfnisse artikulieren und die heimische Filmszene muß endlich offen sein auch für die Belange der österreichischen Kinos".

Siehe auch APA/OTS-Bild!

Rückfragen & Kontakt:

DIAGONALE - Forum Österr. Film
1020 Wien, Obere Augartenstraße 1
Tel.: 01/216 13 03, Fax: 01/216 13 03-200

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS