Vorausmeldung zu News 41/98 vom 8. Oktober 1998

Wien (OTS) - News bringt in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe die von US-Anwalt Ed Fagan eingebrachte Sammelklage gegen Creditanstalt und Bank Austria im Original-Wortlaut. Die darin enthaltenen Vorwürfe bziehen sich neben den Geschäften mit Raubgold durch die CA auch auf nicht zurückgegebene Konten, Wertpapierdepots und Schließfachinhalte, sowie auf direkte und indirekte Profite durch Zwangsarbeit. =

In der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet
das Nachrichtenmagazin News über die am Montag von US-Anwalt Edward Fagan beim New Yorker District Court eingebrachte Sammelklage gegen Bank Austria und Creditanstalt. In dem 22 Seiten starken Konvolut werden einzelne Schicksale von Nazi-Opfern geschildert, die bis zum heutigen Tag das bei der CA und der damaligen Länderbank deponierte Vermögen nicht mehr zurückbekommen haben. Fagans Anwaltspartner Michael Witti betont überdies im Interview, daß die CA sowohl im Alleingang, als auch mit der späteren Mutter Deutsche Bank Raubgoldgeschäfte abgewickelt und daraus Profit gemacht habe.

Wörtlich heißt es in der Klagsschrift:

"Die Kläger sind Holocaust-Opfer und ihrer Erben, deren Konten und Vermögen von den Klägern gestohlen ... oder durch sie weiterverkauft oder veruntreut wurden."

Die genaue Gesamtzahl der Kläger sei, so heißt es in der Sammelklage, "nicht bekannt", schätzungsweise beinhalte sie aber "Zehntausende von Überlebenden und deren Erben.

"Es geht dabei um Opfer der Nazi-Verfolgung, die zwischen 1933 und 1945

- Konten bei den beklagten Banken hatten, die dann von den Banken weitergegeben und nie rückerstattet wurden,

- deren persönliches Eigentum von den Nazis geraubt oder arisiert und dann an die beklagten Banken weitergegeben wurde

- oder die in Konzentrationslagern Zwangsarbeit leisten mußten, von der die Banken direkt oder indirekt profitierten."

Im ersten Punkt der Klage werden die grundsätzlichen Vorwürfe aufgelistet, sowie die Basis der Sammelklage. Dann nennt die Schrift fünf Kläger namentlich und schildert deren Schicksal. Unter Punkt 10 bis 13 listet Fagan die Beklagten auf, von der Dresdner Bank über die Deutsche Bank bis hin zu Creditanstalt und Länderbank-Nachfolgerin Bank Austria. Es folgt eine detaillierte Schilderung aller einzelnen Vorwürfe, von der Kollaboration mit den Nazis über die verschwundenen Konten bis hin zum unrechtmäßigen Aneignen oder Wiederverkaufen von Opfer-Vermögen.

Weiters wird in der Klage nochmals auf die Rechtmäßigkeit und Belegbarkeit der gestellten Forderungen und den Umstand, daß auch die Beklagten darüber im Bild sind, hingewiesen.

Es folgt eine allgemeingehaltene Auflistung der Vorgänge in den Jahren 1933 bis 1945 und der Hinweis, daß bisher keinerlei Widergutmachungen geleistet wurden. Abschließend werden nochmals die grundsätzlichen Vorwürfe der im Detail erläutert.

Eines der in der Klage angeführten Opfer ist die heute 89jährige Rudolfine Schlinger: "Sie lebte in Wien, Österreich, bis ihre Familie sie 1938 nach England schickte. Sie und ihre Familie waren Juden. Ihre Familie wurde verhaftet, in Konzentrationslager verschleppt und starb vor 1945. Aufgrund glaubwürdiger Informationen ("information and belief") hatte Mrs. Schlingers Familie Einlagen bei der Creditanstalt, die jetzt der Bank Austria gehört. Aufgrund glaubwürdiger Informationen ... veruntreute die Creditanstalt die Einlagen von Mrs. Schlingers Familie. ... außerdem handelte die Creditanstalt mit dem geraubten und arisierten Vermögen der Familie Schlinger. ... Die Beklagten waren sich der Herkunft des gestohlenen Vermögens voll bewußt."

Eine zweite Klägerin ist Ernestine Schwarz Wasyl, 74: "Sie ist in Wien geboren und wuchs bei ihrer Tante Regine Hohenbert auf. ... 1942 wurde Mrs. Wasyls Tante verhaftet und in ein Todeslager gebracht. ... Regine Hohenbert hatte ein Konto und entweder ein Wertpapierkonto oder ein Schließfach mit 203 Aktien bei der Länderbank, der Vorgängerin der Bank Austria. Nach Informationen ... veruntreute die Bank Austria oder ihrer Vorgängerin Länderbank die Einlagen und Wertpapiere von Regine Hohenberts Konto."

Vorgeworfen wird den Banken unter anderem die "Verletzung der Treuepflicht", weil sie als Banken eine besondere Vertrauensbeziehung zu ihren Kunden hatten. Diese Treuepflicht galt auch "unter den besonderen Umständen in Europa zwischen 1933 und 1945. Doch als die Banken von der Verfolgung und Konfiszierung von Eigentum Kenntnis erlangten, versuchten sie, mit den Nazis ins Geschäft zu kommen."

Anschließend hätten sie von den Nazis gestohlenes Geld und Wertgegenstände veruntreut ("conversion"), Informationen über den Verbleib der Vermögen unterdrückt ("conspiracy") und sich daran unrechtmäßig bereichert ("unjust enrichment") , so der Wortlaut der Klage.

Der Rechtsberater der Bank Austria und ihrer Tochter Creditanstalt, der Wiener Staranwalt Ewald Weninger informiert Bank Austria-Boß Gerhard Randa und CA-General Erich Hampel am Dienstag, schriftlich über die eingebrachte Klage. NEWS veröffentlicht einen Brief, in dem es heißt: "Wie in Washington besprochen, ist die Einbeziehung der Creditanstalt AG und der Bank Austria AG in das derzeit anhängige Verfahren gegen die Deutsche Bank und die Dresdner Bank erwartungsgemäß erfolgt... Durch die Einbeziehung auch der Länderbank (Bank Austria gilt als deren Rechtsnachfolger) ist formalrechtlich der Weg für eine Gesamterledigung offen.

Sowohl Fagans Co-Kläger Michael Witti, als auch CA-Sprecher Gerhard Reidlinger betonten im NEWS-Gespräch nochmals, daß diese Klage eine formelle Notwendigkeit sei, um die Angelegenheit einer endgültigen Klärung zuzuführen. Sie ändere aber nichts im guten Verhandlungsklima. Reidlinger: "Es handelt sich um eines der düstersten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Deshalb sind wir höchst interessiert, die Rolle der Banken restlos aufzuklären.

Rückfragehinwies: News Chefredation

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