Lassinger Werksleiter: "Jeder hat von Sohle 1A gewußt." - Der suspendierte Werksleiter der Katastrophengrube setzt sich im News-Interview zur Wehr.

Wien (OTS) - - Vorausmeldung zu NEWS 41/8.10.1998==

In einem Interview mit dem morgen erscheinenden
Nachrichtenmagazin News setzt sich Hermann Schmidt, suspendierter Leiter der Katastrophengrube von Lassing, gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zur Wehr. Schmidt: "Ich gelte nun als der große Schuldige, verstehe aber nicht ganz, warum keiner warten kann, bis ein Abschlußbericht vorliegt." Werksleiter Hermann Schmidt gilt als Hauptverantwortlicher für das Grubenunglück in Lassing. Erstmals hat der Bergbau-Ingenieur jetzt einem Printmedium ein ausführliches Interview gegeben. Über den illegalen Abbau auf Sohle 1A sagt er:
"Anfang 1997 haben wir beschlossen, auf Scheibe 1A nicht mehr zu arbeiten. Nur - bevor wir uns von einer Scheibe zurückziehen, wird sondiert. Bei diesen Sondierungsarbeiten haben wir was gefunden. Wir wären schlechte Bergleute, würden wir Lagerstätten zurücklassen".

Deshalb ließ Schmidt weiterarbeiten: "Das Nichteinholen einer Genehmigung war ein reiner Formalfehler...Das Berggesetz sieht vor, daß in den Betriebsplänen in großen Zügen die Tätigkeiten für das kommende Jahr darzustellen sind. Es ist nämlich nie nachgeprüft worden, ob die eingereichten Flächen wirklich auf Zentimeter genau stimmen...Ich hab' diesen Abbau nicht als wesentliche Änderung des Betriebsplanes betrachtet und daher auch nicht nachgemeldet. Eine ganz normale Vorgangsweise".

Auf die Frage, warum die zehn Kumpel nach dem ersten Einbruch in die Grube geschickt worden sind, meint Schmidt: "Primär sind wir hinunter, um unsere Elektroanlagen auf Sohle 13 nicht unter Wasser kommen zu lassen. Auf Sohle 13 sind Verteilerkästen - das gesamte Werk wird von diesen Anlagen versorgt. Wenn die unter Wasser stehen, funktioniert keine Pumpe, kein Bohrwagen, kein Lift, nichts mehr".

Auch auf die Korruptionsvorwürfe geht Schmidt ein: "Wir haben die Behörde nicht geschmiert. Es hat nur einmal eine Einladung nach Lezenac gegeben. Die Gemeindevertreter von Lassing durften nach Lezenac in Südfrankreich fliegen...ein Platz war noch frei, deshalb flog auch Berghauptmann Wolfgang Wedrac mit".

Schmidt gibt auch zu, vor dem Unglück von den Anrainern auf laute Sprenggeräusche angsprochen worden zu sein:"...das war aber nichts Außergewöhnliches, das hat's doch immer gegeben...".

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