Internationalisierung verstärkt Bedarf nach Baccalaureat

WKÖ fordert Effizienzsteigerung im Hochschulwesen: derzeit zu lange und zu teuer - ibw-Pressekonferenz über Akademikermarkt

pwk - "Mit 7,4 Jahren hat Österreich weltweit die längste durchschnittliche Studiendauer. Im Mittel der OECD-Länder dauern Hochschulstudien 4,5 Jahre. Ein Hochschulabsolvent in Großbritannien, Belgien oder Japan schließt sein Studium mit rund 22 Jahren ab, in Österreich 5 Jahre später", erklärte Bildungsexperte Dr. Arthur Schneeberger am Mittwoch bei einem Pressegespräch des ibw-Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft. ****

In Österreich wird einerseits über eine im internationalen Vergleich niedrige Akademikerquote geklagt, andererseits über zunehmende Beschäftigungsprobleme der Hochschulabsolventen aufgrund der abnehmenden Aufnahmefähigkeit des öffentlichen Dienstes. Ein Ausweg wäre die Einführung kurzer Studien zur Erlangung eines "Bachelor Degree" nach drei Jahren Studium. Dies würde zu einer Verbesserung der Abschlußquote und zu Erleichterungen bei der beruflichen Integration führen, sagte Schneeberger.

Die relativ geringe Akademisierung in Österreich ist nämlich eine Folge der Langstudien an den heimischen Universitäten und hängt auch mit dem System unserer bewährten Berufsbildenden Schulen zusammen. Länder mit hohem Akademisierungsgrad haben hingegen kurze erste Studien eingerichtet.

Der Mangel an kurzen und relativ straff organisierten Studien hat bei einer Anfängerquote von 26 Prozent (OECD-Berechnung für 1995) verschiedene Probleme wie z.B. hohe Abbrecherquoten, geringe Effizienz und lange Studiendauern zur Folge. Letztere führen zu hohen Kosten je Absolvent. Diese sind laut OECD-Schätzung in Österreich mit rund 63.500 US-Dollar doppelt so hoch wie in angelsächsischen Ländern. Aufgrund der kürzeren Durchlaufzeiten werden dort mit den gleichen Mitteln höhere Absolventenzahlen erreicht.

Die permanente Klage über zu geringe Akademikerquoten sollte zu einer Zukunftsdiskussion über strukturelle Anpassungen des postsekundären Bildungssystems Anlaß geben, führte Schneeberger aus. Beispiele zeigen, daß eine BHS-Matura länger dauert und weiter führt als eine AHS-Matura. BHS-Abschluß und Berufserfahrung sollten daher auf der Basis von Ausbildungsmodulen oder Zugangsprüfungen und eines "Credit-Point-Systems" Anrechnungen und leistungsbezogene Einstiege in die Hochschul- und Fachhochschulbildung ermöglichen. Damit würde mehr Flexibilität im Rahmen des lebensbegleitenden Lernens geboten.

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Dr. Georg Piskaty
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Abteilung Bildungspolitik und Wissenschaft

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