OeNB - Einflußfaktoren der Inflation - Kerninflation in ausgewählten europäischen Ländern

In der Publikationsreihe "Berichte und Studien", Heft 3/1998, erschienen

Wien (OTS) - Unabhängig von der geldpolitischen Strategie
einer Notenbank sind alternative Inflationsindikatoren
hilfreich in der Bewertung der Inflationsentwicklung eines
Landes. Eine wichtige Kenngröße ist dabei die sogenannte Kerninflation. Diese soll den Inflationsprozess ohne
"atypische" Faktoren wie beispielsweise. Energiepreiserhöhungen darstellen. Bedeutung wird dabei mehr den nachfrageseitigen Einflüssen der Inflation beigemessen, was auch eine
geldpolitisch relevantere Beurteilung der Inflationskonvergenz
im EU-Raum erlaubt.

In dieser Studie werden Kerninflationsindikatoren für Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Deutschland,
Italien, die Niederlande, Schweden und das Vereinigte
Königreich ermittelt. Im Gegensatz zu einfacheren Verfahren,
bei denen für die Berechnung der Kerninflation "störende" Inflationskomponenten direkt eliminiert werden, kommt in vorliegender Arbeit eine modellbasierte Methode für die
Ermittlung der Kerninflation zum Einsatz. Diese bereinigt die Inflation um alle angebotsseitigen Einflüsse. Damit liegt in
Zeiten der Erdölpreisschocks die Kerninflation tendenziell
unter der gemessenen. Gerade in Finnland, Schweden, Italien und
im Vereinigten Königreich zeigt sich aber für die jüngere Vergangenheit, daß angebotsseitige bzw. strukturelle Faktoren
auch inflationshemmende Wirkung entfalten können; die
Kerninflation ist dann höher als die tatsächliche. Die Unterschiede zwischen der von den statistischen Ämtern
offiziell ausgewiesenen Inflation und der Kerninflation sind
aber eher gering. Daraus wird deutlich, daß die Inflation in
den untersuchten Ländern vorwiegend von nachfrageseitigen Einflüssen determiniert wird und daß der Geldpolitik eine wesentliche Rolle in der Steuerung des Inflationsprozesses
zukommt.

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