Wirtschaftskammer verlangt Steuerentlastung für Gastronomie

Insolvenzen im Gastgewerbe: Summe der Passiva erreicht im ersten Halbjahr 1998 bereits 1,3 Milliarden Schilling

Wien (Pwk) - "Anstelle einer überzogenen "Aktion scharf" der Steuerfahnder muß man das Übel an der Wurzel packen und die Gastronomie steuerlich entlasten", kritisiert Günter Stummvoll, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, die radikalen Kontrollen der Finanzbehörde bei Brauereien und Gastwirten. Statt einer pauschalen Kriminalisierung der Gastwirte als Steuerhinterzieher muß daher die übertriebene Besteuerung von Getränken in Österreich auf ein europäisches Niveau reduziert und eine Steuerpauschalierung für die kleinen und mittleren Gastronomiebetriebe umgesetzt werden. ****

Stummvoll verweist darauf, daß etwa die Steuerbelastung bei Bier in Österreich die höchste in Europa ist: "Es gibt kein anderes Land, welches gleich drei Steuern - Umsatzsteuer, Getränkesteuer und Biersteuer - bei Bier einhebt. Bei einem Preis von 35 Schilling für ein Krügel kassiert der Fiskus knapp 10 Schilling. Das ist einfach zuviel und wird auch in Hinblick auf die Euro-Umstellung zu enormen Problemen führen. Denn dann sind im Binnenmarkt Europa die vor allem steuerlich bedingten Preise und Preisunterschiede sehr deutlich sichtbar, was zu negativen Konsequenzen für Tourismus und Handel führen kann." (Siehe Graphiken)

Nötig ist auch eine Steuerpauschalierung für die kleineren Gastronomiebetriebe. Der Vorteil einer solchen Regelung wäre vor allem eine enorme Steuervereinfachung und Entbürokratisierung zugunsten der Gastwirte, was mit einer deutlichen Kostensenkung verbunden wäre. Stummvoll: "Statt die Gastwirte bis aufs Blut steuerlich zu verfolgen, sollte das Steuersystem zu ihren Gunsten vereinfacht werden. Aber auch die Finanz würde dann von einem geringerem Prüfaufwand profitieren".

Wie dringend eine Entlastung der Gastronomie und Hotellerie ist, zeige die Konkurs- und Ausgleichstatistik im Gastgewerbe. Mit einem Volumen der Passiva von 1,301 Milliarden Schilling ist - laut KSV -das finanzielle Ausmaß der Insolvenzen im Gastgewerbe heuer im ersten Halbjahr bereits deutlich größer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit 895 Millionen Schilling.

Außerdem muß erwartet werden, daß trotz einer besseren Tourismussaison als Folge der steuerlichen Halbierung von Geschäftsessen, der Zunahme bei den Zeltfesten sowie der 0,5-Promille-Regelung ein weiterer deutlicher Anstieg der Insolvenzen zu erwarten ist. Stummvoll: "Ich will gewiß nicht Steuerhinterziehung verteidigen. Aber wenn ein bekannter Gastronom von Notwehr spricht, und wenn es um das wirtschaftliche Überleben von tausenden Betrieben geht, dann sind diese dramatischen Probleme nicht mit Hausdurchsuchungen und Steuerfahndern zu lösen, sondern es ist die steuerliche Diskriminierung der Getränke zu beseitigen und eine Steuerpauschalierung für kleinere Gastwirte einzuführen."

Besonders schlecht zu sprechen ist Stummvoll auf bestimmte ÖGB-und AK-Vertreter, die in bezug auf das Thema Steuergerechtigkeit eine etwas dubiose Rolle spielen: "Wenn es gegen die Wirtschaft geht, dann blasen sie zum Steuer-Halali und verteufeln die Betriebe pauschal als Schwarzunternehmer, gegen die endlich durchgegriffen werden muß. Wenn es aber gegen den gewerbsmäßigen Pfusch geht, der dem Staat -zig Milliarden Schilling an Steuer- und Abgabenhinterziehung beschert, dann rühren sie keinen Finger und sprechen verschämt von Nachbarschaftshilfe statt energische Maßnahmen gegen Schwarzarbeit mitzutragen."

Die Grafiken "Was kostet ein Krügel Bier?" und "Steuerbelastung bei Bier in Österreich am höchsten" sind in Schwarzweiß und Farbe online abrufbar. Auer Mailbox Wien:5337552 oder andere First Class-Mailboxen. Für Druckzwecke werden die Grafiken auch kostenlos via ISDN versendet. Auskunft: Der Auer, Tel. 533-7-544. Abruck honorarfrei. Alle Auer Grafiken können auch im Internet per Formular bestellt werden: http://www.auer.magnet.at/auer

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