Meldung gesperrt bis 30.9.98 ,16:00 Uhr, frei für Printmedien mit Erscheinung 1.10.1998

Selbstmedikation kann sparen helfen=

Bad Hofgastein (OTS)-Neue Studie der IGEPHA und der Pharmig zeigt:
Volkswirtschaftlich können durch Entlassung von bewährten Arzneimitteln aus der Rezeptpflicht und aus dem Heilmittelverzeichnis 3.500 Millionen Schilling eingespart werden.

(OTS/Bad Hofgastein/30.9.1998) Der Autor der Studie, Univ. Prof.
Dr. Engelbert Theurl vom Finanzwissenschaftlichen Institut der Universität Innsbruck, gelangt in seiner von der IGEPHA und der Pharmig beauftragten Studie mit dem Titel: "Volkswirtschaftliche Aspekte und Effekte einer Verstärkung der Selbstmedikation in Österreich" zu dem eindeutigen Schluß: entließe man in Österreich – wie es in anderen Ländern bereits geschehen ist - eine Reihe von bewährten Substanzen aus der Rezeptpflicht, könnte dies die heimische Volkswirtschaft um ca. 2.800 Millionen Schilling, die soziale Krankenversicherung allein um 1,900 Millionen Schilling entlasten. Die Nicht-Entlassung aus der Rezeptpflicht liegt aber derzeit nicht mehr allein bei rigiden staatlichen Bestimmungen:
die Arzneimittelproduzenten selbst nutzen derzeit – systembedingt - nur 50 Prozent des tatsächlichen "Switch-Potentials", also die Möglichkeiten, selbst tätig zu werden, um ihre Produkte rezeptfrei zu stellen. Darüber hinaus stellt nach wie vor die staatliche Preiskontrolle ein gewisses Hindernis dar: ein Switch zur Rezeptfreiheit verlangt vom Hersteller meist erhebliche Investitionen, die nur dann finanzierbar sind, wenn marktgerechte Preise (d.h. solche, die dem Wert eines Arzneimittels entsprechen) erzielt werden können. - Der Wissenschafter präsentierte seine Analyse zum Thema heute, Mittwoch, anläßlich des European Health Forums in Bad Hofgastein.

Die Rechnung, die Prof. Theurl aufgrund weit gefaßter Analysen aufstellt, ist relativ einfach: 712 Millionen Schilling Einsparungspotential für die soziale Krankenversicherung könnten allein aus "möglichen" Switches resultieren; von diesem Betrag
sind allerdings die anteiligen Mindereinnahmen der Sozialversicherung aus dem Selbstbehalt (= Rezeptgebühr) abzuziehen. Weitere 1.225 Millionen Schilling Ersparnis können aus nicht-konsumierten Arztbesuchen lukriert werden, weil der Patient sich das Arzneimittel ohne ärztliche Verschreibung in der Apotheke besorgt. Auf diese Weise können lt. Theurl auch 10 Prozent der Arztbesuche überhaupt vermieden werden. Der volkswirtschaftliche Wertschöpfungsverlust durch Arztbesuche (z.B. Fehlzeiten vom Arbeitsplatz) schlagen mit weiteren 1.575 Millionen Schilling zu Buche. Insgesamt ergibt eine gesteigerte Selbstmedikation damit
ein "Sparpotential" für die Volkswirtschaft von rund 2.800 Millionen Schilling. Rechnet man die reinen Einsparungen für die Soziale Krankenversicherung, so beläuft sich diese aus den Einsparungen bei Arzneimitteln und Arzthonoraren auf 1,937
Millionen Schilling.

Zwt.: Welche Arzneimittelgruppen kommen für "Switches" in Frage?

Lt. Daten des Instituts für Medizinische Statistik (IMS) würden sich bei einer Umstellung auf Rezeptfreiheit u.a. besondere Einsparungen bei folgenden Arzneimittelgruppen ergeben: bei Ulcus-Therapeutika 264,0 Mio. Schilling, bei auf den Respira-tionstrakt wirkenden Medikamenten rund 102,3 Millionen Schilling, bei Spasmolytika (= krampflösende Arzneien) 46.681 Millionen
Schilling. Eine Erweiterung der Selbstmedikation bei Verdauungsmitteln könnten die Soziale Krankenversicherung um
13,843 Mio. Schilling entlasten und bei oralen Aknemitteln
beliefen sich die möglichen Einsparungen auf 41.486 Mio.
Schilling.

Zwt.: Vorurteile und Bedenken – Traut den Patienten mehr zu!

Nach und nach hat auch Österreich und sein Gesundheitswesen die "Kassen-entlastende" Stellung einer vernünftigen Selbstmedikation erkannt. Die Liberalisierung der Rezeptpflicht auch innerhalb der rot-weiß-roten Grenzpfähle – ein langjähriges Anliegen der IGEPHA – ist nicht zuletzt aufgrund dieser Überlegung fortgeschritten. Nicht (oder noch nicht) ausgeräumt wurden hingegen die Vorurteile der Ärzteschaft hinsichtlich einer Selbstmedikation: hier wird befürchtet, daß durch die durch eine Selbstmedikation spätere oder gar nicht einsetzende ärztliche Behandlung ernste Krankheiten
nicht rechtzeitig oder gar nicht zum Schaden des Patienten erkannt werden würden. Dazu kommt die Sorge der Ärzte, durch weniger Arztbesuche auch finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen.

Dennoch scheinen Erfahrungen der IGEPHA zufolge beide Bedenken weitgehend unbegründet zu sein: zum einen erfährt der Patient/Konsument in der Apotheke auch im Bereich der Selbstmedikation fundierte Beratung; zum anderen suchen Patienten bei Anhalten ihres subjektiv als "schlecht" befundenen Zustandes durchaus Rat und Hilfe beim Arzt.

Zwt.: Patienten-Information muß ausgebaut werden

Mit einer weiteren Ausdehnung der Selbstmedikation muß jedoch – und auch das ist eine langjährige Forderung der IGEPHA – eine qualifizierte Aufklärung des Patienten/Konsumenten einhergehen.
Ein Ausbau der diesbezüglichen Information in Richtung des Arzneimittel-Anwenders ist daher unabdingbar und muß alle Leistungsanbieter des Gesundheitswesens umfassen, wie etwa Industrie, Soziale Krankenversicherung, Ärzte und Apotheker.

++/rm

Nähere Informationen:

während des Kongresses:
Anfragen bitte per Fax c/o Kongressbüro des European Health
Forums,
Z.Hd. Frau Sonja Lindbichler – Ihre Anfragen werden schnellstmöglich weiter-
geleitet ! Fax-Nummer: 06432/7110-71

nach dem Kongress:
IGEPHA Pharmig-Pressestelle Dietrich Claus Ruth Mayrhofer, Dkfm.E.P. Geisler
Tel. +43/1/914 95 12 Tel. +43/1/523 29 56 e-mail: igepha@medicalnet.at e-mail: pharmig-office@apanet.at

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