AGITATION FÜR DIE MODERNE Plakate und Gebrauchsgraphik der

"Vereinigung bildender Künstler Österreichs - Secession"

Wien (OTS) - Pressepreview: Dienstag, 13. Oktober 1998, 10.30 Uhr Ort: MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum
für angewandte Kunst,
Stubenring 5, A-1010 Wien Ausstellungsdauer: 13. Oktober - 22. November 1998 Öffnungszeiten: Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr, Mo geschlossen

Aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens der Secession widmet die Bibliothek und Kunstblättersammlung des MAK ihre Sonderausstellung AGITATION FÜR DIE MODERNE, die vom 14. Oktober bis 22. November im MAK-Kunstblättersaal zu sehen ist, Plakaten und Gebrauchsgraphik nach Entwürfen von Gustav Klimt, Josef Hoffmann, Koloman Moser und weiterer Gründungsmitglieder der ersten modernen Künstlervereinigung Österreichs. Innerhalb der 1897 gegründeten Secession empfand man die gleich zu Beginn erfolgte Schaffung eines "graphischen Gesamtkonzeptes" als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Kunst. Die Plakate und Kataloge zu Ausstellungen der Vereinigung bildender Künstler Österreichs - Secession und die ab 1898 erscheinende Zeitschrift Ver Sacrum als Sprachrohr der Modernen wurden bahnbrechend für die zeitgemäße künstlerische Gestaltung von Bild und Schrift.

Dem "agitatorischen Verein", wie Hermann Bahr im ersten Heft der Zeitschrift Ver Sacrum die Secession bezeichnete, war es wichtig, über optisch wirksame Medien zur Verbreitung seiner Ideen zu verfügen. Daher fungierten als graphische Gestalter die Gründungsmitglieder wie Josef Hoffmann, Gustav Klimt, Koloman Moser oder Alfred Roller selbst: für die noch vor der Errichtung eines eigenen Ausstellungsgebäudes edierte Zeitschrift Ver Sacrum, das "Leit- und Musterorgan des modernen Schaffens" (Ludwig Hevesi) der Secessionisten ebenso wie für Ausstellungsplakate und Kataloge. Kennzeichnend für das neue Konzept im Sinne des "Gesamtkunstwerkes" war, daß die Ausstellungsarchitektender Secession oft auch als Gestalter des zugehörigen Plakates und des Kataloges sowie der jeweiligen Nummer von Ver Sacrum verantwortlich zeichneten. Dies sicherte die hohe künstlerische Qualität und das einheitliche Erscheinungsbild auch der graphischen Arbeiten.

Ver Sacrum bot als erste moderne Kunstzeitschrift in Österreich das Experimentierfeld für die Ideen der in der Secession versammelten Künstler, oft noch bevor diese Ideen dann in den Ausstellungen auch räumlich Form annehmen konnten. In der Zeitschrift wurden in Österreich zuvor wenig bekannte moderne europäische Graphiker, etwa Walter Crane, Fernand Khnopff, Jan Toroop, Alfons Mucha, Giovanni Segantini mit ihren Werken vorgestellt. Die Graphik hatte in allen sechs bis 1903 erschienenen Jahrgängen ein deutliches Übergewicht gegenüber den kunsttheoretischen und literarischen Texten, die in Ver Sacrum veröffentlicht wurden. Ludwig Hevesi, als Journalist kunstkritischer Begleiter des "Kunstfrühlings", meinte, das Wiener Publikum könne aus Ver Sacrum mancherlei lernen: "Vor allem, wie eine künstlerisch illustrierte Textseite aussieht, wie sie sich aus Bild und Schrift zu einem bewegten, wenn auch streng in der Fläche lebenden Organismus aufbaut. (...) Moderner Buchschmuck tritt damit in Wien zum ersten Male auch in einer Zeitschrift mit dem Bewußtsein auf, eine der Hauptsachen zu sein. Und da finden sich mehrere Seiten, die vom kunstreichen Kolo Moser, dem begabten Architekten Josef Hoffmann... u. a. musterhaft ausgestattet sind."

Plakate und Kataloge für die Ausstellungen der Secession waren von Beginn an "bildgewordene Manifeste" (H. Kossatz): Gustav Klimts Entwurf für das Plakat der ersten Ausstellung der Wiener Secession verursachte aufgrund der Darstellung und der formalen Gestaltung einen optischen Skandal. Die Zensur beanstandete den in antiker Nacktheit gegen Minotaurus kämpfenden Theseus, das Plakat wurde eingezogen, Klimt gezwungen die Szene optisch zu "entschärfen«. Auch das Spiel zwischen Schriftblock, druckfreier Fläche und figuraler Darstellung erregte Aufmerksamkeit, wurde doch auf hierzulande neue Weise mit den Elementen von Flächigkeit, Linearität und ornamentaler Massenverteilung der Buchstaben ein Plakat gestaltet. Die Plakatentwürfe späterer Ausstellungen von Koloman Moser, Adolf Böhm, Alfred Roller, Ferdinand Andri waren auf der Höhe der Zeit. "Ornamentale Schrift" im Sinne des Reformers Rudolf von Larisch, Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule und Lehrer vieler Secessionisten, in ihrer Gestaltung am Rande der Lesbarkeit, taucht ebenso auf wie die offensichtliche Rezeption des Flächenstils japanischer Farbholzschnitte.

Von der Zeitschrift, über die Kataloge und Plakate zu den einzelnen Ausstellungen bis zu der Gestaltung der Ausstellungen verwirklichten die Secessionisten in einem "Allgestaltungsanspruch" die Grundsätze der Flächigkeit, Linearität und Achtung vor dem Einzelwerk. Die graphische Linie wurde auch für die Architektur zum Leitmotiv, das Spiel zwischen Fläche und Räumlichkeit in das Gebäude der Secession übertragen.Die sich in der Gestaltung von Ver Sacrum ab 1900 und in den Secessionsausstellungen ausdrückende radikale Absage an das malerisch-impressionistische Element zugunsten von graphischer Linearität und Flächigkeit innerhalb der Secessionskunst war es auch, die schließlich zum Bruch und zum Austritt der "Klimtgruppe" aus der Secession 1905 führen sollte.

Die Ausstellung präsentiert die wertvollsten Plakate und gebrauchsgraphischen Arbeiten aus den Gründungsjahren der Künstlervereinigung Secession, die in der Bibliothek und Kunstblättersammlung des MAK aufbewahrt werden. AGITATION FÜR DIE MODERNE ist ein weiteres Teilergebnis eines laufenden wissenschaftlichen Forschungsprojektes in der Bibliothek und Kunstblättersammlung des MAK, dessen Ziel die EDV-mäßige Bild- und Texterfassung der gesamten Plakatsammlung des MAK ist.

Pressedaten

AGITATION FÜR DIE MODERNE

Plakate und Gebrauchsgraphik der
"Vereinigung bildender Künstler Österreichs - Secession"

Pressepreview Dienstag, 13. Oktober 1998, 10.30 Uhr
Ort MAK-Kunstblättersaal
MAK - Österreichisches Museum
für angewandte Kunst,
Stubenring 5, A-1010 Wien
Ausstellungsdauer 13. Oktober - 22. November 1998

Öffnungszeiten Di - So 10.00 - 18.00 Uhr
Do 10.00 - 21.00 Uhr
Mo geschlossen

MAK-Kurator Rainald Franz
Mitarbeit Peter Klinger

Feiertage 26. Oktober Tag der offenen Tür
10.00 - 18.00 Uhr
1. November Allerheiligen
2. November Allerseelen geschlossen

MAK-Eintritt öS 90.-/öS 45.-
ermäßigt für Schüler, Studenten,
gesamt Senioren ab 60, Soldaten,
Gruppen ab 10 Personen.
Freier Eintritt für Kinder bis 10, Mitglieder der Ges. f. Österr. Kunst, Studenten der Hochschule für angewandte Kunst, Museumspaß, Arbeitslose, österr. Schulklassen.

Freier Eintritt 26. Oktober Tag der offenen Tür
4. November Tag der Eröffnung des Museums 1871

Führungen gegen Anmeldung
Frau Gabriele Fabiankowitsch, Tel. 711 36-298

Infohotline +43-1-712 80 00

Presse Dorothea Apovnik
Tel. +43-1-711 36-233
Fax +43-1-711 36-227
e-mail: presse@mak.at

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