OeNB - Das neue Führungsteam d.OeNB und die Aufgaben der Bank im ESZB

Wien (OTS) - Anläßlich einer Pressekonferenz stellte der Präsident der Oesterreichischen Nationalbank, Adolf Wala, das neustrukturierte Führungsteam der Bank vor. Neben Präsident
Wala gehören dem Präsidium des Generalrates der OeNB erster Vizepräsident Herbert Schimetschek und zweiter Vizepräsident Dipl.-Ing. Karl Werner Rüsch an. Dem Direktorium der
Nationalbank gehören Gouverneur Dr. Klaus Liebscher mit dem
Ressort Notenbankpolitik, Vize-Gouverneurin Mag. Dr. Gertrude Tumpel-Gugerell mit dem Ressort Volkswirtschaft und
Finanzmärkte, Direktor Mag. Dr. Wolfgang Duchatczek mit dem
Ressort Informationsverarbeitung und Geldwesen sowie Direktor
Mag. Dr. Peter Zöllner mit dem Ressort Investitionspolitik und Interne Dienste an.

Präsident Wala verwies in seiner Stellungnahme auf die
Vielzahl der die Oesterreichische Nationalbank betreffenden Neuerungen, die im Hinblick auf die ab 1. Jänner 1999
beginnende Währungsunion durchgeführt wurden. Die gesetzliche Basis der Nationalbank wurde, mit dem novellierten Nationalbankgesetz, das am 24. April dieses Jahres kundgemacht
wurde den Erfordernissen des EG-Vertrages und der Satzung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) und der
Europäischen Zentralbank (EZB) angepaßt. Seit 1. Juni 1998 ist
die Oesterreichische Nationalbank Teil des ESZB und Gouverneur
Dr. Liebscher Mitglied des EZB-Rates, der ab Anfang nächsten
Jahres die geldpolitischen Entscheidungen trifft. In der OeNB
wurde in den Jahren der Vorbereitung auf die Währungsunion eine Aufbau- und Ablauforganisation eingerichtet, die zu einer
deutlichen Effizienzsteigerung geführt hat. Weiters versicherte Präsident Wala, daß die Nationalbank nach vieljähriger
Vorarbeit in allen ihren Funktionen, nämlich den
geldpolitischen Instrumenten, der volkswirtschaftlichen
Analyse, der Statistik, dem Zahlungsverkehr, der
Bargeldversorgung und dem Banknotendruck bis auf einige Finalisierungsarbeiten bereits jetzt auf die Währungsunion vorbereitet ist. Auch wirkt sie im Interesse des Finanzplatzes Österreich an der Bankenaufsicht mit.

Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Klaus Liebscher, hob hervor, daß der Transformationsprozeß, in dem
sich die OeNB befindet, mit Beginn des nächsten Jahres seinen Höhepunkt erreicht. Dann geht die währungspolitische Entscheidungskompetenz von der Nationalbank und deren
Generalrat auf den EZB-Rat über. Dort wird dann der Gouverneur
der OeNB gemeinsam mit den Gouverneuren der anderen nationalen Zentralbanken und zusammen mit den Mitgliedern des Direktoriums
der EZB die Geldpolitik des Euro-Gebietes mitbestimmen. Der Generalrat der OeNB wird dann die Funktion eines Aufsichtsrates wahrnehmen, darüber hinaus aber auch dem Direktorium der Bank
seine Expertise im Rahmen seiner währungspolitischen Beratungspflicht zur Verfügung stellen. Gouverneur
Dr. Liebscher begrüßte diese Funktion des Generalrates, da sie auch eine Einbindung der Sozialpartner in die stabilitätsorientierte Politik ist. Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank ist als Mitglied des EZB-Rates weisungsfrei und dem statuierten Ziel der Preisstabilität verpflichtet. Der EZB-Rat wird selbstverständlich auch die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen in seine Überlegungen miteinbeziehen.

Gouverneur Dr. Liebscher unterstrich, daß er das aktive Mitwirken der Oesterreichischen Nationalbank an der
wirtschafts- und währungspolitischen Diskussion für außerordentlich wichtig halte. Nur wenn die Nationalbank im
engen Kontakt mit den wirtschaftspolitischen
Entscheidungsträgern unseres Landes und der Öffentlichkeit
steht, wird die OeNB ihre Aufgabe als Teil des ESZB wirklich erfüllen können. Denn der Erfolg der Geldpolitik des ESZB hängt nicht nur von der technischen Umsetzung der Beschlüsse des EZB-Rates ab, sondern vor allem davon, ob sie von der Bevölkerung,
der Wirtschaft und der Politik verstanden und akzeptiert
werden. In diesem Zusammenhang begrüßte Gouverneur
Dr. Liebscher auch die Bestimmung des Nationalbankgesetzes,
wonach der Gouverneur und die Vize-Gouverneurin zweimal im Jahr
dem Finanzausschuß des Nationalrates über die erfolgten geld-
und währungspolitischen Maßnahmen berichten.

Vize-Gouverneurin Dr. Tumpel-Gugerell ging dann näher darauf ein, wie die Teilnahme am ESZB und die damit einhergehende Mitwirkung an der europäischen Geldpolitik die Anforderungen an
die OeNB verändern. Das erfordere profunde Analysen der österreichischen, europäischen und außereuropäischen
Wirtschaft. Im internationalen Wettbewerb der Meinungen werden
sich jene Positionen durchsetzen, die mit den besten Argumenten untermauert sind.

Schon in der Vorbereitung auf die Währungsunion hat daher
die OeNB den Bereich der ökonomischen Analyse bis hin zum
Modellbau und zur Prognoseerstellung sowie die anerkannte und
zur Zeit besonders gefragte Kompetenz der OeNB zu Fragen
Zentral- und Osteuropas als strategische Schwerpunkte
festgelegt. Zielsetzung ist, auch als kleine Notenbank im ESZB
mit einer eigenständigen Stimme vertreten zu sein und sich in bestimmten Fragen als über Österreich hinaus anerkannter Ansprechpartner zu profilieren.

Weiters haben Notenbanken, wie Vize-Gouverneurin
Dr. Tumpel-Gugerell hervorhob, neben der Geldpolitik als
weitere Aufgabe die Wahrung der Finanzmarktstabilität. Die OeNB
ist vom Gesetzgeber beauftragt, das Bundesministerium für
Finanzen auf dem Gebiet der Bankenaufsicht durch Analysen, Gutachten, Meldewesen, Prüfungen vor Ort u. ä. zu unterstützen und zu beraten.

Die OeNB wird somit in Zukunft laut Vize-Gouverneurin
Dr. Tumpel-Gugerell Mitgestalter der europäischen Geldpolitik, Ansprechpartner der heimischen Wirtschaftspolitik und
Dienstleister zum Wohle der Österreicher im Geldbereich sowie
bei der Information über Geld- und Währungspolitik sein. Der Sicherung der Finanzmarktstabilität kommt in Zeiten höherer Unsicherheit und bei Strukturbrüchen, wie der Einführung des
Euro, besondere Bedeutung zu.

In der Folge sprach Direktor Dr. Duchatczek über das von der OeNB entwickelte und den europäischen Anforderungen
entsprechende neue Zahlungsverkehrssystem ARTIS (Austrian Real
Time Interbank Settlement). Die Vernetzung von ARTIS sowie
aller anderen nationalen Systeme zu einem europaweiten Verbund
wird am 1.1.1999 erfolgen. Mit diesem Schritt wird die OeNB mit ihrem Zahlungsverkehrssystem als "Entry Point" für das TARGET-System zur Verfügung stehen.

Darüber hinaus wird - so Direktor Dr. Duchatczek - von der
OeNB und ihrem Zweiganstaltensystem ein "Erweitertes
Geldservice" angeboten werden. Die Kunden werden die Banknoten
und Münzen zukünftig ungeordnet bei der OeNB einliefern können. Derzeit wird intensiv die Bewältigung des Euro-Changeover logistisch vorstrukturiert und ab 1999 die Detailplanung aufgenommen.

Im neugebauten Geldzentrum der OeNB laufen zur Zeit die Vorbereitungsarbeiten für die Produktion der Euro-Banknoten. Im
4. Quartal d.J. wird für jeden Banknotenwert die sogenannte "Nullserie" gedruckt. Derzeit wird die Ausgliederung des Banknotendrucks projektmäßig umgesetzt. Damit sollen die
Weichen für eine kostengünstige und kommerziell zielführende Nutzung dieser Investition der OeNB für die Zukunft
sichergestellt werden.

Direktor Dr. Zöllner bestätigte, daß die Umstellung des währungspolitischen Instrumentariums der OeNB auf die
Erfordernisse des ESZB weitgehend abgeschlossen ist und während
der letzten eineinhalb Jahre erfolgte. Dabei habe die
Nationalbank moderne marktorientierte Instrumente eingeführt.
Im Rahmen des ESZB würden vorrangig Offenmarktgeschäfte
eingesetzt werden, um Liquidität und Zinssätze am Geldmarkt zu steuern. Das Hauptinstrument werden Repos auf der Basis von wöchentlichen Tendern sein, daneben werden noch Schnelltender, Devisenswaps, Termineinlagen, längerfristige Refinanzierungsgeschäfte oder Emissionen von ESZB-Schuldverschreibungen zum Einsatz kommen. Durch die Zinssätze
einer Spitzenrefinanzierungs-fazilität und einer
Einlagenfazilität wird ein geldpolitischer Zinskorridor
festgelegt. Hinsichtlich der künftigen Mindestreserveregelung
sind noch einige Details offen. Gleichwohl steht fest, daß im Euro-Gebiet eine verzinste, einheitliche Mindestreserve
vorgesehen ist, bei welcher der Mindestreservesatz zwischen
1,5% und 2,5% liegen und die Verzinsung auf Basis des
14-tägigen Tenders erfolgen soll. Der Qualität von
Wertpapieren als Grundlage der Refinanzierung und der Qualität
der Geschäftspartner wird große Bedeutung beigemessen.

Zur geplanten Verzinsung der Mindestreserven stellte
Direktor Dr. Zöllner fest, daß dadurch den österreichischen Banken zusätzliche Erträge in der Höhe von zumindest
1,6 Mrd. Schilling zugute kommen. Die Gewinne der Nationalbank werden dadurch geschmälert, was sich auch auf die
Gewinnabfuhren an den Bund auswirken wird. Eine weitere
Konsequenz der Umstellung ist, daß der Wechseleskont
aufgelassen wird. Dafür werden bestimmte Bankforderungen notenbankfähig und den Geschäftspartnern wird eine grenzüberschreitende Nutzung von Wertpapieren als
Sicherstellung für Notenbankkredite ermöglicht werden.

Zum Management der Währungsreserven stellte Direktor
Dr. Zöllner fest, daß es mit Beginn des nächsten Jahres neu strukturiert wird, weil in Hinkunft neben den Reserven der OeNB
auch anteilig jene der EZB dezentral von der Nationalbank
veranlagt werden. Gold wird in größerem Maß als bisher ertragsbringend eingesetzt werden.

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