• 22.09.1998, 09:54:29
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  • OTS0064

Generali Foundation: MARY KELLY

Post-Partum Dokument - Das komplette Werk (1973-79)

Wien (OTS) - Pressevorbesichtigung, Donnerstag, 24. September
1998, 10.30 Uhr Mary Kelly wird anwesend sein*****

Eröffnung der Ausstellung, Donnerstag, 24. September 1998, 19.00
Uhr Vorträge, Freitag, 25. September 1998, 14.00 bis ca. 18.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 25. September bis 20. Dezember 1998

"Post-Partum Dokument" von Mary Kelly ist ein zentrales Werk der
siebziger Jahre, das das Mutter-Kind Motiv vollkommen neu und aus
weiblicher Perspektive beleuchtet. Kellys innovative Sichtweise der
Repräsentation von weiblicher Sexualität stößt heute wieder auf
großes Interesse. Das aus sieben Abschnitten, gesamt 139
Einzelteilen, bestehende Werk hat bereits eine lange
Ausstellungsgeschichte, wird jedoch erstmals im deutschsprachigen
Raum vorgestellt. Da sich die einzelnen Abschnitte in sechs
prominenten Sammlungen auf drei verschiedenen Kontinenten befinden,
bietet die Ausstellung in der Generali Foundation zum ersten Mal (und
bis auf weiteres voraussichtlich zum letzten Mal) die Gelegenheit,
alle Teile von "Post-Partum Dokument" gemeinsam zu sehen.

Mary Kelly verwendet in "Post-Partum Dokument" das konzeptuelle
Verfahren der Dokumentation für eine Subjektbefragung. In der
Einleitung und den sechs folgenden Abschnitten wird die Beziehung der
berufstätigen Mutter zu ihrem männlichen Kind behandelt. Fragen nach
der Entstehung von Geschlechterdifferenz und dem weiblichen
Fetischismus stehen im Zentrum. Die Psychoanalyse, im besonderen
deren linguistische Neuformulierung durch Jacques Lacan, ist dabei
wichtiger Bezugspunkt. Die Diskussion und Anwendung dieser
Erkenntnisse in Bewußtseinsbildungsgruppen sowie der kollektive
Aktivismus der Frauenbewegung im London der siebziger Jahre sind der
praktische Hintergrund.

In der "Einführung" bringt Mary Kelly als Leitmotiv der gesamten
Arbeit den Begriff der "Intersubjektivität" ein, den sie mit einem
Diagramm von Lacan auf vier Babyhemdchen ihres Sohnes druckt. Die
folgenden Abschnitte dokumentieren die Entwicklung des Kindes bis zum
fünften Lebensjahr und reflektieren die Beziehung zwischen Mutter und
Kind sowie deren wechselseitige Sozialisation. Babyhemdchen,
schmutzige Windeln, Zeichen- und Schriftspuren, Abdrücke der Hände
und präparierte Insekten stehen für die Erinnerungsgegenstände der
Mutter, aber auch dafür, wie diese die Loslösung von ihrem Kind
verarbeitet. Diese persönlichen Gegenstände hat die Künstlerin mit
tagebuchartigen Kommentaren und quasi-wissenschaftlichen Daten
versehen. Subjektive Verweise und eher distanzierte, theoretische
Ansätze in Form von Diagrammen stehen einander gegenüber.

In kritischer Auseinandersetzung mit Psychoanalyse und Feminismus
sowie durch ihre provokante Haltung gegenüber der Konzeptkunst ist es
Mary Kelly gelungen, ein vielschichtiges Kunstwerk zu schaffen, das
einen zentralen und symptomatischen blinden Fleck des Modernismus
aufzeigt: die Frau als Künstlerin und Mutter. Der siebenjährige
Reflexions- und Visualisierungsprozeß von Mary Kelly wird
mittlerweile als einzigartig in der Kunstgeschichte angesehen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Archivmaterialien, die die
Rolle der Künstlerin in der (feministischen) Kunstbewegung der
siebziger Jahre sowie die Entstehung und Rezeption von
"Post-Partum-Dokument" veranschaulichen. Weitere Arbeiten, die mit
dem Dokument in enger Verbindung stehen, wie die Fotoserie
"Primapara" (1974), das Video "Antepartum" oder der Film
"Nightcleaners" (1975) sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Mary Kelly (*1941, USA) lebte zwischen 1968 und Anfang der
achtziger Jahre in London, daraufhin bis 1996 in New York City.
Derzeit ist sie Professorin und Institutsvorstand am Art Department
der University of California in Los Angeles. Kelly war immer
gleichzeitig auf mehreren Gebieten aktiv, als Lehrende, Kuratorin und
Künstlerin sowie als Theoretikerin mit besonderem Interesse für
Psychoanalyse und Feminismus.

Anläßlich der Ausstellung erscheint eine erweiterte
Neuveröffentlichung der 1983 bei Routledge erschienenen und heute
vergriffenen Publikation "Post-Partum Dokument". Neben der englischen
Ausgabe (co-verlegt mit University of California Press, Los Angeles)
erscheint erstmalig auch eine deutsche Fassung (co-verlegt mit dem
Verlag Silke Schreiber, München). Eine weitere Publikation wird u.a.
die Beiträge der Konferenz veröffentlichen und erscheint im November
1998.

Ausstellung kuratiert von: Sabine Breitwieser Archivsektion: Juli
Carson Ausstellungsproduktion, wissenschaftliche Mitarbeit: Hemma
Schmutz Gestaltung der Printmedien der Ausstellung: Dorit Margreiter

Vorträge zur Konzeption, zum Kontext und zur historischen und
aktuellen Rezeption von "Post-Partum Dokument" (in englischer
Sprache) Freitag, 25. September 1998, 14 bis ca. 18 Uhr

Griselda Pollock , Mary Kelly, Juli Carson, Isabelle Graw

Mary Kelly führt durch ihre Ausstellung Sonntag, 27. September
1998, 15 Uhr

Ausstellungsgespräche

Donnerstag, 22. Oktober 1998, 19 Uhr
Marlene Streeruwitz, Autorin, Regisseurin

Donnerstag, 5. November 1998, 19 Uhr
Dr. August Ruhs, Psychiater und Psychoanalytiker

Donnerstag, 26. November 1998, 19 Uhr
Dr. Eva Kreisky, Politikwissenschaftlerin

Donnerstag, 10. Dezember 1998, 19 Uhr
Dr. Elisabeth Schlebrügge, Psychoanalytikerin, Autorin

Führungen jeden Sonntag, 15 Uhr
Sonntag, 22. November 1998, 15 Uhr
Spezialtermin für Eltern und Kinder (ab 5 Jahre)

Studienraum (Archiv, Bibliothek, Videothek)

Ein Archiv zu Mary Kelly, das in Zusammenhang mit dem Projekt
aufgebaut wurde, ist frei zugänglich.
Di 14-18, Mi 10-14, Do 14-20 Uhr, found.studienraum@generali.at

Ausstellungszeiten Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So, feiertags
11-16 Uhr, Montag, 26.10. geöffnet

Pressestelle: Claudia Kofler, DW 24

Die Generali Foundation ist der Kunstverein der Generali Gruppe
mit Sitz in Wien und hat sich die Förderung zeitgenössischer Kunst
zum Ziel gesetzt. Mitglieder sind die Generali Holding Vienna AG,
Generali Versicherung AG und Generali Rückversicherung AG

Rückfragehinweis: Generali Foundation
Claudia Kofler
Tel.: (01) 504 98 80
Fax: (01) 504 98 83

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EAG/OTS

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