Generali Foundation: MARY KELLY

Post-Partum Dokument - Das komplette Werk (1973-79)

Wien (OTS) - Pressevorbesichtigung, Donnerstag, 24. September
1998, 10.30 Uhr Mary Kelly wird anwesend sein*****

Eröffnung der Ausstellung, Donnerstag, 24. September 1998, 19.00 Uhr Vorträge, Freitag, 25. September 1998, 14.00 bis ca. 18.00 Uhr Ausstellungsdauer: 25. September bis 20. Dezember 1998

"Post-Partum Dokument" von Mary Kelly ist ein zentrales Werk der siebziger Jahre, das das Mutter-Kind Motiv vollkommen neu und aus weiblicher Perspektive beleuchtet. Kellys innovative Sichtweise der Repräsentation von weiblicher Sexualität stößt heute wieder auf großes Interesse. Das aus sieben Abschnitten, gesamt 139 Einzelteilen, bestehende Werk hat bereits eine lange Ausstellungsgeschichte, wird jedoch erstmals im deutschsprachigen Raum vorgestellt. Da sich die einzelnen Abschnitte in sechs prominenten Sammlungen auf drei verschiedenen Kontinenten befinden, bietet die Ausstellung in der Generali Foundation zum ersten Mal (und bis auf weiteres voraussichtlich zum letzten Mal) die Gelegenheit, alle Teile von "Post-Partum Dokument" gemeinsam zu sehen.

Mary Kelly verwendet in "Post-Partum Dokument" das konzeptuelle Verfahren der Dokumentation für eine Subjektbefragung. In der Einleitung und den sechs folgenden Abschnitten wird die Beziehung der berufstätigen Mutter zu ihrem männlichen Kind behandelt. Fragen nach der Entstehung von Geschlechterdifferenz und dem weiblichen Fetischismus stehen im Zentrum. Die Psychoanalyse, im besonderen deren linguistische Neuformulierung durch Jacques Lacan, ist dabei wichtiger Bezugspunkt. Die Diskussion und Anwendung dieser Erkenntnisse in Bewußtseinsbildungsgruppen sowie der kollektive Aktivismus der Frauenbewegung im London der siebziger Jahre sind der praktische Hintergrund.

In der "Einführung" bringt Mary Kelly als Leitmotiv der gesamten Arbeit den Begriff der "Intersubjektivität" ein, den sie mit einem Diagramm von Lacan auf vier Babyhemdchen ihres Sohnes druckt. Die folgenden Abschnitte dokumentieren die Entwicklung des Kindes bis zum fünften Lebensjahr und reflektieren die Beziehung zwischen Mutter und Kind sowie deren wechselseitige Sozialisation. Babyhemdchen, schmutzige Windeln, Zeichen- und Schriftspuren, Abdrücke der Hände und präparierte Insekten stehen für die Erinnerungsgegenstände der Mutter, aber auch dafür, wie diese die Loslösung von ihrem Kind verarbeitet. Diese persönlichen Gegenstände hat die Künstlerin mit tagebuchartigen Kommentaren und quasi-wissenschaftlichen Daten versehen. Subjektive Verweise und eher distanzierte, theoretische Ansätze in Form von Diagrammen stehen einander gegenüber.

In kritischer Auseinandersetzung mit Psychoanalyse und Feminismus sowie durch ihre provokante Haltung gegenüber der Konzeptkunst ist es Mary Kelly gelungen, ein vielschichtiges Kunstwerk zu schaffen, das einen zentralen und symptomatischen blinden Fleck des Modernismus aufzeigt: die Frau als Künstlerin und Mutter. Der siebenjährige Reflexions- und Visualisierungsprozeß von Mary Kelly wird mittlerweile als einzigartig in der Kunstgeschichte angesehen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Archivmaterialien, die die Rolle der Künstlerin in der (feministischen) Kunstbewegung der siebziger Jahre sowie die Entstehung und Rezeption von "Post-Partum-Dokument" veranschaulichen. Weitere Arbeiten, die mit dem Dokument in enger Verbindung stehen, wie die Fotoserie "Primapara" (1974), das Video "Antepartum" oder der Film "Nightcleaners" (1975) sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Mary Kelly (*1941, USA) lebte zwischen 1968 und Anfang der achtziger Jahre in London, daraufhin bis 1996 in New York City. Derzeit ist sie Professorin und Institutsvorstand am Art Department der University of California in Los Angeles. Kelly war immer gleichzeitig auf mehreren Gebieten aktiv, als Lehrende, Kuratorin und Künstlerin sowie als Theoretikerin mit besonderem Interesse für Psychoanalyse und Feminismus.

Anläßlich der Ausstellung erscheint eine erweiterte Neuveröffentlichung der 1983 bei Routledge erschienenen und heute vergriffenen Publikation "Post-Partum Dokument". Neben der englischen Ausgabe (co-verlegt mit University of California Press, Los Angeles) erscheint erstmalig auch eine deutsche Fassung (co-verlegt mit dem Verlag Silke Schreiber, München). Eine weitere Publikation wird u.a. die Beiträge der Konferenz veröffentlichen und erscheint im November 1998.

Ausstellung kuratiert von: Sabine Breitwieser Archivsektion: Juli Carson Ausstellungsproduktion, wissenschaftliche Mitarbeit: Hemma Schmutz Gestaltung der Printmedien der Ausstellung: Dorit Margreiter

Vorträge zur Konzeption, zum Kontext und zur historischen und aktuellen Rezeption von "Post-Partum Dokument" (in englischer Sprache) Freitag, 25. September 1998, 14 bis ca. 18 Uhr

Griselda Pollock , Mary Kelly, Juli Carson, Isabelle Graw

Mary Kelly führt durch ihre Ausstellung Sonntag, 27. September 1998, 15 Uhr

Ausstellungsgespräche

Donnerstag, 22. Oktober 1998, 19 Uhr
Marlene Streeruwitz, Autorin, Regisseurin

Donnerstag, 5. November 1998, 19 Uhr
Dr. August Ruhs, Psychiater und Psychoanalytiker

Donnerstag, 26. November 1998, 19 Uhr
Dr. Eva Kreisky, Politikwissenschaftlerin

Donnerstag, 10. Dezember 1998, 19 Uhr
Dr. Elisabeth Schlebrügge, Psychoanalytikerin, Autorin

Führungen jeden Sonntag, 15 Uhr
Sonntag, 22. November 1998, 15 Uhr
Spezialtermin für Eltern und Kinder (ab 5 Jahre)

Studienraum (Archiv, Bibliothek, Videothek)

Ein Archiv zu Mary Kelly, das in Zusammenhang mit dem Projekt aufgebaut wurde, ist frei zugänglich.
Di 14-18, Mi 10-14, Do 14-20 Uhr, found.studienraum@generali.at

Ausstellungszeiten Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa, So, feiertags 11-16 Uhr, Montag, 26.10. geöffnet

Pressestelle: Claudia Kofler, DW 24

Die Generali Foundation ist der Kunstverein der Generali Gruppe mit Sitz in Wien und hat sich die Förderung zeitgenössischer Kunst zum Ziel gesetzt. Mitglieder sind die Generali Holding Vienna AG, Generali Versicherung AG und Generali Rückversicherung AG

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Tel.: (01) 504 98 80
Fax: (01) 504 98 83

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