Fischler reagiert auf Bauernproteste

Wien (OTS) - Am Rande des informellen Rates der EU-Landwirtschaftsminister in St. Wolfgang nahm Agrarkommissar Franz Fischler zur Kritik verschiedener Bauernverbände an der Agenda 2000 Stellung:

"Ich kann die Unruhe der Bauern verstehen, wenn ihnen jeden Tag erzählt wird, daß ihnen der Fischler 20% ihres Einkommens wegnehmen wird Im Oktober werden wir wissenschaftliche Studien präsentieren, die belegen, daß diese Berechnungen genausowenig stimmen wie die Berechnungen der Bauernverbände bei der Agrarreform 1992. Damals war von 16% Einkommensverlusten die Rede. Heute wissen wir, daß die Einkommensentwicklung in der EU positiv war. Die Berechnungen der Bauernverbände gehen von einem statischen Katastrophenszenario aus, das weder Kosteneinsparungen, noch die neuen Spielräume bei der Bergbauernförderung, noch die neue ländliche Entwicklungspolitik berücksichtigt und fälschlicherweise behauptet, daß wir in Europa nur zu Interventionspreisen produzieren."

Der Kommissar wies aber auch darauf hin, daß es bei einer Reform zwar Gewinner und Verlierer geben werde, die Agenda jedoch nicht zu generellen Einkommensreduktionen führte: "Es werden jene Bauern gewinnen, die unternehmerisch denken und die neuen Chancen auch nutzen. Es ist doch auffällig, daß die EU gerade in offeneren Sektoren wie dem Wein international erfolgreich ist."

Wer die Orientierung der Agrarpolitik an den internationalen Märkten kritisiere, verschließe die Augen vor der Realität: Die EU sei schon jetzt der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt. Die WTO sei eine Tatsache, genauso wie die sich daraus ergebenden Verpflichtungen. Ende 1999 beginne eine neue Welthandelsrunde, deren Hauptthema die Landwirtschaft sein werde. "Wenn wir da wie bei der Uruguay-Runde keine Position haben, haben wir schon verloren, bevor die Verhandlungen überhaupt angefangen haben.", so Fischler weiter.

Es gibt zwei alternative Ansätze für die Agrarpolitik: Die Kommission schlägt vor, die Preisgarantien zu reduzieren, damit wir mehr Agrarprodukte verkaufen können, statt sie auf Interventionslager zu legen. Die Bauernvertreter setzten laut Fischler auf eine europäische Abschottungspolitik: "Die Konsequenz daraus ist, aber fatal: Die WTO-Verpflichtungen lassen immer weniger Raum für subventionierte Exporte, die hohen Preise hemmen den Konsum von Agrarprodukten innerhalb der EU, also bleibt nur die Möglichkeit, entweder die Überschüsse um teures Geld zu vernichten - dabei werden aber die Steuerzahler und die Verbraucher nicht mitspielen - oder den Bauern radikale Produktionsbeschränkungen aufzuzwingen: Ich möchte den Agrarpolitiker sehen, der den Bauern erklärt, daß sie ein Viertel ihrer Äcker brach liegen lassen müssen, während sich andere die Märkte unter sich aufteilen.", sagte Fischler.

So unerfreulich die Rußland- und Asienkrise auch sei, Agrarpolitik müsse langfristig angelegt sein und dürfe nicht mit Konjunkturpolitik in einen Topf geworfen werden. Die Chancen für die europäischen Bauern auf den internationalen Märkten blieben aufrecht und an der Notwendigkeit, die europäischen Agrarerzeugnisse wettbewerbsfähiger zu machen, habe sich nichts geändert.

Selbst im Worst Case Szenario einer weltweiten Rezession mit fallenden Preisen wären die Bauern mit der Agenda 2000 besser dran als mit dem jetzigen System, weil sie in Zukunft mehr preisunabhängige und krisensicherere Direktzahlungen bekommen.

Kommissar Fischler dazu: "Es ist ja schon interessant, daß genau jene, die noch gestern die Marktanalysen der Kommission als zu pessimistisch kritisiert haben, weil sich angeblich die Weltmarktpreise viel günstiger entwickeln würden und deshalb keine Preissenkungen notwendig seien, heute die sinkenden Preise als Argument verwenden, um die Reform zu hintertreiben. Die internationalen Krisen bestätigen die Richtigkeit des vorsichtigen Ansatzes der Kommission und damit die Notwendigkeit für weitere Reformen."

"Wenn Bauernvetreter fordern, daß die GAP auch die höheren Umwelt-und Tierschutzstandards einbeziehen soll, dann kann ich nur auf die Agenda 2000 verweisen, wo dem Umweltgedanken durch erhöhte Ausgleichszahlungen, aufgestockte Agrar-Umweltprogramme oder eine ausgebaute Extensivierungsprämie Rechnung getragen wird. Die Reduktion der Überschüsse hat zudem den erfreulichen Effekt, daß die umstrittene Herodesprämie abgeschafft werden kann.", schloß Fischler.

Rückfragen & Kontakt:

Verbindungsbüro von EU-Kommissar
Dr. Franz Fischler

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EUF/OTS