Dirnberger: 50% der Arztbesuche bei Befindlichkeitsstörungen durch Selbstmedikation einzusparen

Sogar sterile Wundverbände in Österreich rezeptpflichtig

Wien (OTS) - Wie weit in Österreich der Zwang zum Arzt zu pilgern, geht, zeige, so AK-Vizepräsident Alfred Dirnberger (ÖAAB), daß selbst sterile Wundverbände, wie man sie für Abschürfungen z.B. beim Fußballspielen brauchen kann, seit zwei Jahren rezeptpflichtig sind. "Eine für die Ärzte einträgliche, für das Gesundheitssystem teure Entmündigung der Patienten", erklärte Dirnberger anläßlich der morgen stattfindenden IGEPHA-Fachtagung zum Thema Selbstmedikation. Enorme Einsparungspotentiale für die Krankenkassen stünden in Österreich durch eine Reduzierung der Rezeptpflicht auf europäisches Niveau zur Verfügung.

Widerstand der Ärztekammer entmündigt Patienten

Der Widerstand der Ärztekammer habe bisher, so Dirnberger, die Gesundheitsministerin abgehalten, die Rezeptpflicht der Medikamente an das europäische Niveau heranzuführen. Dirnberger: "Die erste Adresse für Einsparungsvorschläge sind daher nicht die Patienten im Wege von Selbstbehalten und erhöhten Rezeptgebühren, sondern ist die Gesundheitsministerin. Bekanntlich ist in Österreich derzeit nur ein Anteil von etwa 10% der nach dem Arzneimittelgesetz zugelassenen Medikamente rezeptfrei "over the counter" erhältlich, in Deutschland etwa liegt dieser Anteil bei 43%."

Dirnberger kritisiert die mangelnde Initiative der Gesundheitsministerin insbesonders, da eine verantwortungsvolle Ausweitung der Rezeptfreiheit in Österreich auf europäisches Niveau eine Reihe von Vorteilen brächte:

1. Die Budgets der Krankenversicherung würden um bis zu 3,5 Mrd. entlastet.
2. Den Patienten bliebe in vielen Bagatellfällen der Weg zum Arzt erspart.
3. Den Ärzten bliebe statt überfüllter Wartezimmer mehr Zeit für die Behandlung von Patienten mit tatsächlich ernsten Erkrankungen.

FPÖ-Gesundheitssprecher Pumberger mischt bei Entmündigung der Patienten mit

Scharf zurück wies Dirnberger die jüngsten Aussagen von FPÖ-Gesundheitssprecher Dr. Alois Pumberger, der für die Interessen der Ärztekammer Front machte und den Patienten unterstellte, "daß sie die Selbstmedikation nicht abschätzen könnten". Dirnberger: "Eine vernünftige Selbstmedikation stärkt das Gesundheitsbewußtsein der Menschen und bietet den Patienten weiterhin die Wahlfreiheit, entweder den Arzt aufzusuchen oder in vielen Fällen direkt die Beratung der Apotheker in Anspruch zu nehmen". Die Bremser in der Rezeptpflichtkommission dürfen nicht weiter ihre Sonderinteressen den Patienten und den Krankenkassen aufzwingen, fordert Dirnberger die Gesundheitsministerin zum Handeln auf.

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Ak-Vizepräsident A. Dirnberger

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