NEWS berichtet in seiner kommenden Ausgabe 38/98 (17.9.98):

Wien (OTS) - Vorausmeldung zu NEWS 38/98

* Dramatische Entwicklung bei der Aufklärung der Rolle der Creditanstalt im Dritten Reich:

* NEWS veröffentlicht morgen bisher verschollen geglaubte Protokolle der CA-Aufsichtsratssitzungen von 1938 und 1939

* Die CA-internen Protokolle belegen eindeutig: Bank spielte führende Rolle bei der Arisierung jüdischen Vermögens

* Allein bei Arisierung des Traditionskaufhauses Gerngross machte die Creditanstalt 42 Millionen Schilling Profit

Die Diskussion über die Rolle der Creditanstalt bei der Arisierung jüdischen Vermögens im Dritten Reich nimmt morgen eine neue, dramatische Wende. Reporter des Nachrichtenmagazins NEWS sind Anfang dieser Woche in den Besitz der bisher verschollen geglaubten Protokolle der Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen der Creditanstalt aus den Jahren 1938 und 1939 gekommen. Zahlreiche Auszüge aus diesen Protokollen werden in der morgigen Ausgabe von NEWS veröffentlicht. NEWS fand die Protokolle aufgrund eines Hinweises eines deutschen Historikers im Österreichischen Staatsarchiv.

Die morgen in NEWS veröffentlichten Protokolle der Ausichtsrats-und Vorstandssitzungen der Creditanstalt belegen eindeutig, daß die CA bei der Arisierung jüdischen Vermögens in Österreich eine deutlich größere Rolle gespielt hat als bisher angenommen. Fast alle offiziellen Sitzungsprotokolle der Creditanstalt aus den Jahren 1938 und 1939 befassen sich in mehreren Tagesordnungspunkten ausführlich und explizit mit Arisierungsfällen. Allein in den morgen in NEWS veröffentlichten Protokollen wird die Arisierung von mehr als einem Dutzend jüdischer Großunternehmen via Creditanstalt im Detail beschrieben.

NEWS veröffentlicht unter anderem die Arisierungs-Akten des Wiener Traditionskaufhauses Gerngross, laut Bericht vom 29. April 1938, in dem der CA-Vorstand mitteilt: "Nach dem Umbruch haben sich zufolge des bisher jüdischen Charakters dieser Firma Schwierigkeiten im Verkauf ergeben. Die CA werde Gerngross in andere arische Hände überleiten".

Die CA kaufte von den jüdischen Gerngross-Eigentümern 124.909 Aktien zum Preis von 25 Schilling je Aktie (umgerechnet 16,60 Reichsmark). Ein Jahr später - im Protokoll vom 1. April 1939 -berichtet der CA-Vorstandsdirektor, daß die Gerngross-Aktien nunmehr zum Preis von 20 Reichsmark an arische Eigentümer weiterverkauft wurden. Allein am Weiterverkauf von den jüdischen zu den arischen Eigentümern verdiente die CA somit 5 Schilling oder 3,30 Reichsmark pro einzelner Aktie. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet hat die Creditanstalt somit an der Gerngross-Arisierung über 42 Millionen Schilling Gewinn erzielt.

In den NEWS vorliegenden Protokollen ist der Weiterverkauf von Gerngross nur eine von vielen Arisierungen, die die CA durchgeführt hat. Immer wieder gibt es in den Protokollen Tagesordnungspunkte, die sich "mit der Überleitung von jüdischen in arischen Besitz" beschäftigen. Die Vorgangsweise ist immer gleich:

Die Creditanstalt kauft den jüdischen Vorbesitzern die Aktien zu einem günstigen Preis ab, verkauft sie einige Zeit später zu einem deutliche höheren Preis an neue arische Eigentümer.

Überraschend an den morgen in NEWS veröffentlichten CA-Protokollen ist auch der Zeitpunkt der Arisierung. Die CA begann mit der finanziellen Durchführung von Arisierungen bereits im April 1938, also zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht im Besitz der Deutschen Bank war. Die Deutsche Bank erwarb erst im Dezember 1938 eine Minderheitsbeteiligung und wurde erst 1942 Mehrheitseigentümer der Creditanstalt.

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