Vor Bernhard-Premiere im Akademietheater: Autorenproteste gegen Aufhebung des Testaments

Wien (OTS) - Vor der Premiere dreier Bernhard-Dramolette (30. September, Akademietheater) protestieren in der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS namhafte Autoren gegen die Außerkraftsetzung des von Bernhard verfügten Aufführungsverbots in Österreich. Unter ihnen befinden sich auch Autoren, die am Burgtheater gespielt werden. Besonder heftig ist die Kritik an der Stiftung.

+ Peter Turrini: "Mir kommt die Aufhebung zu diesem Zeitpunkt wie Grabschändung vor. Nach 20 Jahren verblaßt vielleicht der Wille eines Dichters, aber jetzt ist es zu früh. Und es ist besonders falsch, daß jemand wie Bernhard, der sich jede Staatsnähe radikal verbeten hat, über eine staatliche Konstruktion quasi eingemeindet wird".

+ Elfriede Jelinek: "Ich finde es skandalös, wie sein Testament umgangen wird. Peymann gönne ich, daß er Bernhard wieder spielen darf, aber freundlich finde ich sein Vorgehen trotzdem nicht. Schlimm ist auch, daß eine Kamarille entscheidet, wer Bernhard spielen darf. Man wird falsche Werktreue erzwingen, lebendiges Theater wird damit totgetreten. Er wollte mit dem Finger auf das Land zeigen, und ausgerechnet dieses Land nivelliert jetzt alles".

+ Gerhard Roth: "Wenn sich ein Autor von einem Land derart verletzt fühlt, daß er zum letzten Mittel des Aufführungsverbots greift, hat man das zu respektieren. Daß ihn Peymann spielen will, ist verständlich, aber deshalb nicht weniger falsch".

+ Besonders scharf äußert sich der spanische Literaturwissenschafter und Bestseller-Autor Javier Marias ("Mein Herz so weiß"), der das Werk Bernhards in Spanien durchgesetzt hat:
"Die Menschen, denen er vertraut hat, verraten ihn, wenn er gestorben ist. Ich finde diese offenbar rein kommerzielle Haltung verächtlich und jämmerlich!

Rückfragen & Kontakt:

News Chefredaktion

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS