WWF KRITISIERT GOLFPLATZ AN DER SCHWEMM: GEHEN TATSACHEN VOR RECHT?

Golfbetrieb am wertvollem Moor geht weiter - morgen fällt erste Entscheidung in der "Golfgruppe" - Tiroler Naturschutz steht auf dem Spiel!

Wien (OTS) - Trotz behördlicher Weisung, den Golfbetrieb einzustellen und das Gebiet wieder in den früheren Zustand zu versetzen, drehen die Spieler am umstrittenen Golfplatz in der wertvollen Pufferzone des Tiroler Moores "Schwemm" weiter ihre Runden. "Ein Skandal! Genügt es in Tirol, Tatsachen zu schaffen, um das Gesetz zu umgehen?" zeigt sich DI Andreas Baumüller, Landesleiter des WWF Tirol (World Wide Fund For Nature) entrüstet. Kompetente Schützenhilfe erhält die Naturschutzorganisation von Landesumweltanwalt DI Sigbert Riccabona: "Wenn jemand, der mehrfach das Gesetz verletzt, auch noch mit einer Bewilligung belohnt würde, gerät der Tiroler Naturschutz zur Farce." Die erste Entscheidung über die Bewilligung des Platzes fällt in der morgigen Verhandlung der "Golfgruppe" der Tiroler Landesregierung.

WWF-Augenschein in der Schwemm: Kleine Bälle fliegen durch die Bilderbuchlandschaft, sportliche Mittfünfziger drehen langsame Runden. Um öS 30.000.- Beitrittsgebühr und öS 7.500.- Jahresbeitrag ist man dabei, für Dezember wird ein Pro-Shop und ein neues Clubhaus versprochen. Und doch behauptet der Besitzer, es gebe hier keinen Golfplatz!

Der Grund: Der Platz wurde ohne Genehmigung in Betrieb genommen und bedroht ein Feuchtgebiet von europäischer Bedeutung. Ein Teil im österreichischen Netz des Lebens, das der WWF in seiner großen Gebietsschutzkampagne für die Zukunft erhalten will. Nachdem der WWF diesen Naturschutzskandal vor einigen Wochen aufdeckte, wurde der Spielbetrieb behördlich untersagt. Der Betreiber soll den ursprünglichen Zustand wieder herstellen - und ging in Berufung. "Spieler, Millimeterrasen, Löcher, ein teurer Club und offizielle Golf-Prüfungen: Man braucht keine juristische Ausbildung, um hier einen Golfplatz zu erkennen!" weist DI Andreas Baumüller vom WWF Tirol auf die Absurdität dieser Diskussion hin. "Hier verdient jemand ohne Bewilligung Geld auf Kosten der Natur!"

Landesumweltanwalt: Sofortiger Stopp für den Golfplatz Schwemm!

Morgen, 16. September, fällt in der Golfgruppe der Tiroler Landesregierung die erste Entscheidung über die Zukunft des wertvollsten Tiroler Moores. Der illegale Golfplatz ist auf landwirtschaftlich wertvollem Boden angelegt - eigentlich ein Ausschlußkriterium für die Bewilligung. Doch DI Sigbert Riccabona, Umweltanwalt und Mitglied der Golfgruppe, ist skeptisch: "Trotz eindeutiger negativer Naturschutzgutachten und vehementem Widerstand sind in letzter Zeit zwei Tiroler Golfplätze, in Kitzbühel und in Lavant / Osttirol, aus "ökonomischen Gründen" genehmigt worden. Diese Vorgangsweise darf sich an der Schwemm nicht fortsetzen - das ist eine Tabufläche!"

Ein Moor ist kein Käfig

Die lebenswichtigen Pufferzonen der Schwemm werden durch den Spielbetrieb stark beeinträchtigt. Besonders kritisch ist laut WWF die Situation für Amphibien, in Österreich auf der Roten Liste: Der Golfplatz durchschneidet die Wanderroute von Wasser- und Grasfröschen in den angrenzenden Wald, in dem sie die Sommermonate verbringen. "International ist eine ausreichende Pufferzone um Feuchtgebiete üblich, die auf die lokalen Besonderheiten abgestimmt ist. Dazu gehört in der Schwemm auch das Gelände des Golfplatzes", erklärt DI Andreas Baumüller vom WWF Tirol.

Glaubwürdigkeit des Tiroler Naturschutzes steht auf dem Spiel

"Eine positive Bewertung dieses Golfplatzes wäre eine Provokation der EU-weiten Bemühungen um den besonderen Schutz der Feuchtgebiete," warnt DI Andreas Baumüller. Selbst Landesrat Konrad Streiter, zuständig für Raumordnung und die Bewilligung von Golfplätzen, bestimmt in seinem Vorwort zum Golfplatzkonzept 1997: "Auf die Forderung des Naturschutzes nach Erhalt von Feuchtgebieten muß besonderes Rücksicht genommen werden." DI Andreas Baumüller spielt den Ball zum Naturschutzlandesrat: "Wir erwarten Taten statt Worte, Herr Landesrat Astl! Der WWF fordert eine sofortige Einstellung des Golfbetriebes und die Renaturierung der wertvollen Pufferzone. Die Schwemm muß sofort als Natura-2000-Gebiet gemeldet werden, damit dieser einmalige Lebensraum ein für alle Mal vor finanziellen Interessen geschützt ist!"

Das Moor "Die Schwemm" ist eines von 190 Gebieten, das zur Erhaltung von 2/3 der Biodiversität in Österreich geschützt werden muß. Als Teil der internationalen Living Planet Campaign setzt sich der WWF Österreich mit der Kampagne "Netz des Lebens" für die Erhaltung dieser Gebiete ein.

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