Bartenstein: Wahlfreieit und Vereinbarkeit Familie-Beruf hängen zusammen

Sozialleistungen und Familienleistungen streng auseinanderhalten

Wien (OTS) - "Wahlfreiheit und die Vereinbarkeit von Familie
mit dem Beruf hängen zusammen. Wir brauchen Freiheit in der Wahl der Kinderbetreuung, in der auf die Betreuungsbedürfnisse abgestimmten Arbeitsform und in der Wahl von Aus-, Ein- oder Wiedereinstieg in den Beruf. Der Wert eines funktionierenden Familienlebens für die Arbeitswelt muß verstärkt sichtbar gemacht werden, ohne die Erfordernisse des Arbeitsmarktes aus dem Auge zu verlieren." Das erklärte Familienminister Dr. Martin Bartenstein heute, Dienstag, bei der vom Familienministerium veranstalteten internationalen Konferenz "Strategie für Europa - Vereinbarkeit
von Familie und Beruf" in Wien.

In diesem Zusammenhang bekräftigte Bartenstein seine Forderung nach Einführung Karenzgeldes für alle Mütter. Diese Maßnahme habe den Vorteil, daß während der Kinderphase der Kontakt mit dem Arbeitgeber aufrecht bleiben könne und kein Erwerbsverbot ausgesprochen werde. Nicht zufrieden ist Bartenstein mit der Tatsache, daß in Wirtschaft und Gesellschaft nach wie vor großes Unverständnis und Unbehagen herrsche, wenn ein Vater sich für eine Karenz entscheide. Das müsse sich ändern.

Die Sicherung von Budgetmitteln für familienpolitische Initiativen und der Anerkennung der Familienpolitik als Querschnittsmaterie - das sind für Bartenstein zwei Strategien für eine europäische Familienpolitik. Außerdem sollen der internationale Erfahrungsaustausch über das Familien-Audit - eine Bewertung der Familienfreundlichkeit eines Betriebs - forciert und die aus dem Jahr 1989 stammende Mitteilung der EU-Kommission über die Familienpolitik aktualisiert werden. Die familienpolitische Verantwortung solle aber weiterhin in den Händen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten verbleiben.

Bei der Kinderbetreuung in Österreich ortet Bartenstein vor allem Defizite für Kinder unter drei Jahren und für Kinder im schulpflichtigen Alter, die eine Nachmittagsbetreuung brauchen.
Bei den Vier- bis Sechsjährigen habe Österreich die Vollversorgung erreicht. Zum Abbau der bestehenden Defizite sollen weitere 600 Millionen Schilling beitragen, die der Bund zur Verfügung stellt und die von den Bundesländern verdoppelt werden. Speziell unterstützt werden sollen dabei Betriebskindergärten, die Nachmittagsbetreuung von Schülern und gemeindeübergreifende Projekte.

Wichtig sei die Qualität der Betreuung, die Rücksicht auf das Alter des Kindes und die optimale Ausstattung, unterstrich der Minister. Auch beim Familien-Audit für Betriebe sei die Kinderbetreuung ein wichtiges Kriterium. Die Modelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf müßten so vielfältig sein wie die Bedürfnisse der Kinder.

Die Wirtschaft forderte Bartenstein auf, familiäre Verpflichtungen der Mitarbeiter stärker zu berücksichtigen, auch zu ihrem eigenen Vorteil. "Immer mehr Menschen wünschen sich Arbeits-, Frei- und Familienzeiten nach ihren eigenen Lebensplänen", betonte der Minister. "Wir müssen uns fragen:
Welche sozialrechtlichen und ökonomischen Bedingungen sehen wir für Babypausen und Familienphasen vor? Welche Maßnahmen sind notwendig, um den Wiedereinstieg in den Beruf zu unterstützen?"

Beim neuen Arbeitszeit-Management seien Kreativität und Flexibilität gefragt. "Mobilzeit" dürfe aber nicht zum Bruch in der Beruflichen Karriere führen. Daß die familienbedingte Verringerung der Arbeitszeit zu unattraktiven Arbeitszeiten mit geringen Aufstiegschancen führe, müsse vermieden werden. Auch für Führungskräfte solle qualifizierte Mobilzeit möglich sein. Die Vorteile einer familienfreundlichen Personalpolitik seien durch immer mehr Beispiele in Betrieben belegt, sagte Bartenstein. Die
EU könnte als Drehscheibe für einen entsprechenden Informationsaustausch fungieren.

Bartenstein beharrte darauf, Sozialleistungen und Familienleistungen streng auseinanderzuhalten. "Die Sozialpolitik soll gezielt Familien helfen, die von Armut und sozialer
Ausgrenzung bedroht sind. Die Familienpolitik soll
familienbedingte Nachteile ausbalancieren, um einen fairen
Ausgleich zwischen Menschen mit und ohne Kindern zu bewerkstelligen."

Die Gesellschaft dürfe sich nicht der Ressource Familie bedienen, ohne ihre Leistungen ideell und materiell anzuerkennen. Sonst drohe eine "strukturelle Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft", zitierte Bartenstein den deutschen Soziologen Franz Xaver Kaufmann. "Wir investieren in Familie, weil wir ohne ihre funktionierenden Strukturen in einen unfinanzierbaren Polizei- und Therapiestaat schlittern würden."

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