Sallmutter gegen einseitige Dienstnehmer-Belastung

Wien (OTS) - "Der von der Industrie geforderte Ausbau der Selbstbehalte wäre theoretisch nur parallel mit einer einseitigen Reduktion der Dienstnehmerbeiträge zur sozialen
Krankenversicherung realisierbar"; meint Hans Sallmutter,
Präsident des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger zu einer heutigen Aussendung der Industriellenvereinigung. Die österreichische, soziale Krankenversicherung wird paritätisch finanziert, also zu gleichen Teilen aus Beiträgen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber
gespeist. Die Forderung der Industriellenvereinigung liefe auf
eine einseitige Belastung der Dienstnehmer hinaus und würde die Parität des Beitragsaufkommens aufheben. "Es ist zwar verständlich, daß die Industriellenvereinigung als Interessenvertretung für Begünstigungen ihrer Klientel eintritt. Ich lehne einen Ausbau der Selbstbehalte, der keinesfalls einen Schritt zu mehr Selbstverantwortung darstellt entschieden ab", bekräftigt Sallmutter.

"Die Chipcard darf keinesfalls als trojanisches Pferd für einen Ausbau der Selbstbehalte für die Dienstnehmer mißbraucht werden", so Sallmutter. Vielmehr werde die Frau Bundesministerin Lore Hostasch in einem Entschließungsantrag des österreichischen Parlaments von Februar 1997 ausdrücklich ersucht, die Voraussetzungen zu schaffen, welche die Einführung eines Chipkartensystems und die Abschaffung der Krankenscheine samt Krankenscheingebühr ermöglichen.

Der Gesundheitsmarkt ist ein besonders sensibler Markt, in dem
nicht der Konsument, sondern der Arzt die Nachfrage formuliert.
"Der Steuerungseffekt des Selbstbehaltes beschränkt sich auf Erstinanspruchnahmen, also die Frage - geht ein Patient zum Arzt oder nicht", so Sallmutter. Die Frage eines Arztbesuches dürfe jedoch keinesfalls unter finanziellen Prämissen getroffen werden. "Sobald sich ein Patient in der Arztpraxis befindet, wird die Nachfrage ohnehin vom Arzt gesteuert, der verordnet, was zur Krankenbehandlung notwendig ist", meint Sallmutter. "Die von der Industriellenvereinigung geforderte ´Krankensteuer´ sieht mir sehr nach einem neuerlichen Belastungsversuch der Kinderreichen, Armen und Kranken im Lande aus", schließt Sallmutter. Die Frage der Finanzierung der österreichischen sozialen Krankenversicherung dürfe keinesfalls mit einer einseitigen Mehrbelastung der Dienstnehmer einhergehen.

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