Wirtschaft befürwortet Diskussion zu "Baccalaureat"

Neuer akademischer Abschluß als Lösungsansatz für Drop-out-Problem und Massenuniversität

Wien (PWK) - Verkürzte Erststudien bieten die Chance, das Drop-out-Problem, aber auch die "Massenuniversität" in den Griff zu bekommen. Seitens der Wirtschaftskammer wird die Diskussion über einen neuen akademischen Abschluß (Baccalaureat) begrüßt. "Unter der Voraussetzung einer entsprechenden Studienplangestaltung könnte ein Baccalaureat tatsächlich Vorteile bringen", meint Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Wesentlich dabei wäre, daß es sich tatsächlich um Kurzstudien (drei Jahre) handelt, Berufsfähigkeit vermittelt wird und die Chance besteht, aufgrund nachgewiesener Eignung das Studium in Richtung Magisterium und Doktorat fortzusetzen. Der europäische Trend zu Kurzstudien ist bestenfalls Anlaß, nicht jedoch das Motiv für eine weitergehende Differenzierung bei Hochschulabschlüssen. Die Entwicklung unserer Hochschulen zu Massenuniversitäten hat nämlich bei vielen Studienrichtungen bereits zu einer Entwertung der Universitätsdiplome am Arbeitsmarkt geführt. In der universitären Lehre müssen daher weitergehende Möglichkeiten der Qualitätssicherung vorgesehen werden, die unter anderem auf eine verstärkte Selektion der Studierenden abzielen.

Wie Piskaty feststellt, droht andernfalls tatsächlich die Gefahr, daß sich das Niveau akademischer Abschlüsse mehr an der Studierfähigkeit der Hörermassen, als an den Erfordernissen der zukünftigen Arbeitswelt orientiert. Die Idee eines akademischen Abschlusses "unterhalb" des Magisters oder Diploms ist auch in Österreich nicht neu. Schon vor etwa zehn Jahren wurde das Baccalaureat diskutiert, um vor allem dem Problem des Studienabbruchs zu begegnen. Die Wirtschaft weist darauf hin, daß interessanterweise das Problem der akademischen "Drop-Outs" (etwa 50 Prozent aller Studienanfänger) am Arbeitsmarkt nicht besteht. Das ist aber ein Indiz dafür, daß Studierende nach einigen Semestern jene Berufsfähigkeit schon derzeit (ohne Abschluß) erlangen, die den Eintritt in den Arbeitsmarkt ermöglicht.

Um so zweckmäßiger könnte ein formalisierter (Zwischen)Abschluß sein. Die Wirtschaft sieht aber auch die Chance, mit einem breit angelegten und dem freien Universitätszugang unterliegenden "Baccalaureat" eine Qualitätssteigerung im Bereich des Magisteriums und der Doktoratsstudien zu sichern. Das Argument, daß es derzeit keine nachvollziehbare Voraussetzung für die Zulassung zu einem Aufbaustudium in Richtung Magisterium und Doktorat gibt (numerus clausus), fällt dann wohl weg. Tatsächlich sollten nur jene Studierenden mit Baccalaureat zu weiteren Studien zugelassen werden, die einen überdurchschnittlichen Studienerfolg aufweisen.

Rückfragen & Kontakt:

BW-Abteilung
Tel.: 50105/4072

Dr. Georg Piskaty

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK