Korosec: Eine Diebstour mit Folgen

Volksanwältin fordert erneut Prüfbefugnis für ausgegliederte Rechtsträger

Wien (OTS) - Stellen Sie sich vor, Sie werden bestohlen. Durch Zufall kommen Sie eines schönen Tages beim Dorotheum vorbei. Und sehen dort in der Auslage Ihren Schmuck liegen. Doch, anstatt
Ihnen Ihr Eigentum auszuhändigen, wird Ihnen mitgeteilt, daß Sie Ihr Hab und Gut zurückkaufen können. Zuvor wäre allerdings noch die Verwahrungsgebühr zu zahlen. Würden Sie nicht auch die Richtigkeit dieser Vorgangsweise von einer unabhängigen Stelle überprüft wissen wollen? Eine Wienerin wollte es. Und hat sich vertrauensvoll an Volksanwältin Ingrid Korosec gewandt. ****

"Heiße Ware"

Was die Betroffene erlebt hat, ist wohl der Alptraum eines
jeden Wohnungsbesitzers. Mit vollen Taschen kam die alleinstehende Pensionistin vom Einkaufen heim. Und fand die Wohnungstür angelehnt. Eine dunkle Vorahnung beschlich sie; sie sollte sich schnell bestätigen. "Unangemeldeter Besuch" war da. Kästen waren aufgerissen, Laden durchwühlt. Gesucht wurde nach Schmuck und Bargeld. Besonders schmerzlich: Mitgehen lassen haben die Diebe
auch einen in Gold gefaßten Anhänger. Ein Erinnerungsstück an den verstorbenen Gatten.

Gut verhehlt

Doch die Einbrecher hatten Pech. Wenige Tage später wurden sie auf einem ihrer Beutezüge überrascht und dingfest gemacht. Dutzende einschlägige Delikte wurden ihnen zur Last gelegt, die
sie auch prompt gestanden. Die gestohlenen Pretiosen - so gaben
sie zu - wurden in einem Auktionshaus versetzt. Vorzugsweise beim Dorotheum in Wien.

Rückkauf erwünscht?

Was nun im weiteren für die betagte Frau mit großer Aufregung verbunden war, ist für Kriminalbeamte Routinearbeit. Im Wege einer polizeilichen Sperrverfügung wurde zunächst dafür Sorge getragen, daß die gestohlen gemeldeten Pfandsachen als "sichergestellt" gelten und bis zum Abschluß des Strafverfahrens unangetastet zu bleiben haben. Den Einbrechern aber wurde der Prozeß gemacht. Danach wurde die Wienerin zu einer - wie es in der Fachsprache heißt - "Agnoszierung" geladen. Gemeinsam mit einem Sicherheitswache-beamten spazierte sie zum Dorotheum. Die Freude
war groß, als sich dort unter dem Familienschmuck auch besagtes Erinnerungsstück wiederfand. Fassungslos allerdings war die Wienerin, als man ihr mitteilte, daß eine Auslösung erst nach Rückzahlung des Darlehens sowie der Pfänderzinsen und -gebühren gewährt werde.

Doch auch Volksanwältin Ingrid Korosec mußte der Frau nach Befassung der Dorotheum Auktions-, Versatz- und Bank Gesellschaft mbH und Auseinandersetzung mit der einschlägigen Rechtslage die Rechtsrichtigkeit der Auskunft bestätigen. Obwohl es gelang, ein Kulanzangebot zu erwirken, zeigt sich Ingrid Korosec dennoch nicht zufrieden.

Volksanwältin Korosec: "Im Interesse des Bürgers nicht lockerlassen !"

"Unbefriedigend ist die Rechtslage allemal. Denn auch wenn das Dorotheum prompt reagierte und alle gewünschten Informationen zur Verfügung stellte, mußte ich der Betroffenen von Anfang an klarmachen" - so Volksanwältin Korosec - "daß die Prüfbefugnis der Volksanwaltschaft nach wie vor nicht ausgegliederte Rechtsträger umfaßt. Mit derartigen Beschwerdefällen aber werde ich tagtäglich konfrontiert. Sie betreffen neben Post und Bahn, die Österreichischen Bundesforste, die Bundestheater, und in Wien nun bald auch die Stadtwerke". Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Ein Ende der Ausgliederungen ist nicht in Sicht. "In
all diesen Fällen gehört endlich ein Kontrollrecht der Volksanwaltschaft sichergestellt. Mein Appell richtet sich daher
an den Verfassungsgesetzgeber, hier klarstellend auf den Plan zu treten. Ich glaube nämlich nicht" - so Volksanwältin Ingrid Korosec abschließend -, "daß es gerechtfertigt ist, sich dem Anliegen des Bürgers auf Dauer zu verschließen. An einschlägigen Beschwerdefällen, die als Beleg ins Treffen geführt werden können, mangelt es jedenfalls nicht !"

Rückfragen & Kontakt:

VA Ingrid Korosec
Singerstraße 17
1015 Wien
Tel.: (01) 515 05/131

Volksanwaltschaft

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