WKÖ: Rund 3.000 Jugendliche kommen für Vorlehre in Frage

PWK - "Der Entwurf einer Richtlinie des AMS über die Vorlehre und Förderungen von Vorlehrverhältnissen gibt zur Hoffnung Anlaß, daß möglichst bald in Österreich Vorlehrverhältnisse abgeschlossen werden können. Vorlehrverhältnisse sind ein Angebot an leistungsschwächere Jugendliche, die Bildungsstoffe des ersten Lehrjahres eines Lehrberufes in zwei Lehrjahren erlernen und dabei von der Berufsschule unterstützt werden", erläutert Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich, die Situation aufgrund der Novelle des Berufsausbildungsgesetzes. ****

Der Gesetzgeber hat ganz bewußt Einschränkungen vorgesehen, um sicherzustellen, daß nur solche Jugendliche ein Vorlehrverhältnis beginnen, die nicht lehrvertragsreif sind bzw die am Lehrstellenmarkt kein Angebot vorfinden. Um die Frage zu beantworten, wie viele Jugendliche für eine Vorlehre zumindest in Frage kommen, hat das ibw-Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft eine Modell-Rechnung angestellt. In den Jahren 1991 und 1992 gab es zwischen Oktober und Dezember Lehrstellensuchende in beträchtlicher Zahl, obwohl diesen Lehrstellensuchenden ein Vielfaches an offenen Lehrstellen gegenüber stand. Die Vermutung liegt daher nahe, daß diese lehrstellensuchenden Jugendlichen trotz eines Überangebotes am Lehrstellenmarkt deshalb keine Lehrstellen fanden, weil sie schwerwiegende Vermittlungshindernisse aufwiesen, die eine Lehrlingsausbildung unmöglich machten.

Für ganz Österreich ist diese Zahl (gemittelt über die genannten Monate und die beiden Jahre) 2862. Im selben Zeitraum standen (ebenfalls gemittelt) diesen Jugendlichen nicht weniger als 12.265 offene Lehrstellenangebote gegenüber. Regional gesehen war die Situation unterschiedlich, wenngleich in jedem Bundesland ein beachtliches Überangebot an Lehrstellen zu verzeichnen war. Nur in Wien tendiert der Mittelwert zu einem gewissen Ausgleich. Die Zahlen der ibw-Berechnung sind deshalb so wichtig, weil sie Rückschlüsse auf jenen "Sockel" von Lehrstellensuchenden geben, der auf jeden Fall am Lehrstellenmarkt auftritt, für konventionelle Lehrverhältnisse nicht in Frage kommt und daher am ehesten über neuartige Qualifizierungsinstrumente wie eben die Vorlehre erfaßt wird.

Die ibw-Zahlen sind auch ein Indiz dafür, um wieviel in den jeweiligen Bundesländern die Zahl der Lehrstellensuchenden zu vermindern ist, wenn es darum geht, das Verhältnis von Lehrstellensuchenden und offenen Lehrstellen bei der Entscheidung über die Einführung von Maßnahmen des sogenannten Auffangnetzes (Lehrgänge und Stiftungen) zu beurteilen. Denn diese Jugendlichen sind jene statistische Größe, die auch bei besten Lehrstellenmarktverhältnissen für Ausbildungsplätze nicht in Frage kommen und um deren Zahl die Vormerkungen für einen Lehrplatz bereinigt werden müssen.

Der Sockel an Lehrstellensuchenden (Mittelwerte der Monate Oktober bis Dezember 1991 und 1992) ergibt nach Bundesländern folgendes Bild:

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Dr. Georg Piskaty

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