Doppelter Aderlaß am Semmering

ALLIANCE FOR NATURE und CIPRA Österreich legen neue Fakten und Forderungen zu den Großbauvorhaben am Semmering auf den Tisch

Wien (OTS) - Die ALLIANCE FOR NATURE fordert zum wiederholten Mal den sofortigen Baustopp und die politische Absage des Semmering-Basistunnels.

Denn mittlerweile sind rund 10 Milliarden Liter Wasser aus dem Sondierstollen abdrainagiert und dem natürlichen Wasserhaushalt am Semmering entzogen worden. Mit dieser Wassermenge hätte man rund 187.000 Personen ein Jahr lang mit Trinkwasser versorgen können. Trotz des immensen Wasserandranges und Wasserverlustes werden nach wie vor keine Abdichtungsmaßnahmen gesetzt, die geeignet sind, die nun schon seit zwei Jahren andauernde Absenkung des Bergwasserspiegels zu stoppen.

Trotz der Untersagung des SBT-Projektes durch die Naturschutzbehörde 2. Instanz und der diesbezüglichen Vefahren beim Verfassungsgerichtshof sieht aber das Verkehrsministerium keinen Anlaß, die Bauarbeiten am Sondierstollen zu stoppen. Damit werden öffentliche Geldmittel in Millionen- bzw. Milliardenhöhe verschwendet sowie weitere Milliarden Liter Wasser sinnlos dem natürlichen Wasserhaushalt entzogen, obwohl unklar ist, ob das SBT-Projekt überhaupt eine naturschutzrechtliche Genehmigung erhält.

Im Zuge der Diskussion um mögliche Rücknominierungen oder Flächenreduzierungen der niederösterreichischen Natura-2000-Gebiete wurde auch das Natura-2000-Gebiet "Nördliche Randalpen: Hohe Wand-Schneeberg-Rax" genannt. Hierbei vertritt die ALLIANCE FOR NATURE den Standpunkt, daß prinzipiell keine Rücknominierungen oder Flächenreduzierungen erfolgen sollen und daß insbesondere die Semmeringregion davon nicht tangiert werden darf.

Semmering-Schnellstraße: Farnleitner ignoriert Alpenkonvention "Der Wirtschaftsminister scheint nicht am Einhalten von Staatsverträgen interessiert zu sein!" Dies lege die Beantwortung einer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz nahe, so Reinhard Gschöpf, Sprecher von CIPRA

Österreich (Internationale Alpenschutzkommission). Die CIPRA verlangt hingegen ein Moratorium für den Weiterbau der S6 bis zum Vorliegen der nötigen Prüfung des Bauvorhabens anhand der verpflichtenden Alpenkonvention.

Dieser Staatsvertrag verpflichtet zum gesamthaften "Senken der Belastungen aus dem Verkehr auf ein für Mensch, Tier, Pflanze und deren Lebensräume erträgliches Maß". In nationalen und internationalen Verhandlungsrunden sind Verkehrs- und Umweltexperten übereingekommen, daß - neben anderen Straßenbauprojekten - auch der Weiterbau der S6 über den Semmering

* für die Alpenkonvention und ihre Verpflichtungen relevant ist und

* daß daher noch Bewertungen des Projektes nach der Alpenkonvention vorzunehmen sind.

"Das Wirtschaftsministerium war in die innerösterreichische Meinungsbildung voll eingebunden. Es sollte selbstverständlich sein, sich nun selbst an die Ergebnisse zu halten und verbindliche Gesetze zu respektieren", vermißt die CIPRA Handschlagsqualität. Die Auskunft des Wirtschaftsministeriums enthält darüber hinaus auch offenkundige sachliche Fehler: So wird die durch den Ausbau verstärkte Transitfunktion und Verkehrszunahme abgestritten.

CIPRA Österreich wird der Bezirkshauptmannschaft Neunkirchen, wo in den kommenden Wochen das Naturschutzverfahren zum S6-Ausbau abgeschlossen wird, die neuen Unterlagen zur Verfügung stellten. CIPRA Österreich fordert mit Nachdruck die Berücksichtigung der Alpenkonvention im Naturschutzverfahren und setzt dabei auf die Unterstützung durch die Spitzen der NÖ Landespolitik, die dem internationalen Naturschutzgedanken aufgeschlossen gegenüberstehen. Ebenso ist aber auch Umweltminister Bartenstein als zuständiges Regierungsmitglied gefordert, sich nachhaltig für die Berücksichtigung der in seinem Kompetenzbereich angesiedelten Alpenkonvention einzusetzen, so die CIPRA abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Alliance for Nature,
Tel. (01) 893 92 98
Mag. Reinhard GSCHÖPF,
CIPRA Österreich,
Tel. (01) 401 13 34

DI Christian SCHUHBÖCK,

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