Positive Tendenz am Lehrstellenmarkt trotz regionaler Probleme

Aktuelle WKÖ-Info für österreichische Betriebe: "Jetzt Lehrlinge ausbilden!"

PWK - "Jetzt Lehrlinge ausbilden!", heißt ein von der Wirtschaftskammerorganisation herausgegebener Folder, der sich an die österreichischen Betriebe richtet und die jüngsten Neuerungen am Lehrlingssektor (Förderungen, neue Lehrberufe, Gesetzesänderungen) darlegt. Die Herausgabe dieses Folders fällt mit den ersten Zahlen über eingelangte Lehrverträge per Ende August 1998 zusammen. Diese eingelangten Lehrverträge ergeben insgesamt - im Vergleich mit der Situation des Vorjahres - ein differenziertes, aber nicht negatives Bild. ****

Insgesamt sind knapp 34.000 Lehrverträge eingegangen, ein Minus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß heuer ein wesentlich schwächerer Geburtenjahrgang in die Lehre eintritt. Vergleicht man die Geburtenjahrgänge 1982 (94.840) und 1983 (90.118), so ergibt sich ein Minus von 5 Prozent bei der Zahl der Jugendlichen. Daher ist die leichte Verminderung der eingelangten Lehrverträge zunächst nicht dramatisch, sondern aus der demographischen Situation leicht erklärbar.

"Besonders hervorzuheben sind allerdings die regionalen Unterschiede", betont Alfred Duschanek, Leiter der Abteilung für Bildungspolitik und Wissenschaft der Wirtschaftskammer Österreich. "Während wir trotz dieser Geburtenjahrgangssituation in Niederösterreich, Kärnten und Vorarlberg auch absolute Zuwächse feststellen können, in Salzburg und Tirol ein Gleichbleiben, gibt es doch zum Teil beachtliche Verminderungen in Wien, Oberösterreich, Steiermark und dem Burgenland. Es handelt sich gerade um jene Bundesländer, die im Vorjahr die intensivste Lehrstellenförderung betrieben haben und auch mittels überbetrieblicher Ausbildungseinrichtungen versuchten, das Lehrstellenproblem zu lösen", stellt Duschanek fest.

"Die Gefahr, daß sich Betriebe an undifferenzierte Förderungen gewöhnen bzw daß ein Parallelsystem zur Lehrlingsausbildung aufgebaut wird, wurde von der Wirtschaftskammerorganisation immer wieder angesprochen und sollte heuer ganz besonders im Hinblick auf die Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Nationalen Aktionsplan für Beschäftigung (NAP) im Auge behalten werden", warnt Duschanek.

In diesem Zusammenhang weist Georg Piskaty, Leiter der Gruppe Bildungspolitik in der WKÖ, auf das Phänomen der ,Sockelarbeitslosigkeit" von lehrstellensuchenden Jugendlichen hin. Auch in den besten Jahren 1991 und 1992, in denen es einen großen Überhang an Lehrstellenangeboten gab, waren letztlich immer ca 3.000 Jugendliche zwischen Oktober und Dezember (Mittelwerte) lehrstellensuchend. "Dieser Sockel an Lehrstellensuchenden kann nur über neuartige Maßnahmen wie etwa die im Berufsausbildungsgesetz jüngst eingeführte Vorlehre abgebaut werden, da es sich offenbar um nicht lehrvertragsreife Jugendliche handelt", so Piskaty.

Die Wirtschaft erwartet daher, daß das AMS und die Länder raschest die Rahmenbedingungen für Vorlehrverhältnisse sichern und damit zum Abbau der Jugendbeschäftigungsprobleme gerade bei den Schwächsten beitragen. Unterstrichen werden muß auch, daß im Ausland die österreichische Initiative zur Einführung der Vorlehre - gekoppelt mit einem perfekten Anschlußangebot in Richtung Lehre - als eine vorbildliche bildungspolitische Tat hervorgehoben wurde. Die Wirtschaft fordert mit Recht die Erlassung der einschlägigen Ausführungsbestimmungen, insbesondere der für die Vorlehre erforderlichen AMS-Richtlinie.

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Dr. Georg Piskaty

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