- 28.08.1998, 10:33:55
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Gießerei-Industrie weiter auf Erfolgskurs
Die Gesamtproduktion konnte 1997 um 4,4 Prozent gesteigert werden - Fachverband senkt Grundumlage um 10 Prozent
Wien (PWK) - Die heimische Gießerei-Industrie ist dank der
boomenden Autoindustrie in Europa weiter auf Erfolgskurs. Die
Gesamtproduktion wuchs 1997 um 4,4 Prozent auf 252.913 Tonnen Guß,
wobei der Anstieg vor allem auf die hohe Zuwachsrate bei
Leichtmetallguß (+10 Prozent) zurückzuführen ist. Aber auch der
Eisenguß konnte dank einer Steigerung beim Sphäroguß (+5,9 Prozent)
insgesamt um zwei Prozent zulegen. Eine Renaissance und gleichzeitig
einen Höhenflug erlebt derzeit der Magnesiumguß, der im vergangenen
Jahr um 54,7 Prozent auf 2.484 Tonnen anstieg. Wie bereits beim
legendären "VW-Käfer" wird der Magnesiumguß vor allem im Motorenbau
wieder verstärkt eingesetzt, um das Gewicht der PKW im Hinblick auf
das "3-Liter-Auto" weiter zu reduzieren. ****
Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung der Firmen lag im
vergangenen Jahr bei 90 Prozent. Insbesondere die Hersteller von
Automobilguß produzierten bereits im 1. Quartal an der
Kapazitätsgrenze. Aber auch die Zulieferer an den Maschinenbau und
die Hersteller schienengebundener Fahrzeugkomponenten können mit dem
abgelaufenen Jahr zufrieden sein. Der Umsatz der gesamten Gießerei-
Industrie stieg um 14,4 Prozent auf 11,4 Mrd Schilling.
"Ursache für diese positive Umsatzentwicklung sind umfangreiche
Strukturänderungen innerhalb der Branche in Richtung Leichtbau,
erhöhtem Fertigbearbeitungsanteil bis hin zu einbaufertigen
Komponenten und Bauteilen", ist Michael Zimmermann, Vorsteher des
Fachverbandes der Gießerei-Industrie überzeugt. Seit 1994 hat sich
die Zahl der Beschäftigten bei rund 7.000 eingependelt. Der Umsatz
pro Beschäftigten ist jedoch weiter konstant gewachsen, was nicht auf
eine höhere Produktivität, sondern auf die erwähnten
Strukturänderungen zurückzuführen ist.
Während sich der Umsatz und die Produktion im vergangenen Jahr gut
entwickelt haben, ist die Ertragslage nach wie vor unbefriedigend.
"Dies liegt einerseits an dem enormen Preisdruck infolge der
fortschreitenden Internationalisierung, andererseits an den hohen
Arbeits-, Energie- und Umweltschutzkosten in Österreich", kritisiert
Zimmermann. Erfreulich ist hingegen, daß der Beschäftigtenabbau
weitgehend gestoppt werden konnte. Die Zahl der Beschäftigten liegt
mit 7.324 sogar wieder leicht über dem Vorjahresniveau.
Beschleunigt hat sich der Wandel in der Gießerei-Industrie vom
Hersteller einfacher Gußteile zum Produzenten bearbeitender
Komponenten oder komplexer Systeme. Im Werkstoffbereich besteht ein
unverminderter Trend zu Leichtbauwerkstoffen und hochfesten
Eisengußwerkstoffen. Dabei werden den Gießereien immer mehr
Dienstleistungsfunktionen übertragen, die von der Entwicklung von
Bauteilen über den Prototypenbau bis in den Logistikbereich reichen.
Um dabei Unternehmen externe Hilfestellungen bei neuen Technologien,
wie z.B. "Erstarrungssimulation" und "Rapid Prototyping", aber auch
in der Aus- und Weiterbildung zu sichern, hat sich der Fachverband
bemüht, die Zusammenarbeit mit der Gießereilehrkanzel der
Montanuniversität Leoben und des Österreichischen Gießerei-Institutes
zu stärken. Mit der Unterzeichnung eines langfristigen
Kooperationsvertrages zwischen der Montanuniversität Leoben und dem
Verein für praktische Gießereiforschung wurde die wissenschaftliche
Lehre und die praxisorientierte Forschung zusammengeführt, um eine
höchstmögliche Effizienz zu erreichen. "Ein Schritt, der sicherlich
dazu beiträgt, die Kompetenz und Wettbewerbsfähigkeit unserer
Gießereibetriebe zu verbessern", erklärte Zimmermann.
Weiters hat der Fachverband in seiner jüngsten Auschuss-Sitzung
beschlossen, die Grundumlage um 10 Prozent zu senken. Bereits bisher
wurden rund 40 Prozent des Fachverbands-Anteiles für Forschung und
Entwicklung eingesetzt. "Dies werde auch nach der Kürzung so
bleiben", betonte Zimmermann. Um bei den rasanten technologischen
Entwicklungen unserer Zeit mithalten zu können, müßten aber die
speziell auf Klein- und Mittelbetriebe orientierten kooperativen
Forschungsinstitute, so auch das österreichische Gießerei-Institut,
von der öffentlichen Hand wesentlich stärker unterstützt werden.
(Schluß) MH
Rückfragehinweis: Fachverband Giesserei-Industrie
Dipl.-Ing. Dr. Hansjörg Dichtl
Tel: 50105 DW 3476
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