Naturschutz in Niederösterreich: vom Vorbild zum Nachzügler? Panikreaktionen wegen Natura 2000 unangebracht

Wien (OTS) - "Rücknominierungen von bereits gemeldeten Natura-2000-Gebieten sind inakzeptabel und rechtswidrig. Die niederösterreichische Landesregierung droht sich zu blamieren", bezog Dr. Günther Lutschinger, Geschäftsführer des WWF Österreich (World Wide Fund For Nature), heute Stellung zu den jüngsten Diskussionen um Natura 2000 in Niederösterreich. Der WWF fordert die Nachnominierung von vier wichtigen Vogelgebieten und mehr Offenheit in der Diskussion um Natura 2000. Gewichtige Schützenhilfe erhielt die Naturschutzorganisation von Österreichs Natura-2000-Experten in Brüssel, Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr.

Das Netz des Lebens erhalten: Im Rahmen der weltweiten Living Planet Campaign hat sich der WWF Österreich zum Ziel gesetzt, zwei Drittel der österreichischen Biodiversität dauerhaft zu schützen. 190 Gebiete müssen dazu geschützt werden, 130 davon sind bereits in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 eingebracht worden. Niederösterreich galt bisher als Vorbild im Natura 2000 Prozeß: Von 23 Gebieten, die den wissenschaftlichen Kriterien für Natura 2000 entsprechen, wurden 19 gemeldet. Vier stehen noch auf der WWF-Schattenliste.

Blamiert sich Niederösterreich mit rechtswidrigen Rücknominierungen?

Nach der jüngsten Kritik an Natura 2000 von Seiten der Nutzer droht Landesrat Bauer "aus realpolitischen und finanziellen Gründen" mit der Rücknominierung bereits gemeldeter Natura-2000-Gebiete. Univ. Prof. Georg Grabherr, Experte im zuständige Gremium der EU-Kommission, stellt klar: "Erstens ist die Panik unter den Nutzern völlig unangebracht: Niemand denkt daran, intensiv genutzte Gebiete unter Schutz zu stellen oder die Jagd zu verbieten. Zweitens scheint Landesrat Bauer die europäische Rechtsprechung nicht zu kennen. Jedes der nominierten Gebiete entspricht den europäischen Naturschutz-Richtlinien, und für Natura 2000 Gebiete gelten ausschließlich wissenschaftliche Kriterien. Politisches und wirtschaftliches Kalkül hat bei der Ausweisung nichts zu suchen - das hat auch der Europäische Gerichtshof kürzlich klargestellt!"

Die großzügige Abgrenzung der Gebiete in Niederösterreich war der richtige Weg - Beweis genug sind die 148 Mio. Schilling an EU-Geldern, die in den letzten drei Jahren in den niederösterreichischen Naturschutz flossen und vor allem den Nutzern wie Bauern oder Fischern zugute kommen.

Vier Gebiete fehlen im Netz des Lebens!
Vier niederösterreichische Gebiete stehen noch auf der WWF-Schattenliste: Die Truppen-übungsplätze Allentsteig und Steinfeld als Brutgebiete von Wachtelkönig und Triel, das zentrale Marchfeld mit seinen Vorkommen an Großtrappen und die Streifenfluren im westlichen Waldviertel, Rückzugsgebiet des Raubwürgers, von dem nur mehr 10 bis 15 Paare in ganz Niederösterreich leben. "Diese vier Gebiete entsprechen der Vogelschutzrichtlinie der EU und müssen daher als Natura-2000-Gebiete genannt werden. Das ist keine Gefälligkeit, sondern ein gesetzliche Verpflichtung!", erklärt Univ. Prof. Dr. Georg Grabherr.

WWF fordert: Keine Abmachungen hinter verschlossenen Türen!
Der WWF stellt vier Forderungen an die niederösterreichische Landesregierung: Keine Rücknominierungen von Natura-2000-Gebieten Nachnominierung der vier Gebiete der WWF-Schattenliste Einbeziehung der maßgeblichen Interessensvertreter und der NGOs in die Arbeitsgruppe Natura 2000 und Einrichtung einer Koordinationsstelle, die für eine offene Informationspolitik sorgt.

Dr. Günther Lutschinger dazu: "Naturschutzpolitik geht uns alle an und darf nicht im stillen Kämmerlein abgemacht werden! Es macht in Brüssel kein gutes Bild, wenn Univ. Prof. Grabherr, der Österreichs Position vor der Kommission verteidigen soll, in die Entscheidungsprozesse in Niederösterreich nicht eingebunden ist."

"Wir werden die Entwicklung in Niederösterreich genau beobachten und die Europäische Kommission ständig informieren", beschreibt Dr. Günther Lutschinger die weitere Vorgangweise des WWF. "Im Notfall sind wir bereit, eine Beschwerde vor der EU-Kommission einzubringen. Aber wir sind zuversichtlich, daß das nicht nötig ist:
Niederösterreich hat den richtigen Weg eingeschlagen und darf jetzt nicht vom Vorbild zum Nachzügler werden!"

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