Wien (OTS) -"Finanzmarktstabilisierung - Herausforderung

an das Europäische System der Zentralbanken"

Das Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, Frau Dir. Dr. Tumpel-Gugerell, zuständig für das Ressort "Volkswirtschaft und Finanzmärkte" setzte sich in einem Referat
zum Thema "Finanzmarktstabilisierung - Herausforderung an das Europäische System der Zentralbanken" auseinander.

Prinzipiell - so Tumpel - könne auch ein dezentrales System
der Bankenaufsicht unter den Bedingungen der Währungsunion angemessen funktionieren. Allerdings müsse gewährleistet werden, daß die fortbestehenden Unterschiede in den Aufsichtsstandards nicht zu einem Gefälle in der Qualität der Aufsicht führen.
Ein solches Gefälle hätte bei der fortschreitenden Integration
der Finanzmärkte unmittelbare Auswirkungen auf die Solidität des gesamten europäischen Finanzmarktes.

Des weiteren komme der Effektivität der Beaufsichtigung europa-
und weltweit agierender Finanzkonzerne eine große Bedeutung zu. Weiters muß der Informationsaustausch zwischen der EZB und den nationalen Aufsichtsbehörden präzise festgelegt werden.

Im Zusammenhang mit der Krisenprävention bestehe zunächst einmal das primäre Erfordernis von soliden regionalen Finanzsystemen.
Mit den Basler Grundsätzen für eine wirksame Bankenaufsicht stehe ein wichtiger Baustein - in weltweitem Maßstab - zur Verfügung. Konkret urgierte Tumpel international vergleichbare und
transparente Rechnungslegungsstandards.

· Denkbar wäre nach Auffassung Tumpels allerdings auch eine Art internationales Rating-System, welches öffentlich warnen könnte, wenn die internationalen Standards der Bankenaufsicht nicht umgesetzt würden.

· Zudem sollten auch in den emerging markets private Einlagensicherungssysteme nach europäischen Vorbildern eingeführt werden.

Eingehend befaßte sich die Direktorin mit Vorschlägen zu einer Neuorientierung der Aufsichtssysteme auf internationaler Ebene.
So hängen das Selbstregulierungsmodell entscheidend von der Qualität, Vollständigkeit und rechtzeitigen Verfügbarkeit relevanter Informationen ab, und erfordere daher einen sehr effizienten Kapitalmarkt.

Eine wirksame Vorkehrung gegen das Auftreten systemischer Risken erfordere jedoch nach wie vor das Recht zur Setzung von Risikonormen seitens der staatlichen Stellen.

Auch in Österreich werden die Neustrukturierungen im Bankenbereich weiter gehen. Österreich habe noch 1997 - vor der Einführung des Euro - wesentliche Schritte zur Neuregelung des Bankwesens beschlossen. Auch auf legistischer Ebene sei Österreich auf die Einführung des Euro gut vorbereitet.

Des weiteren habe auch eine Evaluierung der Grundsätze für eine wirksame Bankenaufsicht des Basler Ausschusses ergeben, daß Österreich nahezu alle international geforderten Aufsichtsstandards umgesetzt hat.

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