Wien (OTS) -"Das Bankgeschäft ab dem Jahr 2002"

Der Präsident der Oesterreichischen Nationalbank, Dr. Klaus Liebscher, betonte in seiner Eröffnungsrede anläßlich des Alpbacher Bankenseminars 1998 zum Thema "Das Bankgeschäft ab dem Jahr 2002" am 26. August 1998, daß die Europäische Zentralbank (EZB) ein umfassendes geld- und währungspolitisches Instrumentarium zur Verfügung hat, um das primäre Ziel, nämlich die Gewährleistung der Preisstabilität, sicherzustellen. Viele Analysen belegen,
- so Liebscher - daß eine am Preisstabilitätsziel ausgerichtete Währung ein entscheidendes Fundament für die Entwicklung leistungs-fähiger Finanzmärkte und damit auch für ein gesundes und effizientes Finanzdienstleistungswesen ist.

Der Übergang zu einer einheitlichen und stabilen europäischen Währung wird die Zusammenführung der nationalen Finanzmärkte beschleunigen und zu einem Euro-Finanzmarkt führen, der wesentlich größer, tiefer und liquider sein wird als die heutigen nationalen Märkte. Der Euro wird zusammen mit der weiter voranschreitenden globalen Vernetzung von Finanzmärkten allerdings auch den Wettbewerb zwischen den europäischen Finanzplätzen und seinen Finanzmarktakteuren erheblich verschärfen.

Der Druck auf eine effizientere Kapitalallokation wird wachsen, daher wird die Effizienz der Leistungserstellung verbessert werden müssen. Technologieeinsatz, Innovationskraft, Dienstleistungs- und Aufsichtsqualität sowie steuerliche Rahmenbedingungen werden in diesem Wettbewerb zu strategisch entscheidenden Erfolgsfaktoren. Die Kompensation schrumpfender Geschäftsfelder, das Bestehen im europäischen Wettbewerb und das Ausnützen sich ergebender Chancen erfordern umfassende Anpassungsmaßnahmen der nationalen Finanzsektoren.

Die österreichischen Banken werden - abhängig von der Größe, der Innovationsfähigkeit, der Flexibilität sowie der Kostengestion -individuelle Anpassungsstrategien verfolgen müssen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft zu erhalten und die neuen Chancen nützen zu können.

Zunehmende Konzentration und grenzüberschreitende strategische Allianzen werden die Restrukturierung im europäischen Finanzraum prägen und damit auch den österreichischen Finanzmarkt spürbar beeinflussen. Eine Konsolidierung des europäischen Bankensektors ist in fast allen EU-Ländern bereits deutlich an der wachsenden Zahl von Bankenzusammenschlüssen und der Schaffung überregional bedeutsamer Institute erkennbar. Diese Strategie zielt auf die Ausnutzung von "economies of scale" und "economies of scope" durch das Zusammenlegen von Unternehmensbereichen und ermöglicht Größen- und Verbundvorteile zu nutzen und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Es zeichnet sich zunehmend ab, daß die künftige europäische Bankenlandschaft aus wenigen großen, europaweit agierenden Banken, aus Regionalbanken sowie aus kleinen, lokal tätigen Instituten bestehen wird.

Der Euro verstärkt zwar den Wettbewerb auf den Finanzmärkten, er beseitigt aber nicht den "Heimvorteil", den die nationalen Anbieter von Finanzdienstleistungen besitzen. Das erfordert eine "Rückbesinnung" auf eine wesentliche Stärke unseres Bankensystems, nämlich die starke lokale Verankerung durch gefestigte Bank-Kunden-Beziehungen, die durch ein hohes Vertrauen der Kunden in ihre Bank und deren Mitarbeiter gekennzeichnet sind. Es wird an der Servicequalität und den Produkten der Bank liegen, um eine entsprechende Kundenbindung zu erhalten.

Den österreichischen Banken eröffnen sich neue Chancen, verstärkt in anderen europäischen Ländern Fuß zu fassen bzw. die Osteuropaexpertise gezielt einzusetzen. Das Know-how ist durch langjährige Geschäftsverbindungen und die jüngste Expansion zahlreicher österreichischer Banken in die aufstrebenden mittel- und zentraleuropäischen Länder in reichlichem Maße vorhanden.

Das erklärte Ziel der Währungsunion ist eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Nutzens. Für einzelne Branchen werden sich relativ schnell positive Effekte ergeben, andere Bereiche - wie beispielsweise die Finanzmärkte - sind in einer etwas schwierigeren Position, da sie durch den Übergang zum Euro vorerst mit zahlreichen Umstellungsmaßnahmen und gewissen Einbussen bei einzelnen Geschäfts-bereichen konfrontiert sind und erst dann die positiven Effekte der Währungsunion ihre volle Wirkung entfalten können.

Rückfragen & Kontakt:

Oesterreichische Nationalbank
Sekretariat des Direktoriums/
Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr. (1) 404 20 DW 6666

ORIGINALTEXT-SERVICE UNTER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | ONB/01