WKÖ: Rußlandgeschäft auf gesicherter Zahlungsbasis fortsetzen

Auswirkungen der Krise auf Bankensektor noch nicht absehbar

Wien (PWK) - Handelsdelegierter Günter Richter (Moskau) empfiehlt den österreichischen Firmen, ihre laufenden Bemühungen in Rußland fortzusetzen, bis die neue russische Regierung konstitutiert und die weiteren wirtschaftspolitischen Maßnahmen festgesetzt sind. Lieferungen sollten allerdings bis auf weiteres nur auf gesicherter Zahlungsbasis (Vorauskasse, unwiderrufliches bestätigtes Akkreditiv einer westlichen Bank) getätigt werden. Im Hinblick auf die Bedeutung des russischen Marktes (sowohl für den Warenabsatz als auch für Investitionen) könne man davon ausgehen, daß international alles darangesetzt werde, um gemeinsam mit der russischen Regierung die Krise zu lösen. ****

Aus Firmenkreisen verlautet, daß sich die russische Finanzkrise auf die weitere Projektrealisierung verzögernd auswirkt. Die Auswirkungen der Krise auf den Bankensektor seien nicht absehbar, russische Unternehmer, aber auch ausländische Finanzierungs- und Garantieinstitute würden eine merkbare Zurückhaltung an den Tag legen.

Exportrückgänge dürften eher im mittel- und langfristigen Projektgeschäft zu erwarten sein, meint Richter. Im Konsumgüterbereich seien bisher keine wesentlichen Rückschläge im Zahlungs- und Lieferfluß festzustellen.

Richter weist darauf hin, daß die russische Regierung gegenüber Österreich ihren Verpflichtungen aus dem Pariser Umschuldungsabkommen bis zu den letzten Fälligkeiten pünktlich nachgekommen ist. Aufgrund des derzeitigen Informationsstandes könne damit gerechnet werden, daß auch die neue Regierung bestrebt sein wird, diese internationalen Verpflichtungen einzuhalten. Probleme dürften sich allerdings bei Bankentransaktionen und bei russischen Schatzscheinen und Staatsanleihen ergeben, wovon auch österreichische Banken betroffen sein werden.

Die de facto Rubelabwertung wird zur Verbilligung der russischen Produkte (mit Ausnahme der auf Hartwährungsbasis quotierten Energielieferungen) und damit zur Erhöhung ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit führen, meint Richter. Die importierte Inflation könnte somit teilweise durch vermehrte Exporte aufgefangen werden. Sollte es der neuen russischen Regierung gelingen, im Rahmen von Sozialprogrammen einen weiteren Kaufkraftverfall zu verhindern, so könnten Konsumgüterlieferungen aus den EU- Ländern (insbesondere auch aus Österreich), wenn auch mit Einschränkungen, fortgesetzt werden.

Im Rußlandexport sind derzeit rund 1.100 österreichische Firmen engagiert. In Rußland gibt es derzeit ca. 440 österreichische Firmenbeteiligungen (100-prozentige Töchter bzw. Joint Ventures) und ca 150 Repräsentanzen (Niederlassungen) österreichischer Firmen.

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Bruno Breinschmid

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