Wien (OTS) -Österreich hat von der wirtschaftlichen Integration Mittel- und Osteuropas überproportional profitiert

Anläßlich einer Podiumsdiskussion im Rahmen der diesjährigen Wirtschaftsgespräche des Europäischen Forums Alpbach zum Thema "Österreichs wirtschaftliche Verflechtung mit den mittel- und osteuropäischen Staaten" verwies Wolfgang Duchatczek, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, auf die Tatsache, daß Österreich von der wirtschaftlichen Integration Mittel- und Ost-europas nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ("Ostöffnung") bisher überproportional profitiert hat. So gehen rd. 16% der österreich-ischen Warenexporte in diese Länder. Im Vergleich dazu sind es für die fünfzehn Staaten der Europäischen Union nur knapp 5%. Österreich hat damit unter den EU-Staaten die relativ stärkste wirtschaftliche Verflechtung mit Mittel- und Osteuropa. Diese gegenseitige wirtschaftliche Integration zwischen Österreich einerseits und Mittel- und Osteuropa andererseits hat während der letzen Jahre stark zugenommen. So gingen 1989, im Jahr der politischen und wirtschaftlichen Wende, erst 9% der österreichischen Exporte in diese Region. Damit sind die mittel- und osteuropäischen Ländern für Österreich inzwischen ein wichtigerer Handelspartner als alle außereuropäischen Ländern zusammen. Auch von der Dynamik entwickelt sich der Handel Österreichs mit diesen Ländern sehr positiv. Die Warenexporte in diese Region stiegen 1997 um rd. ein Drittel, während das Gesamtexportwachstum nur halb so hoch war.

Die Warenverkehrsbilanz Österreichs mit dieser Region ist höchst aktiv. Österreich verzeichnet gegenüber den Ländern Mittel- und Osteuropas (ohne GUS) ein Außenhandelsaktivum von rd. 40 Mrd. ATS. Mit Ungarn, dem inzwischen drittwichtigsten Abnehmer österreichischer Güter, mit über 10 Mrd. ATS sogar den höchsten Überschuß gegenüber einem einzelnen Land der ganzen Welt.

Auch für die österreichische Fremdenverkehrswirtschaft gewinnen die Touristen aus den mittel- und osteuropäischen Länder zunehmend an Bedeutung, wenn auch ihr Anteil mit rd. 2 ½ Millionen Touristen-Übernachtungen trotz zweistelliger Zuwachsraten noch sehr gering ist und in etwa dem Anteil der Schweizer Touristen in Österreich entspricht.

Inzwischen befinden sich, laut Nationalbankdirektor Duchatczek, bereits rd. 30% der österreichischen Direktinvestitionsfirmen im Ausland in Mittel- und Osteuropa. Von dieser Investitionsumme von knapp 50 Mrd. ATS gehen alleine 20 Mrd. ATS auf das Konto von Ungarn, dem inzwischen gleichauf mit Deutschland wichtigsten Zielort österreichischer Direktinvestitionen.

Aber nicht nur das Volumen des österreichischen Engagements in dieser Region ist beachtenswert, auch die Rentabilität der Investitionen steigt nach Berechnungen der Nationalbank nach einer anfänglichen Durstperiode an. So lag die Umsatzrentabilität der österreichischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa 1996 bei rd. 2,9% und damit beträchtlich höher als in den Jahren zuvor und auch höher als in den anderen Regionen der Welt.

Die Region Mittel- und Osteuropa gehört inzwischen bereits zu den Hauptmärkten der österreichischen Banken. So hielten Ende 1997 schon 14 österreichische Kreditinstitute Beteiligungen von über 25% an insgesamt 32 Banken in Mittel- und Osteuropa und österreichische Banken waren mit 21 Repräsentanzen vertreten.

Aufgrund dieser starken wirtschaftlichen Verflechtung und der geographischen Nähe würde österreichs Außenhandel - so Nationalbankdirektor Duchatczek - von einer zügigen Integration dieser Länder in die EU überproportional profitieren. Die Erfahrungen vom Anfang dieses Jahrhunderts - als Österreich mit diesen Staaten eine Währungs- und Zollunion bildete - zeigen, daß das relative Außenhandelspotential in dieser Region noch sehr groß ist. Damals verdiente Österreich rd. 40% seiner Exporterlöse in dieser Region.

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