Studienreform mit Unterstützung der Wirtschaft

Universitätsstudiengesetz bringt Bewegung in Studienordnungen

PWK - "Bildungspolitik ist Gesellschaftspolitik" stellt der Wissenschaftsminister in seinem Weißbuch zur Hochschulbildung in Österreich fest. Und: daß es im Bildungswesen um einen lustvollen Umgang mit dem Leben und der Welt geht. "Ein zweifelsohne anspruchsvolles Ziel, wenn man anhand der aktuellen Studiensituation an den österreichischen Universitäten sieht, welche quantitativen Disparitäten bei vielen Studienrichtungen zwischen der Zahl der Hochschulabsolventen und dem Arbeitsmarktbedarf besteht", betont Klaus Schedler von der Abteilung Bildungspolitik und Wissenschaft der Wirtschaftskammer Österreich. ****

Mit dem neuen Universitätsstudiengesetz aus dem Jahr 1997 kommt Bewegung in die Studienordnungen. "Langsam wird es ernst mit der Studienreform", so Schedler, der die neuen Verfahren bei der Erstellung von Studienplänen betreut. Innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren müssen die Studienkommissionen an allen Universitäten sämtliche Studienangebote im Sinne des neuen Verfahrens überarbeiten. Bislang war das Angelegenheit des Wissenschaftsministeriums, im Zuge der Deregulierung des Studienrechts fällt diese Aufgabe nunmehr den jeweiligen Universitäten zu.

Neu ist auch das Verfahren, denn in einer ersten Phase haben die jeweiligen Studienkommissionen unter anderem den Interessensvertretungen ihre Absicht anzuzeigen, den Studienplan zu ändern. Damit ist das sogenannte "Anhörungsverfahren" eingeleitet, in dem die Repräsentanten des Beschäftigungssystems ihre Wünsche an das Studium äußern können.

Bei der Vorbereitung des neuen Studienrechts gab es gerade zu diesem Punkt viel Kritik von Universitäten, denn man sah die "Freiheit der Wissenschaft" bedroht und befürchtete eine "Fremdbestimmung der universitären Lehre". "Nüchtern betrachtet sieht die Sache aber doch etwas anders aus", stellt Schedler fest. "Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Studienanfänger wählt eine Studienrichtung in der Hoffnung, nach der Graduierung einen entsprechenden Beruf ausüben zu können. Gerade bei den anwendungsorientierten Fächern steht dabei nicht das Berufsbild des Forschers im Vordergrund, sondern das Gros der Absolventen muß in der Lage sein, berufliche Aufgabenstellungen unter Anwendung wissenschaftlich fundierter Methoden zu lösen" (Schedler).

Ziel dieser Öffnung der Universitäten war die verstärkte Betonung der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Lehrangebotes im Sinne einer Dienstleistungs- und Kundenorientierung. "Die Mitwirkung der außeruniversitären Welt bei der Studienplangestaltung wird von der Wirtschaftskammer als Unterstützung der Studienkommissionen gesehen, wenn es darum geht, die universitäre Lehre im Sinne der Berufserwartungen der zukünftigen Akademiker und der Arbeitswelt von Morgen zu gestalten", ist Schedler überzeugt.

"Wir bemühen uns in erster Linie, den Studienkommissionen Informationen zur Arbeits- und Beschäftigungssituation zur Verfügung zu stellen", meint Schedler und verweist gleichzeitig auf die Probleme dabei. Schedler: "Was soll man empfehlen, wenn man feststellt, daß beispielsweise bei den Rechtswissenschaften die Zahl der angehenden Juristen größer ist, als die der Berufstätigen. Noch dramatischer ist die Situation bei Theaterwissenschaftern, Publizisten oder Psychologen, die nach Erwerb ihres Diploms kaum eine Aussicht auf eine facheinschlägige Beschäftigung haben."

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Dr. Klaus Schedler

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