Den Putz-Geheimnissen um 1900 auf der Spur

Internationale Denkmalpflege forscht in Mauerbach

St.Pölten (NLK) - Einen Kalkputz aus der Barockzeit fachgerecht wiederherzustellen und stilgerecht zu gestalten, ist für die Denkmalpflege heute kein Problem. Je jünger aber die zu restaurierenden Objekte sind, desto schwieriger wird es. Auf Einladung des Bundesdenkmalamtes arbeiten daher Restauratoren und Denkmalpfleger aus ganz Europa in Mauerbach an der Studie "Erhaltung und Restaurierung von gestaltetem Verputz im 19. Jahrhundert", die neue Erkenntnisse über Materialien und ihren Einsatz zu dieser Zeit bringen soll. Partner des Bundesdenkmalamtes sind das Ungarische Landesdenkmalamt, der Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege, Schloß Trebsen (Deutschland) und die Institute für Silikatchemie und Archäometrie an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. Die Studie wird im Rahmen des EU-Projektes "Rendec" geführt und zielt auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und internationale Vernetzung bei der Erforschung historischer Architekturoberflächen ab.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden bei der Aufbringung von Putz an Hausfassaden neue Materialien verwendet. Vor allem der Zement löste den früher verwendeten Kalkmörtel ab, und hochhydraulische Kalke versprachen lange Lebensdauer. Die großstädtische Bausubstanz zeigt nach fast 100 Jahren aber große Ermüdungserscheinungen. Handwerker, die noch mit diesem Material gearbeitet haben, sind längst ausgestorben. "Wir befassen uns einerseits mit der Rekonstruktion noch erhaltener Originalsubstanz wie z.B. beim Rüdigerhof in Wien, wollen aber auch unsachgemäße Reparaturen beseitigen und erreichen, daß die früher verwendeten, aber längst vergessenen Materialien mit Hilfe der Bauwirtschaft wiederhergestellt und wirtschaftlich eingesetzt werden können", gibt der Leiter der Abteilung Baudenkmalpflege des Bundesdenkmalamtes, Dipl.Ing. Karl Neubarth, die Zielrichtung der Studie vor. Die Probleme in Wien, Budapest, Leipzig und anderen europäischen Großstädten sind nahezu gleich, es gibt lokale Abweichungen. Allen Gestaltungen dieser Zeit, ob es sich um "Zupfputz", "Rieselputz" oder "Kammzug" handelt, sind von ganz besonderer handwerklicher Qualität. Diese wiederum in wirtschaftlich tragbare Dimensionen zu bringen, um eine sachgerechte Restaurierung erschwinglich zu machen, ist ein wichtiger Aspekt der Studie.

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